Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1847)
- Date
- 1847-04-09
- Page
- Seite 120 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2360092-2360472-2360488--5873-3533088- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
nicht aus religiösen, sondern aus weltlichen unlautern Motiven geschehen. Ganz so verhält es sich mit den Conzessionen, die man Ln unfern Lagen, angeblich zur Erhaltung der.Religion, verlangt. Die Zeitumstände machen es keineswegs dem heutigen Juden unmöglich, seine Religion Ln ihrem ganzen Umfange zu beobachten. Im GegentheiL wird die Ausübung der Religion ihm jetzt viel leichter als unseren Vorfahren, die mit ihrem schweren Gelde, mit Erduldung von Schmach und Ausschließung aller Art ihre Religionsübung theuer erkaufen mußten. Aber es haben sich Viele aus Uebermuth , Unglauben, Bequemlichkeit u.dgl. von vielen Ceremonialgesetzen losgesagt; nun kömmt man und sagt: man müsse es diesen Herren leicht machen und sie von Allem dispensiren, wozu sie sich nicht verstehen wollen, damit sie sich nicht ganz von ihrem- Glauben abwenden. — also zur Erhaltung der Religion. Zu derartigen Dispension haben wir mit Nichten Befugniß, da, wie gesagt, die Übertretung nicht von dem Uebertretenden zur Erhaltung der Religion geschieht. Es kann daher natürlich von Coneessionen unter diesen Umständen die Rede nicht sein, abgesehen davon, daß Concession überhaupt, nach meiner festen Ueberzeugung, nie und nimmer die Religion zu heben im Stande ist. (Beschluß folgt.) Düs Hreders Die Nacht sinkt nebelhaft ins graue Meer der Schatten, Der Lag erstehet hold, von Purpurgold umwoben Und Lausende von'Kehlen, Bewohner grüner Matten Jubeln hoch empor, den Schöpfer laut zu loben. Der Morgen zieht herauf aus dunklem Wolkenschleier, Erwachet ist Natur zum heiligen Gebet, Und höher schlägt das Herz, fühlt kräftiger und' freier, Wie majestätisch groß der Sabbattag ersteht. Auch Rabbi Meir war nach Brauch und alter Sitte Um fromm den Sabbattag dem Himmel ganz zu schenken, Geeilt ins Bet ha-Midrasch, in seiner Schüler Mitte Dort lehrend ihren Sinn zum Schöpfer hinzulenken. Doch wer vermöchte wohl die Zukunft zu erschauen, Zu lüften jenen Schleier, der dicht um sie gewoben; Wer sein ganzes Glück auf Zukunftsträume bauen, Die eh', man sich's versieht, wie Spreu vom Wind zerstoben. Ach armer alter Mann, auch dir ist schnell entschwunden! Dein ganzes Zukunftsglück, dein Wünschen und dein Hoffen, Und nimmer harschen wohl die tiefen Herzenswunden Weil Schicksals rauche Hand, Verlust dich hart getroffen.- *) Nach dem Midrasch. Verlag von C. & Fritzsche. Jndeß an heiliger Stell' du lehrest Fremder Söhne, Entreißt daheim der Tod die Deinen dir vom Herzen. Die Mutter jammert still, es quillt die heiße Thräne Erpreßt vom herben Weh von Leid und bittern Schmerzen. Und um die Sabbatwonn' dem Gatten nicht zu stören. Hat sie das theure Paar auf's. Ruhebett geleget; Deckt sie mit. weißer Deck', benetzt mit Wehmuthszähren Die sie mit Mütterlich so lange treu gepfleget. Doch als die Abendsoün'hell röthet Wolk' und Erde, Kehrt Rabbi Meir heim und fragt um seine Lieben, Sucht sie mit Liebesblick am väterlichen Herde, Und fragt warum sie heut vom Lehrhaus weggeblieben. Ihr irrt mein trauter Mann, sie sind dahin gegangen!. Darauf das gute Weib mit düsterer Seele spricht, Und sind vielleicht noch jetzt mit Forschen dort befangen Wo Helle ihnen strahlt der Forschung göttlich' Licht. Sodann mit frommen Sinn sie ihm den Becher reichet Zum Abschiedsgruß vom Sabbat wie in Israel Sitte, Doch eine düstre Ahnung sich ihm in's Herze schleicht, Und abermals er fraget, wo weilen ihre Schritte?- Sie sind wie ich gesagt ins Gotteshaus gegangen, Zu schöpfen dort die Lehr aus reinen Wahrheitsquellen; Doch möchtet Ihr auch mir gewähren ein Verlangen, Und gütiglichst erlauben, eine Frage Euch zu stellen? Vor Kurzem wurde mir ein köstliches Kleinod Von einem guten Freund zur Wahrung hergegeben, Npn da ich es gehegt mit Sorgen und mir Noth, Verlangt man es zurück, soll ich's wohl wiedergeben? Der Rabbi, drob erstaunt ob seines Weibes Schwanken Gibt ihr das Wort zurück, wie kannst du da noch fragen? Willst du dem Freunde denn also das Zutrau'n danken? Wie kannst du fremdes Gut doch dein zu nennen wagen? Und rief erschüttert faßt sie jetzo bei der Hand, Den armen Vater ach, führt ihn ins Nebenzimmer, Hebt ab die weiße Deck' vom trauten Bruderband, Da lieget das Kleinod in blaffen Lodesschimmer. Verzweiflung faßt ihn schier, der Blick wird wild und starr, Ein Schmerzenölaut enttönt der Brust die tief beklommen, Und schluchzend sinkt er hin rauft sich das graue Haar; O Gott schrei't er voll Weh, Du hast mir sie genommen! Und hast du darum mir die Seligkeit gegeben? Daß um so bitterer ich empfinde den Verlust? War's wohl gerecht, so schnell entreißen die dem Leben Die ich so groß genährt an väterlicher Brust. . Mt sanfter Wehmurh nun, das bied're Weib ihn fraget, Habt Rabbi Ihr.so schnell die eigene Lehr vergessen!? Die ihr voll frommen Sinnes als Antwort mir gesagtt, Sich fremdes Gut zueignen sei Unrecht und vermessen. Der Herr hat sie verliehen, um redlich sie zu wahren! Nun ist sein Eigenthum zu fordern er gekommen, Zu prüfen unser Herz, ob wir auch treu verharren, Hat er sie uns gegeben, und wieder sich genommen. N. Pope. Druck von I. Hl Nag e l.