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Der Orient · 1847-03-26 · 13 (26.3.1847) · p. Spalte 205-206

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Journal
Der Orient
Volume
1847
Issue
13 (26.3.1847)
Date
1847-03-26
Page
Spalte 205-206 (sequence 7)
Language
German
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206 Kritiken. M. B. Friedenthal's Schriften, 205 kann auf einer solchen Zeugenschaft kein Todesurtheil erfolgen. Nach diesem ist doch sehr leicht cinzusehen, daß die Uebereinstimmung von 12 Richtern eine weit größere Beruhigung gewährt, als der Ausspruch von L3 Richtern, dem von 10 andern Richtern widersprochen wird. Es scheint ferner sehr sonderbar, daß nach mosaisch-talmudischer Verfassung ein einstimmiges Todesurtheil nicht vollzogen werden kann (Maim. H. Scmhedrin 9, l), und doch sollte man meinen, die größte Sicherheit liege in der Uebereinstünmung. — Aber nach meiner Ansicht ist der Unterschied zwischen der englischen und der talmudischen Verfassung in einem andern Umstande aufzusuchen. (Fortsetzung folgt.) 11) nJm'H npi» rnn ND', oder : Theologisch-philosophische Abhandlungen über die Grundlehren der mosaischen Religion. Zur richtigen Erkenntniß rc. Verfaßt von M. B. F r’t e denthal. Breslau, 1846—47. 8. Bei Aug. Schulz. (Schluß.) Noch deutlicher stellt sich der Unterschied zwischen beiden letztern Wörtern in ihren figürlichen Bedeutungen heraus: rpQ nämlich wird von dem gänzlichen Untergehen eines Dinges und seinem Uebergang in das Nichts; pp hingegen von der Vollendung seines Zieles gebraucht; demgemäß heißt es (Gen. 6,. 13) das Ende (p^ alles Fleisches ist vor mich gekommen, d. h. ich habe wabrgmommen, daß die sündhafte Menschheit das Ziel und die Bestimmung ihres Daseins gänzlich verfehlt hat, wäre hier nun das Wort 'angewendet worden, so hätte es nichts anders heißen können, als : der völlige Untergang des Menschengeschlechtes ist von mir beschlossen worden, was doch in der Lhat keineswegs der Fall war, da im Gegentheil, um diesem, gänzlichen Untergang vorzubeugen, die Erhaltung des Noa und seiner Familie auf außerordentlichem Wege von Gott bewerkstelliget wurde, in diesem Sinne, wird nun hier ferner ausgeführt, sei das Wort pp dem Worte nrrn entsprechend und mit ihm synonym, daher wie bei diesem der Gegensatz fWis'“), d. h. das Beginnen eines Dinges, welches nach der Absicht eines vernünftigen Wesens zur Erreichung eines bestimmten Zweckes entstehen sollte, während n!nn und^10 das' blose Beginnen um den völligen Untergang eines Dinges bezeichnen; es könne daher nur für denjenigen, welcher an eine göttliche Vorsehung glaubt in Beziehung auf das Unwersaum eine (Beginnen) und ein pp (Ziel) geben, für den aber , der eine solche Weltregierung leugne, gebe es nur ein n'pnn (Anfang) unb'rpft (Ende), es sei daher mit gutem «Bedacht für das Beginnen der Schöpfung ft der mosaischen Schöpfungsurkunde der Ausdruck rp&7N"D und nicht rfrnrD g-ewählt worden, um anzudeuten, daß das Universum auch nach seiner Vollendung, nicht dem Zufälle preisgegeben werden, . vielmehr unter der göttlichen Waltung stehen solle. Eben so sei durch das Wort pp, dessen sich die Propheten in Bezi-khung auf eine zu erwartende Zeit der Vollendung für die Menschheit bedienen und diese herbei zu wünschende Zeit, cm deren Förderung die ganze Menschheit vom Anbeginn arbeitet, haben schon die Propheten und später die Rabbinen als die Zeit der Erscheinung eines Messias bezeichnet; wenn also ein gewisser Rabbi Hillel im Talmud die persönliche Erscheinung eines solchen Messias leugne, so leugne er dadurch doch keineswegs das Erscheinen einer Zeit der Vollendung des Menschengeschlechtes und dies ist diesem Gelehrten das Wesentlichste bei der Sache und so stimmt derselbe auch mit Maimuni in der Hauptsache überein, wiewohl dieser in Hinsicht auf das Erscheinen eines persönlichen Messias von jenem abweicht, und der übereinstimmenden Ueberzeuzung aller übrigen Glaubensvertreter, sowohl Propheten als Gelehrten treulich folgt. 6) Lösung einer, wichtigen Frage des Maimuni im Betreff einer biblischen Stelle. Mamar ha-Beria S. 30 folg. Diese, Ex. 10, 1 enthaltene Stelle, lautet nämlich: „gehe hin zu Pharao, König von Egypten; denn ich habe sein und seiner Diener Herz verstockt gemacht, um diese meme Wunder an ihm zeigen zu können". Maimuni findet es nun in seinem Werke über Psychologie mit der göttlichen Gerechtigkeit unvereinbar, einen Menschen überhaupt und besonders so außerordentlich zu bestrafen, dessen frevelhafte Handlung lediglich, indem göttlichen Willen ihren Grund hatten, also völlig, unfrei waren» deün wenn wir auch anzunehmen berechtigt wären, daß ein Pharao auch bei völlig freiem Willen nicht anders gehandelt haben würde, so sei er doch so lange als unzurechnungsfähig zu betrachten gewesen, als er durch den unwiderstehlichen Willen. der Allmacht zu seinen Handlungen gezwungen war. Diese höchst schwierige Frage wird nun auf folgende scharfsinnige Weise zu lösen versucht. Dem. Menschen, heiße cs hier, ist ein doppeltes Mahlvermögen verliehen, ein physisches nämlich und ein psychisches, ersteres hat er mit dem Thiere gemein, letzteres hingegen ist nur dem Menschen eigentümlich. Es werfe z. B. Jemand einem Hunde ein Stück Fleisch vor, ein anderer gegenwärtiger Mensch aber, suche den erstern durch angedrohele Stockschläge von dem Erfassen des vorgeworfenen Fleisches abzuhalten, so werde dadurch in dem Thiere ein mächtiger Kampf zwischen zwei entgegen gesetzten Trieben, der Eßluft und der Furcht notwendig entstehen. Der Hund genüge indessen dem einem oder dem andern der beiden Triebe, so wird in beiden Fällen seine getroffene Wahl keine freie zu nennen sein, vielmehr wird er zu jedem der beiden Entschlüsse und zwar in dem einem Falle durch den Hunger und in dem andern durch die Furcht vor Schlägen gezwungen ftin; anders aber verhalte es sich mit der freien Wahl des menschlichen Geistes. Seines Entschlüsse zur Wahl des Guten und Schönen sind keinem Zwange unterworfen, da der Tugendhafte jeder Drohung zu trotzen weiß, und selbst das Höchste der äußern Lebensgüter zu opfern bereit ist, wenn es darauf ankommt, den höhera Anforderungen des Rechts und der Tugend

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