Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1847-05-28 · 22 (28.5.1847) · p. Spalte 339-340

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1847
Issue
22 (28.5.1847)
Date
1847-05-28
Page
Spalte 339-340 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/8555529-9890729-9890730--4984-3533216
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

339 Studien. Ein Wort über Iudenchum von Kabius Mieses. ' 340 bekannten Rltüalbi'rchern, tetitett: , tm npt&Or Dltt ”D DiN n^m DIN ncDH/ welche eine. Bearbeitung der -pi ttn nebst verschiedenen talmudischen Dissertationen und Quellen-Nachweisungen enthalten.' Wilna, 1812, 4. 28 und 15 Dl. — 61) ^01 n^D nnn ranDD nttfD, von demselben Verfasser; enthält 2 Äbtheilullgen. Die erste Abtheilung - ist ein Kompendium von DDD' und die zweite Äbtheilung ist ein Kompendium des “)DD von ELeaser Askari: Wilna, 1817, 8. 51 Bl. — . , ■ ■ (Fortsetzung folgt.) Ein Wort über Judenthum oder ' die Vergangenheit nnd Gegenwart, ' eine Parallele von Fabius Mieses. -In folgendem Artikel machen wir uns zur Aufgabe, im Iudenthume eine analoge Parallele aufzustellen zwischen dem Alterthum und der Neuzeit und ausführlich nachzuweisen, daß die gegenwärtigen jüdischen Wirren und Parteiungen, die man für originelle Schöpfungen des neunzehnten Jahrhunderts und des neueren Zeitgeistes ausposaunt, ihre Prototype in der Frühzeit finden und ihren Ursprung von den Parteien der Vergangenheit herleiten, mit denen sie auch in den Hauptprinzipien und Tendenzen eine schlagende Äehnlichkeit haben. Vor dem gänzlichen Verfall des jüdischen Staates, ungefähr ein Jahrhundert vor der üblichen Zeitrechnung, begegnen wir drei Parteien, die unmittelbar aus dem Schooße des Judenrhums hervorgegangen und. in der Geschichte unter den Namen Sadducäer, Pharisäer und Effäer bekannt sind»' Diese drei Parteien, welche sich Anfangs intensiv auf friedlichem Wege. neben einander entwickelten, traten hernach mit exklusiver Macht auf, prägten sich allmälig in förmlich schismatischer Gestalt aus , bis sie sich in der Folge zu besonderen gegenseitig sich anfeindenden Sekten heranbildeten. Indem man aber von jeher die wahre Charakteristik dieser Sekten nicht , gefunden und deren Differenzpunkte verkannt hat, welche schiefe Auffassung — unseres Erachtens — eine unausbleibliche Folge der Verkehrtheit und Einseitigkeit der Auffassung des Judenthums überhaupt ist, so wollen wir hier zuvörderst die wichtigsten von der neueren Kritik über Wesen, Inhalt und Tendenz, des Judenthums gewonnenen Resultate in Kürze zusammenstellen, um durch eine skizzirte Darstellung der Uridee des Mosaismus dem Leser einen Ueberblick über die vielfachen in dessen Mitte eiugetrenen Phasen und Metamorphosen zu verschaffen, wie auch die naturgemäße Entstchungsgeschichte' der alten''und gegenwärtigen religiösen Spaltungen ,und Zerwürfnisse in einem wahren Lichte zeigen und darstellen zu können. Man hat von Alters her die Ansicht angenommen, daß die Hauptidee des Mosaismus der philosophische MonothM-. mus sei und dessen Staarsverfaffüng eine theokratische. Allein bei kritischer Untersuchung und aufmerksamer Prüfung der jüdischen Urkunden, Bibel und Talmud, stellt sich das Irrtümliche und Unhaltbare dieser Meinung auf eine evidente, Weife heraus, was wir hier nur im Allgemeinen beleuchten wollen. In dem Mosaismus in seiner ersten'Erscheinung, wie er sich vorzüglich im Pentateuch abspiegelt, nehmen wir einen doppelten Charakter wahr, einen negativen und einen positiven. In seinem negativen Thnle tritt er als Opposition auf und negirt den Paganismus. Er bekämpft aber das Heidenthum nur insofern, als es sich in einer bestimmten lebendigen Erscheinung und in einer konkreten Ausprägung seines Daseins und Wesens offenbärt, keineswegs aber in Betracht der rein ideellen Seite^nnd ausschließlich des abstraktmetaphysischen Theils des heidnischen Pantheismus. Bildet auch der jüdische Monotheismus einen diametralen Gegensatz gegen das Heidenthum, wie der Gegensatz zwischen Geist und Natur , so tritt er jedoch blos dann als Antagonist des lehtern auf, wenn es sich in .der praktischen Wirklichkeit eine Bahn bricht und über die Leitung der Menschheit eine despotische Gewalt sich anmaßt, wo er es dann in seine Schranken zurückzuweism und aus dem Bereiche der realen Welt zu verdrängen strebt. Der jüdische Gesetzgeber schildert mit grellen Farben -Le gräuelhasten Gewohnheiten und obscönen Sitten des heidnischen Kultus, welche er als die Hauptmotive zur Ausrottung und gänzlichen Vernichtung desselbenangiebt. Blos aus dem Grunde, weil das Heidenthum in einem die Gottheit und die Menschheit zugleich entwürdigenden Götzendienst ausgeartet und den Menschen mit allen seinen guten und bösen Handlungen als blindes Werkzeug der Götter betrachtet, und durch das Faktum daher konsequenterweise die sittliche Unfreiheit begründet, mithin der menschlichen Glückseligkeit thatsächlich verderblich ist, wird es vom Mosaismus überall verfolgt und verbannt, —• also eine Negation des Schädlichen, Unmoralischen und Unglückseligmach enden. Der jüdische Monotheismus dient zunächst als Mittel zur Vertilgung der verderblichen Folgen des Polytheismus, und der Gott Israels ist weniger ein abstrakt philosophischer als hauptsächlich ein rein ethischer, als welcher er auch im Pentateuch und in den Propheten geschildert wird, als ein treuer guter Vater, der seine Kinder mit Liebe, und Nachsicht behandelt, deren Wohlfahrt und Freiheit schützt und treu überwacht, der nicht seiner eigenen Ehre oder der Verbreitung seiner Allmacht halber seine Vorschriften und Ermahnungen zu beobachten befiehlt^ sondern zum Wohle der Menschheit, damit sie gedeihe und im Laufe der Zeiten zur höchsten Stuft

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.