Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1847-03-12 · 11 (12.3.1847) · p. Spalte 161-162

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1847
Issue
11 (12.3.1847)
Date
1847-03-12
Page
Spalte 161-162 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/8555529-9890729-9890781--4884-3533017
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Berichte, Studie« und Kritiken ‘ : : fü r Wisthe Geschichte rm- Literatur. Mil, ■ Leipzig, dm 12. März' 184V. Inhalt. Kritiken. Schulschriften von Dr. I. H. Ia c o b so n. — Studien. Geschichte der Juden in Kurland. Von R. I. Wunderbar. (Schluß.)— Löivenstamm's Schrift: ,, der Talmudist, wie er ist". Von L. Wey l. — Biographische Skizzen. Von Ral'b. Dr. Frankel« Vll» Josef den Mordechai Gerson Kohen. — Ankündigungen. Schrrlliteratur oder - neueste Schriften für die israelitische Schule. L. Katechetischer Leitfaden beim Unterricht in der israel. Religion, mit einem Anhänge, enthaltend : Bibelkun.de. Von Dr. I. H. Jacobson. Zweite verbesserte und vermehrte Auflage. Leipzig, -1847, 8.; 2. 450 Gebete und Lieder für die isroel. Jugend jedes Alters in Schule und Haus. Von Dr« I. H« Jac-bson. Leipzig,. 1847, 8. Gute und brauchbare Schriften für die israel..Schule, -welche für die Lehrer oder die Schüler den Religionsunterricht, den einzigen Gegenstand der jüdischen Schule, zu fördern, zu heben und weiterzuführen geeignet sind,-findet man keineswegs in so großer Mannigfaltigkeit' vor, daß man durch die Uebermasse sich zu einer sehr strengen Kritik versucht fühlen sollte. In manchen Zweigen dieses-Unterrichts herrscht sogar noch eine vollständige Lücke, die nicht einmal-die? Schreibelust der neuesten Zeit auszusüllcn Lust hatte, und die, wenn man die Unwissenheit des Heranwachsenden Geschlechts? bedenkt, recht bald ausgefüllt werden sollte. Eine solche Lücke? in uns-erer Religionsschule ist: :1) Der Mangel einer Ge-? setze.slehwe für Unterweisung und Belehrung der Jugend. .Die allbekannten und alltäglichen Morallehren, wie sie in jeder Beziehung den christlichen Religionsbücheni nachgeschrieben sind, und; die wenigen Dogmen. die Mch nur wenig Eigenthümliches haben, das-ist die Summe der jüdischen Religionsbücher. Aber aus dieser, erfahrt der jüdische Knabe auch nicht im Mindesten , was er später als Bekenner des Judenthums zu thun oder, zu unterlassen hat. Das Judenthum ist eine Religion der Lhat; aber das Kind wächst auf und weiß nicht was es zu thun, d. h. was es als Jude besonders zu thun hat. 'Welcher Richtung die Schule auch angehoren möge, sie mag die Kinder zu Denkgläubigen oder Formgläubigen, zu Reformirten oder Konservativen heranbilden wollen, in jedem Falle muß das Kind doch während seiner Schuljahre erfahren, was Form -und was Gei st ist. Mag man die 613 Ge- und Verbote noch so reducirenund in Abzehrung versetzen, oder nach dern. gesteigertesten Rationalismus deuten und deuteln, etwas von diesen Geboten und Verboten, etwas von dem was der Israelit als solcher und nur als Solcher zu thun hat, muß die Jugend doch wissen, da sonst nicht einmal der Zweck erreicht wird, eine Jugend, die für das Gesetz lar, zu erziehen, da blos eine unwissende Jugend erzogen wird. Die Kinder erfahren nichts von den jüdischen Festen, ihren Zwecken und Gebräuchen, sie ersahren nichts von den Fasten, von den Speisegesetzen, von den Rituatgebrauchen rc. und ich habe schon manchen Jüngling -gesehen,-der ganz beschämt -wurde, als ein Christ ihn daran erinnerte, daß er -sein Gesetz übertrete.^ /,Warum hat mir mein Religionstehrer nichts davon gesagt", wird'wohl mancher Jüngling ausrufen, und wollte er mich von dieser oder jener lästigen Satzung? befreien, so hätte er irgend eine Erklärung, daß es z. B. blos.temporell, oder lokal oder es lag in dem damaligen Zeitbewußtsejn,rc., mir geben^ sollen z mich aber ganz in Unwissenheit zu lassen, das ist unredlich. Und wahrlich viele Religionslehrer erziehen in der Jugend ihre \ bittersten Feinde; denn sie verwalten ihr Amt nicht redlich. Ich spreche nicht etwa vom sogenannten orthodoxen Standpunkte, sondern vom Standpunkte aller Parteien. Der Frankfurter Reform-Verein will, daß die'Beschneidur,g als jetzt nicht mehr anzuwendender Brauch angesehen werden solle. Gut. Möge er, wo seine Ansichten die Schule beherrschen, nvbn mit seinem Kommentar vortragen lassen. Die Berliner Genossenschaft will den Sabbat auf Sonntag verlegt 11

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.