Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1847)
- Date
- 1847-03-12
- Page
- Seite 88 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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- 88 - Trutz,md Schutz (Midrasch Tanchuma, Toldot.) Vergebens strebet Menschenwillen Zu trotzen höh'rer Gotlesmacht; Die ew'ge Lieb' wird nie erfüllen Was Lück' und Bosheit nur erdacht, Verfolgen frei so wie im Stillen, Kann nied'rer Menschensinn wohl oft, Kann gleisnerisch den Groll verhüllen; Doch Gottes Hilf kommt unverhofft. — . Hast du nicht Gottes Wort gehöret, Das lieblich tröstend zu dir spricht? Hat nicht Jesaja dich belehret: „Es tilget dich die Waffe nicht! ’) Ob auch Verla'umdung dich beschweret, Fürwahr sie,.wird zu Schand und Spott, Und stets wird Hilfe dir gewähret: . Vom Barer, Israel, von Gott! — * + * Gebeugt mit demuthsvollem Schritte Lrat Gottes erstaeborner Sohn,'*) Mt.Inbrunst und. bescheidner Bitte - Vor des hochheil'gen Schöpfers Thron: , „Sieh, Vater, in der Kinder Mitte Den Druck und die Verfolgungswuth Verbittern.unsers Lebens Tritte, Und lähmen unfern frohen Muty. Wie soll, o Gott, ich all' die Plagen, Die täglich man auf's Neu ersinnt, Wie soll in Knechtschaft ich ertragen, Was ränkevoll die Bosheit spinnt! Ja dir,- mein Vater, muß ich's klagen : Barbärensinn erdrückt mich schier; Wird nimmer seine Stunde schlagen Wo Rechenschaft es gilt vor trir?" — Und liebevoll der Vater wendet Zum Kinde sich und also spricht: „Ich bin's, der stets Euch Hilfe sendet, Mein.Israel, verzage nicht! Was auch der Feind dir Arges spendet, Auf's eigene Haupt fällt es zurück; Ich bin's, der Fluch zum Segen wendet, Und Unheil wend ich Euch in Glück..— An Pharao habt ihr's gesehen Tyrannisch gab er das Gebot: Kein Jsraelssohn soll Licht erspähen, Im Fluffe sind' es früh den Tod! — Allein ich ließ es nicht geschehen — Es steht mein' Wille wahrlich höh'r — Und selber mußt' er untergehen In Wafferflüth im rothen Meer. Wißt ihr's nicht auch aus Haman's Zeiten; Des Wüthrichs aus Amalek's Stamm; Achaschwerosch wollt' er verleiten Euch all' zu schlachten wie ein Lamm. *) Jes. 54, 17. - **) 2 M. 4, 22. - Verlag von C. L. Fritzsche. Da ließ-wie Wafferström'ich leiten - , Des Königs Herz zu Eurer Freud', Und in die Fall' mußt' Ham a n gleiten, Die ränkevoll er Euch bereit't. ,— Was einst auch Balak unternommen Entgegen Eurer Väter Schaar, Habt, von den Alten ihr vernommen, Wie sie entgangen der Gefahr; ' Zum Fluch war Bileam gekommen, Doch mußt' er segnen Eure Zahl: Ich selbst Hab' Euch in Schutz genommen. Und helf' Euch göttlich allzumal! — Vernommen habt ihr ja die Kunde; - /Fürwahr auf ewig wird bestehn Das Volk, vereinigt mir im Bunde, .Soll nimmer jemals untergeh'n!""' Ob man auch schlag' Euch manche Wunde Mein Wille lebt, er trüget nicht; Es schlägt dem Feind dereinst die Stunde — Drum Israel, verzage nicht!" — Und sollen wir die Heerde preisen, Die unter Wölfen sich erhalt? - , Das Lob gebühret dem Allweisen, Dem Hirten, d^r die Wache hält..— Erfüllet wird, was Er verheißen: Der Bosheit Macht vertilgt Dich nicht, Und stumpf wird Deiner Feinde Eisen; D'rum Israel, verzage nicht! — Kempen. Dr. I. H. Ja cobs on. Unser Vater! Eine Waise war von einem Vormund auferzogen, Der war herzensgut und treu, und war ihr wohlgewogen, Nährt und hütet sie gar sorgsam, bis sie wuchs heran, Und bestrebt sich auch für sie um einen Ehemann. — Der erschien — und nun hat er den Schreiber kommen lassen, Um nur schnell in bester Form den Eh'brief abzusassen; Ohne Zaudern hat .sie ihren Namen ihm gesagt, Doch sie schweigt, als er — um Vaters Namen sie befragt.— „Warum sprichst du nicht?" so ließ sich bald der Vormund hören, Sie entgegnet: „Nur in dir muß ich den Vater ehren; Nicht wer zeugt, nur wer erziehet, kann ein Vater sein, Ich erkenne meinen Vater — nur in dir allein!" — Ob das Gleichniß ihr zu deuten wißt? Israel — die arme Waise ist, Treuer.Vormund ist — der liebe Gott, Hütet es vor Unglück, Schmach und Spott — D'rum in Gott den Vater es erkennt, Gott allein es ewig Vater nennt; Und wenn auch der Herr zuweilen spricht: „Warum denkest du der Ahnen nicht?" Rust es: „Wer erzieht, der Vater ist — Du nur unser guter Vater bist!" — (Schem. rabb. Para sch. 46.) H. Hamburger, Rabbiner. Druck von I. H. Nagel.