Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 11 (12.3.1847)
- Date
- 1847-03-12
- Page
- Spalte 173-174 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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173 Studien. Biographische Skizzen. Biographische Skizzen. VII. Josef ben MardechaiGersonKohen in Krakau erblickte das Licht der Welt (nach Gans und Jechiel) um das Jahr 1512, und schied aus derselben, fast 80 Jahre alt, 1591, nachdem er gegen 50 Jahre Führer der Talmudsünger L/>r"> HrpuS/1 und Rabbiner gewesen, und liegt, wie Asulai nmyft 3"\ K behauptet, neben seinem früh verstorbenen Schwager Mose Jfferles auf dem Todtenacker in Krakau beerdigt» Er gab sein Werk rpr>fVHKt£/, das 78 Gutachten enthält, auf Bitten seiner Kinder und Kindeskinder in seinem hohen Alter heraus, und soll, nach Jechiel im Sedcr Ha-Darot, auch Erklärungen zum Mardechai verfaßt und nach Asulai (I. lit. 1 sign, sll) das SSerf korrigirt und' edirt haben. Die Gutachten erstrecken sich fast nur auf Rechtsfälle, die größtmtheils in Krakau vorgekommen; doch wurden ihm auch Anfragen aus Leipnik in Mähren <R. G. A. 2), aus Ungarn (G.6), Lublin (IO), Austerlitz (20), Jnnowrozlcnv (24), Lemberg (25), ^abua (43) und aus Eöln (46) zugesandt. Mehre Fälle, über die er Gutachten abgegeben, lesen wir auch in der R. G. A. des Mose Jfferles, wie z. B. der erste im 3. und 8., der 46. im 90 bei Jfferles sich findet; besonders aber kommt der 77. mit dem Gutachten vollständig und wörtlich als der 12. bei Jfferles vor, nur daß dieser die Beipflichtung dreier Gelehrten, des Naftali Herz aus Brisk in Litthauen, des Kalman in Worms, der nach Jechiels Mittheilungen Oberhaupt der Talmudjüngec n;w» wo ln Lemberg gewesen, und des Elieser ben Manoach eingeholt .und unter seinen R. G. A. abgedruckt hat. Unser Josef scheint mit ffeinem Schwager Mose Jfferles öfters nicht übereingeftimmt und unter den Worten ipjn in im ersten Gutachten diesen gemeint zu chabmz doch merkwürdiger Weise wird er von Jfferles, der bekanntlich nur in Erschwerungen jeglicher Art sich glücklich fühlt, der Strenge und Erschwerende genannt (Jfferles R. G. A. 111): DH“) ttb n'VlDV ■vonr-p -pcn iavrp , bn spion1? iud Vn DroarP Seine still dahingeflvffenen und ruhig in der 5)eimath verlebten Jahre, bieten wenige, bemerkenswerte Ereignisse dar, und diese wenigen sind weder von ihm noch von seinen Zeitgenossen > ausgezeichnet worden, so daß wir nur noch diese Mfttheilung machen können, daß er 1576 sich in Lublin kurze Zeit aufgehalten (42). Seine Gelehrsamkeit verbunden mit vielem Scharfsinne verschafften ihm'nach Außen Anerkennung, die um so höher anzuschlagen ist, als er nicht durch Reisen und verschiedene,- große Rabbinate einen Namen sich gemacht. Gans und Jechiel spenden ihm gar großes Lob, und sagen über ihn die Worte: , cnro '"D “inaiD brun amn Nin 3iio d© iroi, n'^noi no^>D ins noina ma-mn ana, aus welchem wenigstens entnommen werden kann, daß er auch mit Reichthum gesegnet gewesen. Doch besonders ragt seine in mehren Gutachten zu erkennende Redlichkeit und Biederkeit Von De. und Ral>b. Frankel. 174 hervor, die ihn treibt and veranlaßt den bedeutendsten Männern, die bei einer ungerechten Sache zu ihm ihre Zuflucht genommen, und von ihm eine ihnen günstige Antwort erwartet hatten / ihr Unrecht klar und deutlich, aber gewöhnlich in sanfter Rede und fast in väterlichem Tone vorzuhalten. So schreibt er an Schelomo ben Jechiel Luna (R. G. A. 17), der gegen eine Entscheidung des Jizchak Bezalels in btttern Worten sich ausließ, und unfern Josef für sich gewinnen wollte, eine ruhige, geläffen-zurückweiscnde Antwort, und vertheidigt Bezalels ausgefertigtes Erkenntniß, ob auch dieser an ihn sich nicht gewendet, und er das Andere nicht' selber gelesen hatte. Auch an Elasar, der aus Egypten nach Posen gekommen, und daselbst Rabbiner geworden ist, richtet er einen zwar sehr höflichen, aber dennoch diesen. abweisenden Brief (R. G. A. 19), und will sein Recht und seine ausgestellte Ansicht nicht der Willkür preisgebm.. Nur Ein Mal, und zwar i n sei n er I u g e n d tritt er kühn und dennoch sanft, feurig und gelaffen zugleich , bald drohend, bald bittend auf gegen Schelomo Liebermann aus Eifenstadt, Rabb. in Posen, deffen verwittwete Stieftochter ein junger Mann aus Krakau scherzweise sich angetraut hatte, und nun nach dem Verbote Liebermanns nicht vor der Trauung von dem Scherzweibchen heirathen sollte, ja sogar sammt seinem Vater in den Bann ge- .than wurde. Er nimmt sich des jungen Mannes an, verteidigt ihn, schreibt am Schluffe dieses Briefes (G. 28) die stolz herausfordernden Worte: inn Tpyw ’b nonDDI Nin bau , iniD2 Nit’ nooDcy p*o mn nw inN'twi lsyju-minty a"io o popoa 'no nP Nisyi 'uw rra ypip oo i'niai ' prr dno D'Jip Pya Q'V"n und erhält in diesem Federkampse die Beipflichtung des Möir Katzenellenbogen in Padua. — Mit vollem Rechte beschützt er ferner (G. 71) einen Bräutigam, der wegen des Todes seiner Mutter Prag verlassen und nach Krakau zurückkehren mußte, und die Zeit der Eheverbindung in Prag nicht .adwarten konme, der aber auf seine Kosten die Hochzeit ausrichten wollte, so nur die Braut nach Krakau käme. Ein Rechtsgelehrter in Prag verurtheilte den Bräutigam zu der in der Verschreibung festgesetzten Geldstrafe, wurde aber dafür kurz und derb von Josef abgefertigt: »T))Ei7 pDD? 'Q -irijn bix —- wo-6 m üb) ni? djv.idvp pNH WD ♦ — Als rechtlicher Mann bewährt er sich auch besonders in einem Streite (G. 70) zwischeu den Reichen und Armen wegen der Abgabe für das zu schlachtende Vieh, indem.er den Armen beistehend, entscheidet, daß diese Abgaben nicht vom Fleische, sondern nach dem Vermögen zu entrichten sei, weil -sonst die Armen, an Familie zahlreicher, zu viel beitrügen. — Er starb mit Schelomo, Rabbiner in Lublin, und mit Mose Luria, Rabbiner in Worms, in einem und demselben Jahre 1591) und über diese drei großen Rabbinee wurden Trauer - und Klagelieder in allen bedeutenden Gemeinden ge- ■ halten.