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Der Orient · 1847-06-04 · 23 (4.6.1847) · p. Spalte 355-356

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Journal
Der Orient
Volume
1847
Issue
23 (4.6.1847)
Date
1847-06-04
Page
Spalte 355-356 (sequence 2)
Language
German
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355 Studien. Die Schöpfung und dee Sabbat. Die Schöpfung und der Sabbat. Ein Haräneiischexegetischer Versuch. Der biblische Ausdruck: Gott hat nach einer sechstägigen Arbeit gefeiert, geruht And'sich erholt , rwi , TDE”1)). steht in zu grellem Widerspruch mit dem geoffenbarten Begriff' von dem Ewig-Einen, der die Enden der Erde schaffend nicht erschlafft und nicht ermüdet (Iest 40, 28). Selbst das kindliche Gemüth, das, nicht so bedenklich wie die philosopbirende Dogmatikauch an den stärksten Anthropomorphisrum keinen Anstoß nimmt, so lange sie den ungeheuren Abstand zwischen Geschöpf und Schöpfer nicht zu nahe rücken, so lange es noch mit ehrfurchtsvollem Schauer die Kluft empfindet, die in dem Gleichnisse das ewig verhüllte Göttliche von dem sichtbaren Menschlichen trennt — selbst das kindliche Gemüth wird stutzig über einen Ausdruck., der Gott zu der Schwäche des'Menschen herabzieht. Wenn Gott in menschlicher Weise schafft, bauet, ordnet, so fühlt es immer noch die unermeß^ liche Größe seines Gottes; denn eia H i m m els g ew ölbe ist es, das Er Zelten gleich ausspaunt; Me ere undgewaltige Str öm e sind es, denen er Kanäle bricht und Betten höhlet; Welten erle u chtende Li chr b alle, die er an die .Veste hangt. Es beugt sich anbetend ln den Staub vor dem Gott , der in menschlicher Weise auf dem Throne sitzt und die Füße auf einem Schemel ruhen läßt; denn der Himmel ist sein Thron und die Erde sein er Füße Schemel. Es verehrt seinen Gott, wenn er auch in menschlicher Weise zürnt; denn sein Zorn dröhnt in Donnern und flammt in B l i tz e it und stürzt in F l u t h e n und E r dbeben gegen das Böser gegen Laster, Lüge, Thorheit und Unrecht. Und wenn es in Angst und Nöthen und Trübsal flehend das Antlitz Dessen sucht, der in menschlicher Weise mit den Betrübten trauert, mit den Leidenden leidet^); wenn .es sich vertrauenvoll wie an das Herz eines menschlichen Vaters schmiegt, dessen ,,'Harrd nicht zu kurz ist zu m .Erlösen u nd dem n ich t die Kraft fehl t zu retten oder wenn es im Drange seines Dankgefühls für genossene WohUhatcn dem gnadenreichen Geber seine Dankopser bringt, sei es, daß sie auf Altären rauchen, oder daß ihr Duft aus der Seele von den Lippen aufsteige, ln dem festen Glauben, „ Gott rieche den lieblichen Geruch, höre freundlich und beifällig auf die Stimme des Dankes:" dann fühlt es grade in dieser Denurth, womit er sich menschlich herabläfft zu der menschlichen Bedürftigkeit, seines Gottes Erhabenheit und Großes. — Der Verstand freilich, der sich feinen Gott so lange aus trockenemWege abzieht (abstrahirt^, bis Kopf und Herz in der Retone zurückbleiben und nichts als eine nebelhafte Substanz ohne selbstbewußte freie Thatkraft ge- 1) 'ttntn tejn’ wpa nsprvr— ">s )b orns 2) 'nw. m’'pn hw inbna'Näib' nnw'DipD' *>33' irwriuy xyn'nm 356 Wonnen wird , der man einen beliebigen Namen' geben kann, — der Verstand, sag' ich, wendet sich mit Widerwillen von dem geoffenbarten Gott ab. Der ist nur für das Gemüth, das einen lebendigen Gott braucht, der da denkt und fühlt und wirkt, aber in voller, freier, unermüdlicher Macht und Stärke, denn er ist der Heilige und Hochechabene (dhb l^Np^). Wenn nun aber sein geoffenbarter Gott erschöpft von der sechsrägjigen Arbeit ruht .und sich, erholt; wenn Hm der Tag, an dem Gott geruht, als heiligstes Bundeszeichen zu feiern geboten wird: dann sieht es. sich, bang und ängstlich nach einer Auflösung dieses mißklingenden Widerspruchs um, die ihm dogmatische Formeln, aus welcher Rüstkammer auch herbeigeholt, schwerlich bringen können. Und doch liegt sie in dem göttlichen Worte selber und das Gemüth selbst findet sie , wenn es sich demselben als erleuchtendem ..Führer an vertraut. Du bist nach dem Bilde Gottes geschaffen, so spricht das Wort, zu dem frommen Gemüthe; sein Hauch beseelet, sein Geist belebt dich. Wohlan.,' belausche deinen Geist, wenn er schaffen, sich offenbaren will in seinen Werken, um dich dann annäherungsweise zu ihm zu erheben, „der da sprach, und die Welt ward." Denke -dir den menschlichen Künstler in dem Seelenzustande , wo seines Geistes Gebild, sein Ideal ihn rastlos drangt und treibt diesem äußerliche Gestalt zu geben in Wortm oder Tönen, in Farben oder Massen, ihren Widerstand zu überwinden; ob sie sich auch sträuben, sein Gepräge anzunehmen — und wie in einem, freilich nur getrübten, Spiegel! (nTND rUW, NnPpDOfcO) siehest: du ahnend den Geist 'Gottes, der über.den Wassern bebt und webt. (DW ^D V HDnm 'N nn> Eine wunderbare Genauigkeit und Prägnanz liegt in diesem Worte ^rn, dem nur Ilnkunde oder absichtliches Misverstehen irgend welcher kosmogenischen Theorie zu Liebe den Begriff einer stürmenden Bewegung aufdringen konnte. Es vereinigt vielmehr den Begriff des unruhigen Zittterns (Ier. 23. 9) und des Flatterns (Deuter 32, 11), womit die Adlermutter über ihren Jungen mütterlich liebend schwebt. Dieser ruhelose Schaffensdrang das im Geist Gestaltete zu offenbaren beginnt 3) Ist die der im Worte geoffenbarte, wie-die Schöpfung der im Werke geoffenbarte Geda nke-Gottes, so erhält folgende Midrasch stelle ('k 'd -/s) ihr rechtes Licht: njno: iriw -.njnb wx pisfe run nfn -£>b jnin psy nyioorw tim mx jbrNnrpixn njriDx^x wV onn pxn yvbnwoptei nifrnnsn ibw rpiro D’3bn3ffpn hm p ptps^p' nwy w? pxr? D^vn TlN'.niQI. Im Leben ist es üblich, daß , wenn ein König einen Pallast bauen will, er ihn nicht nach eigenem Gutdünken, sondern nach dem Plane eines Baumeisters baut, und der Baumeister wiederum bauet nicht aufs Geradewohl, sondern er hat Zeichnungen und Risse um danach zu bestimmen, wo er die Gemächer, wo'er die Thüren anbringen soll; ebenso hat der Heilige und Gebenedeite in die Tora eingesehen und danach Vre Welt gebaut. Der So-

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