Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1847-04-02 · Heft 14 (2.4.1847) · p. Seite 112

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 14 (2.4.1847)
Date
1847-04-02
Page
Seite 112 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2360092-2360472-2360487--5864-3533070
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 112 — Als ein Zeichen, daß die Liebe, die gelöst von Gottes Macht, Noch im Nachgefühle leuchte traumhast-mild in trüber Nacht!" Gottes Werk ist unsre Liebe, unsrer Ehe heilig Band, Soll das Himmlische vernichten die verweg'ne Menschenhand? Und sie höret sein Versprechen freudestrahlend und entzückt, Wie wenn ihrer Seele Schwingen in ein Wonnenetz verstrickt, Kann sie glauben kaum der Kunde, die ihr süß wie Rettung . . klingt, Kann sie fassen kaum die Freude, die ihr Trost und Labung bringt. Angeschmiegt dem theuren Gatten, wie beim frohen Hochzeitmahl, Schenket sie des goldnen Weines, und kredenzt ihm den Pokal; Süßes Träumen, holde Worte, die den Marin so oft beglückt, Sie verkünden, daß der Kummer bald im Herzen unterdrückt. Ihrer Reve süßer Wohllaut, wieein Strahl aus froher Brust, Spiegelt auf die ernste Feier einen Wiederschein der Lust, Und des Weines helles Blinken, wie des Auges klares Licht, Scheucht die peinlich trübe Wolke bald von jedem Angesicht. So bewahrt der Wein,, der edle, grambesiegend seine Macht Selbst an ihm, den Gram erwartet, wenn er morgen früh ' erwacht; Und so lauscht er ihrer Rede, die dem schönen Mund entfließt, Bis er wein- und wonnetrunken sanft das müde Auge schließt. Heimgegangen sind die Gäste von dem seltsam-frohen Mal, Heimlich winkt sie ihren Dienern, leisen Schrittes den Gemal In ihr Vaterh aus zu bringen und sie selber folgt von fern Wie ein Engel der Versöhnung, wie der Liebe milder Stern. III. In dem dämmernden Gemache sitzt die reizgeschmückte Frau, Hell erglänzt der Freudenschimmer in des Auges Perlenthau; Liebvoll auf das reiche Lager hält gerichtet sie den Blick, Wo Er schlummert, der ihr Alles, ihres Lebens höchstes Glück! Durch die Fenster dringt begrüßend ein versöhnend Morgenlicht Und sein Strahl fällt wie verklärend auf des Edlen Angesicht; Ihres Busens Wogen künden ihre Freude gränzenlos/ . Da vom Himmel ihr beschieden ihres Lebens schönstes Loos. Doch wie ihres Herzens Becher voll vom freudigen Erguß, Eilt sie hm .zu dem Geliebten, wecket ihn mit einem Kuß: „Wache auf, mein Heißgeliebter, sieh' der Tag des Glückes nah'r, Du bist mir das sch Lnste Klein od, das ichmir von dir erbat! In die Heimath meiner Kindheit, in die stille Einsamkeit Nahm ich mit mir was nur kostbar mich erfreuen kann zur ‘ . Zeit! Nicht soll reuen dich, was edel deine Großmuth mir gewährt, Was mir köstlicher als Kronen, mehr als selbst mein Leben; werth. Er erwacht aus süßen Träumen, richtet sich.vom Lager auf, Und er sinnet und bedenket seinen neuen Lebenslauf, Daß der Brust die Last entnommen, daß er nimmer einsam ist, Und daß ihn und sich gerettet seine Frau mit holder List. Er umschlinget die Genossin wie zum neuen Lebensbund: „Ihm d o r t weihe deine Thränen, heilig fei uns diese Stund'! /Deiner Liebe ist gelungen, was der meinen nie gelang, Ja des Lebens tiefste Schachten, in des Herzens Tiefen drang; Deine sanftbeschwingte Rede, wie sie Liebe dich gelehrt, Bis du mir den Schmerz der Trennung sanft vom Busen abgewehrt". Und sie jubelt: „Dank dirTheurer, sür dein köstliches Geschenk! Meines Gottes, meines Gatten, meines Glückes eingedenk, Will den Himmel ich erstürmen im Gebete Tag und Nacht, Bis der Enget frohen Segens Mutterfreuden mir gebracht". — Und er führet heim die Holde, wie der Bräutigam die Braut, Neuverjüngt ist ihre Liebe, als wenn eben sie getraut; Und der Herr von seinen Höhen segnet mild das fromme Paar — Und ein Knäbchen wiegt die Mutter, wie verflossen kaum ein Jahr. Der treue Glaube. Es ragt ein Fels, der tausend Stürmen stehet Den nichts zerstäuben, nichts erschüttern kann, - Der wie auch Alles wechselt und vergehet, Sein'greises Haupt stets hebet himmelan. Nicht Zeit nicht Kraft vermögen ihn zu schwächen, Vom Riesenbau ein Sternchen nur zu brechen. Und hat auch Mancher schon den Meißel dran gewaget, Bald sanft, bald rauh die Hand an ihn gelegt; Vergeblich Mühen war's, denn sieggekrönt stets raget Er hoch empor von Gottes Hand gehegt, Und Zeit und Kraft, Sturm und Meißel da nichts vermögen, Wo Gottes Wort gebeut, wo schützt sein treuer Segen. Und weit und breit hinaus reicht er in alle Welten Nach Osten und nach West, nach Süden und nach Nord. Wo Gesetze der Natur, wo Gottes Worte gelten, Da schirmt sein edler Schatten, ist er ein trauter Hort. Mag Sturm und Wetter toben, mag drau'n des Schicksals Macht, Er ist's mit Riesenarmen, der freundlich ob uns wacht. Willst jenen Fels du kennen, erproben seine Kraft/ Willst wissen wie er heißet, willst wissen was er schafft? So greif in deinen Busen, o Mensch beglückt durch ihn! Der Glaube ists der treue, der wahre Glaubenssinn. An ihn stets fest zu halten, sei Sonne dir und Licht Bis einst um neu zu leben, dein sterbend Auge brichr. R. Pope. Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel«

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.