Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1847)
- Date
- 1847-03-26
- Page
- Seite 97 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Studien und Kritiken I® W: M Achter Das Abonnement auf em Lahr ist 5 Lhlr. Man abonnirt bei allen Ml. Postämtern und allen solid. Buchhandmgen auf ein Jahr. für , jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben «an Dr. Julius Fürst» Jahrgang. Won dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. J|(? 13» Leipzig, den 26. März 184 V» Inhalt. Deutschland. Breslau. Deutsche Reformen. 'Vre s l au. Wohlthatigkeit der lÄdischen Gemeinde. Breslau. Die königl. Wilhelmsschule. Stettin. Aus dem Leben des Berliner Volksvertreter des Iudenthmts. Frankfurt a. M. Die Rabbinerversammlungskasse. Ein neuer Auftritt in der Synagoge. Aktenstück.. Leipzig. Reformen für Pesach. ' H am btrr g. Der böse Geist im Senate. Die IakobsoMsche Schule. — St alte n. Padua. Nekrolog des Gabriel Triefte. Von Prof. Lu zjario. — Sendschreiben an Dr. S. im ZW. (Schluß.) — Das kostbare Geschenk. Von Dr. M. Letteris. — LB. d. Or. Deutschland. Breslarr , 9. März. Die frommen Wünsche Geigers, ttric die Wünsche aller Heiligen, gehen all- 4 malig in Erfüllung; sein heißes inbrünstiges Gebet in ' Frankfurt a. M., daß die heilige Sprache aus dem j Gottesdienste endlich ganz verdrängt werden möchte,! scheint von einem gefälligen lichtfreundli'chen Engel (Lu-! '> cifer) vor den Thron des Höchsten gebracht worden .. ^zu sein und Erhörung gefunden zu haben. Die Mc- "r Z i l l a t E st h e r ist diesmal hier in deutscher Sprache ,j Detlefen worden, freilich mit vieler Beschränkung, zuerst -tlos in der einzigen filberstemischen Synagoge — dem Breslauer Gropius-Lokale ln sxe — ferner nur des. . ) Abends, am Tage wllrde sie es nach altem Ritus znm ätegeti Aerger der Hebräerfeinde und auch des Abends \ ^setzte der Synagogenvorstand so viel durch, daß die hegrätsche Vorlesung der deutschen folgen sollte. Dagegen aber der Rabbi einen faktischen Protest ein; wäh- >"rend der Vorsänger sich anschickte die hebräische Vor- ®^jlesung zu beginnen, verließ, er mit seiner Suite lächelnd ^>nmd triumphireud die Synagoge., Was halten Sie von diesem Purim-Spiel? O es war sehr erbaulich, wieder ^Prediger in unheiliger Laientracht— (ohne Tatar und L^Bafschen f als fürchtete er di^e hohenpriesterlichen-Ge- UlvSnder durch diese Funktion zu profanisirdn,) zuerst die NMI in hebräischer Sprache näselte-und dann Mdie Purim-Novelle in deutscher Sprache ablcierte. Viele wunderten sich über die inkonsequente Uebersetzungsweise; denn nach derselben Regel miißte , wie Ahasver, auch ,0*T)D Marcus oder Mortier übersetzt werden, nnoN Erirestine, Seraphine re., damit diese barbarischen Namen wohttonender und moderner in die ästhetischen Ohren der Leserimien Süescher Roma klängen. Aber wer sagt euch dem^ daß ein Reformator konsequent sein muß? DaS sind eure alten Vorurteile, die ihr durchaus ablegen müßi^ Ein Reformator ”, darf Alles sein, nur mir frommer Miene und mit Erwägung der Umstände. Wollte unser Quartal-Reformator konsequent sein, so hätte er seine Zcrstörungswuth auch nicht nur auf das hebräische Lesen der Megilla, sondern auf das ganze Wesen des Purim erstrecken, müssen, wie wir es mit der vorangegangmen Sabbatpredigt erwartet haben. In dieser Predigt setzte er mit unerschütterlicher Pastoral-Logik auseinander, daß. für uns Juden der Gegenwart weder "NM noch irgend eine Bedeutung haben, daß die Religiosität nicht im stetem Hinblick ans' die Vergangenheit, sondern in das gemächliche Versenken in die Gegenwart bestehe, nm die Gegenwart (Kornwucher, Aktienschwindel, Bankerotte, rafsinirter Egoismus :c. rc.) haben einen tief religiösen Gehalt , das moderne Bewußtsein sei der alleinige Gott, dem Altäre errichtet werden müßten; es gebe keine Amaleks, keine Haman mehr (der edle Redner hätte auch hmzusngen können, es gebe keine Eisenmenger -mehr —; unter den Unbeschnittenen, aber desto'zahlreicher unter den Beschnits 13