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Der Orient · 1847-04-16 · Heft 16 (16.4.1847) · p. Seite 128

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 16 (16.4.1847)
Date
1847-04-16
Page
Seite 128 (sequence 15)
Language
German
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den?Eharakter dieser Formel ausgesprochen haben; wenn selbst der verehrteste Vertreter der Orthodoxe in Deutschland, der Oberrabbiner Dr. Frankel in Dresden auf eine anHn gerichtete Anfrage Man sehe dessen Zeitschrift Jahrgang 1845) ob man wegen der bekannten Verdächtigung, die Formel Kol Nidre aus den Gebeten scheiden dürfe, bejahend und selbst anrathend .geantwortet hat: verdient dann ein solcher Verdacht, in - ein Gesetz von 1845 überzugehen? Welcher Rabbiner, welche 3 andere Israeliten würden sich wohl, wenn sie selbst es zu können vermeinten, der Gefahr aussetzen, einen wirklichen Eid, einen Eid gegen den Nächsten aufzulösen: Ist die Möglichkeit denkbar, daß die Auflösung wirklicher Eide in der Lehre bestehe und im Leben in Anwendung gebracht werde und durch Israel selbst noch nie thatsächlich ans Licht gebracht sei? - Ferner heißt es in diesem §.9: . Ich frage Euch weiter , ob Ihr glaubet, daß es von Niemand, als von Gott, komme , daß Ihr christl. Obrigkeit unterworfen lebet und daß Ihr derselben unterthan sein sollet und müsset und daß Ihr also schuldig seid in allem Sachen rc... vollkommen Gehorsam zu leisten?" \ Es ist aber seit dem Untergänge des jüd. Staates ein so langer Zeitraum verflossen; es hat selbst die jüd. Gerichtsbarkeit schon so lange ihr Ende erreicht, daß sie nicht mehr das Leben sondern nur noch das Buch der Geschichte dem Israeliten in die Erinnerung zurückzurufen vermag, warum den schwörenden Israeliten also zu einem Gehorsam ermahnen, der ihm durch die Dauer der Zeit so natürlich geworden lst, wie er seinem christl. Bruder nicht natürlicher sein kann, ja so natürlich, daß es einer Ermahnung bedurfte, wenn er einer jüdischen Gerichtsbarkeit wicder unterworfen werden sollte?! Zum Schluffe heißt es dann noch in §. 9. „Endlich frage ich Euch, ob Ihr demnach Gott, als dem Gott der Wahrheit die Ehre geben rc... auch keine andere Meinung und Auslegung in Gedanken haben wollet, als .welche in den Worten von Euch ausgesprochen und wie Euch vorhin eröffnet worden, von der Obrigkeit mit diesen Worten verbunden wird." (Beschluß folgt.) Personalchrvnik und Miseellen. Rom. In der Sammlung für die durch die vorjährige Liberüberschwemmung Leidenden haben die. hiesigen Juden 521 Scudi d. h. e. 800 Lhaler geschenkt. Und doch haben die Juden selbst sehr gelitten! Das Ausschließen der Juden ist das langgehegte sociale Laster in Italien und die Gesell- Verlag von C. L. Fritzsche. schaft ist so sehr daran gewöhnt^ daß.'Niemandem die Verlassenheit der Juden mehr auffällt. — ' '• . * .* - Schwerin (im Mcklenburgischen). Die Rabbinerwahl ist nun beendigt, Dr. Ginhorn, der sich in der RV. gerühmt haben soll, daß er nicht minder den Talmud liebt als H o ld h eim, war der Glückliche. Von den Konkurrenten wurden von' vorn herein nur die Mitglieder der RV. berücksichtigt, indem der Oberrath, nach Versicherung des,-Israelit", die Erklärung gegeben, daß er sich einen großen Mann nicht denken könneder nicht in der RV. gesessen. — Wien. Baron Sal. v. Rothschild bezeichnet sein jetziges Verweilen hier durch eine große Anzahl wohlthätiger Handlungen, die man gern mit Freuden berichtet. So schenkte, er so eben der Irrenanstalt zu Wien zum Wohle der Entlassenen Eintausend Gulden CM. als Fondsbeitrag für den sich bildendem Verein. Der Kleinkinderbewahranstalt in Döbling spendete er 500 fl. Einem, jungen, talentvollen Mechaniker schenkte er ebenfalls eine Unterstützung von 500 fl. zum Baue eines von ihm erfundenen Aparates.'— - * Meklenburg. Endlich ist auch hier im Holdheim'- schen Reiche die .Eidesformel more judaico abgeschafft worden, wie in so vielen andern Staaten Deutschlands. Man wundert sich allgemein, wie in diesem Lande, wo ein Holdheim alle jüdischen Vorurtheile bis auf das einzige der Reform verbannt, noch ein so judenfeindliches Element* bestehen konnte. Berlin. Heute den 10. April hat Holdheim sein Amt. als Prediger der Reformgenoffen angetreten. Seine Predigt war über alüs. Erwarten sehr gm, die darin kundgegebenen Principken waren die der Reformgenossen aber doch entschieden gegen jeden Abfall* vom Judenthume. Noch mehr jedoch als diese Predigt mit dem etwas absonderlichen Gottesdienste hat mich die Verkündigung von der Kanzel, daß so eben eine Religionsschule eröffnet werden sollte, überrascht und ich kann sagen erfreuet, da nun die orthodoxe Partei ein Gleiches zu thun gezwungen sein wird.' Hamburg. *2Cm verwichenen Sonnabend hielt Dr. Salomon in Unserem Tempel eine tiefergreifende Trauerhomilie (Hesped) zum Andenken des in Seesen verstorbenen Dr. Wohlwill. Es war eine erschütternde Threnodie, den Manen des Verstorbenen geweihet, und wahrlich Wohlwill hat sie auch um die Wissenschaft verdient, da er in Zunz's Zeitschrift 1822 der erste war, der unter dem Namen Immanuel Wolf die Grundlinien einer Wissenschaft des Judenthums entworfen und er als Schöpfer der Philalethen zu Kiel die Veranlassung zu den Bewegungen der Freien in der Neuzeit geworden. Druck von I. H. Nage l.

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