Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1847)
- Date
- 1847-05-28
- Page
- Seite 169 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, StuHien und Kritiken Achter Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Thlr. Manabonnirt bei allen Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für Geschichte und Literatur. Herausgegeben von vr. Julius Für«. Jahrgang. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. 22» " Leipzig, dm 28. Mai 184^» Inhalt. Deutschland. Preußen. Sendschreiben an den Landtag kFortsetzung.) — Vom Rhein. Wunsch des Unterbleibens der diesjährigen,R'-V — Hannover. Aufhebung des Schutzzolles. — Dresden. Berichtigung in Bezug auf den Mendelssohnverein. —■ Berlin. Protest gegen Ausschließung der Juden vor, Börsenvereinsangelegenheiten. Dankadresse. Statistische Ueberft'cht. Der Ausschuß zur Berathung des Judengesetzes. Schöne Theorie, schlechte Praxis. — München. Die Rabbiner dürfen zur R.-V. — Berlin. Berufung des Dr. Rießer. Dr. Sachs und der Messias. — Groß briranni e n. Birmin g ham. Rede des Dr. Rafall (Schluß). — Inden in Constanz von Nabb. Schott (Schluß.) — LB. d. Or. Deutschland. ' Preußen, 13. Mai. (Fortsetzung.) Aber wir haben einen noch gewichtigeren, noch mächtigeren Antrieb für unfern Widerstand. Dieser Entwurf bietet uns seine dürftigen Gewährungen um einen Preis an, um den wir sie, auch wenn sie wirkliche Fortschritte, auch wenn sie noch weit umfassender wären, ja wenn sie das heißersehnte Gut der persönlichen Rechtsgleichheit selbst enthüllen, dennoch nicht annehmen würden. Es ist dieser Preis kein geringerer, als eine in Aussicht gestellte Trennung vnn unfern christlichen Mitbürgern in solchen Angelegenheiten, die weit von dem religiösen Gebiet abliegen und weit in das bürgerliche Gebiet hineingreifen. Enthielte dieser Entwurf neben einer Reihe von Einräumungen nur den einen §. 15 mit seiner traurigen Möglichkeit einer besondern Juden-Vertretung außerhalb der allgemeinen Bürger- Vertretung, wir würden ihn mit aller Kraft der tiefsten Ueberzeugung als einen unsere bürgerliche Gegenwart und Zukunft gefährdenden zuückweisen. Aber dieser §. ist nicht der einzige, über den wir Beschwerde führen, er ist nur die äußerste Spitze eines seiner ganzen Grundlage nach verfehlten , auf irrigen oder unklaren Vorstellungen beruhenden Baues. In den vorangehenden .14 §§. ist die Bezeichnung der Judenschaften „als Religions-Gemeinden"— also als des Einzigen, was sie der NaturderSache nach sein können und sollen — mit einer eben so auffallenden, als unbegreiflichen Sorgfalt vermieden z des Kultus des'r Wesentlichen und Einzigen, womit die Religions-Gemeinde sich zu beschäftigen hat- — wird erst beiläufig in §. 16 wie einer Nebensache gedacht. Wer die ersten 15 dieses Gesetzes mit den' wiederholten Hindeutungen auf die Analogie der bürgerlichen Gemeinden in ihrer ganzen auf Bürger l ich e s Hinziele«den Fassung liest, kann keine andere Vorstellung gewinnen, als daß es sich um die Organr'sirung der Juden zu gesonderten bürgerlichen- Gemeinden handle. Aber eine solche Organisation, von welcher wir in den civil i sirt en Staaten Europas kein Beispiel finden, weisen wir auf das entschiedenste zurück. Wir wollen keine eigene Bürger-Gemeinde bilden, wir wollen keine eigenen Stadtverordneten, so wenig wie wir die nach §.35 uns zugedachten Schiedsmänner für die unter uns vorfallenden Streitigkeite'n wollen; wir wollen nichts, was uns außerhalb des religiösen Gebiets von rrnserri christlichen Mitbürgern trennen könnte. So lange diese Judenschaften — wir verhehlen nicht, daß schon der Name ein sehr unbeliebter unter uns ist, weil er allzusehr an Gesetzgebungen erinnert, die unserer Zeit und ihrer Gesittung nicht angehören — nicht durch ein dem Inhalte des vorliegenden Entwurfs gerade entgegengesetztes System aufs ausdrücklichste für bloße Religionsgemeinden erklärt, so lange nicht die Vorsteher dieser Gemeinden aufs bestimmteste auf Funktionen, die den Kultus angehen, beschränkt werden: so lange werden diese Judenschaften und ihre Vorstände einem so entschiedenen, unüberwindlichen Widerwillen begegnen, so lange werden die Besten unter uns sich so ernst- , hast gegen die Uebernahme von Funktionen und gegen das Wählen zu denselben sträuben, welche ihren tiefsten Ueber- 22