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Der Orient · 1847-02-26 · 9 (26.2.1847) · p. Spalte 137-138

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Journal
Der Orient
Volume
1847
Issue
9 (26.2.1847)
Date
1847-02-26
Page
Spalte 137-138 (sequence 5)
Language
German
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138 137 Studien. Geschichte der Juden in Kurland. und reisenden Juden. a parte Quartiere ausgemacht werden sollen , im welchen und sonst nirgends dieselben zu logiren schuldig sind, und wenn denn also ein Jude ohne Freizettel oder anderweitig als in .den ausgemachten Quartieren logirend angetroffen würde, soll derselbe das erstemal mir einer Geldstrafe belegt, das zweitemal aber gegriffen und aus der Stadt gejagt werden, diejenigen aber, welche dieser Verordnung zuwider, solchen Juden bei sich Aufenthalt geben, sollen Malisch citirt, und dieser Kontravention wegen arbitraire. bestraft werden. Zur Jedes Wissenschaft soll dieses Patent drei Sonntage nach einander in den Kirchen von den Kanzeln dieser Herzogthümer abgelesen, und publicirt, auch solches an allen öffentlichen Orten, aus den Krügen unserer Aemter an den Landstraßen im ganzen Lande afsigirt werden. Gegeben zu Mitau, den 20. September Anno 1760. /•L. SA , Karl, Herzog.zu Kurland.^ V / Hart lastete nun diese Verordnung auf den unglücklichen Juden in Kurland; denn sie wurde diesmal mit vieler Strenge gegen sie geübt, so daß oft wirklich Fälle vorkamen, wo sogar mancher jüdische, sonst rechtschaffne Greis wegen des betroffenen unerlaubten Aufenthaltes körperlich gezüchtigt wurde.— Glücklicherweise änderten sich die Umstände bald zu Gunsten der Juden. Denn unmittelbar darauf wurde Herzog Ernst Johann Biron aus Sibirien, woselbst er eine Zeit lang verbannt war, von Peter LN. zurückberufen, und schon im Jahre L763 von Katharina II. in seine Rechte auf Kurland wieder eingesetzt, wo er zuletzt auch nach der Restauration von den Polen anerkannt wurde, so daß er 1769 die Regierung ruhig seinem Sohne Peter überlaffenkonnte. Dieser Fürst, dessen Gemülh durch eigne erlittene Leiden nun auch für' die Leiden Anderer empfänglich war, behandelte auch die Juden mit einiger Milde und gönnte ihnen in seinen Landen so manche Concession» — Mit dem Jahre 1770 unter Regierung seines Sohnes, des Herzogs Peter-Biron aber, beginnt eine neue Epoche für das Schicksal der Juden in Kurland. Einigen Hofjuden, Namens Bär, und den Gebrüdern Borkums gesegneten Andenkens,'(“VS“} DT1NH1 JW3 '*7 wnprp 2N VH! 9'j mp-ito orus ptjw nni DiD’J^>p) ihnen verdanken die kurländischen Juden im Allgemeinen und die jetzt ■ fo zahlreiche Mitcm'sche .jüdische Gemeinde ins Besondere ihre Organisation und Existenz. Auf deren Verwendung nämlich, ward es den Juden seitdem nicht nur gestattet, sich - in ^Kurland definitiv niederzutassen, sondern sie durften auch in der Residenz Mitau, obwohl nur außerhalb des ritz) Vergl. Kurl. Archiv 1760, und Inland Jahrg. 1840, Sp. 117. — 7) Diese Gebrüder, von denen man sagen kann: tränen DmEm brP'rn sind merkwürdigerweise in einem und demselben Jahre, 1778 in den jüdischen Chebra Kedischa-Verein zu Mitau zusammen ein ge treten und auch in einem und demselben Jahre 1828 (ftDpfl) wieder zusammen aus demselben in eine bessere Welt übergangen.— gentlichen Stadtgebietes Handel. en gros treiben.- DertTrö-. delhandel aber, so wie auch das Handwerk: wurde ihnen selbst in der Stadt ungehindert erlaubt. So wurde ferner an dem von gedachtem Herzoge gegründeten akademischen Gymnasium, laut § 1« der von demselben^ am 8. Junius 1775 zu Mitau deshalb erlassenen Statuten, auch den Juden gestattet, sich tzaselbst gleich den christlichen Einwohnern, als Scudirende matrikuliren zu dürfen.— Namentlich zeichnete sich'Kalman Borkum für die Organisirung der Mitau'schen Israeliten - Gemeinde aus. Er war es, der im Jahre 1784 zu Mitau eine schöne, geschmackvoll eingerichtete Synagoge sammt Nebengebäuden für den Chascm und Synagogendiener rc. nebst einer ,-ppD aus eignen Mitteln erbaute. Er war es, der im Jahre 1800 nicht nur eine Grenzerweiterung des jüdischen Gottesackers von Sr. Excellenz des Herrn Ruß. Kais. Vice -Gouverneur, wirklichen i Staatsrath und Ritter v. Brißkorn erwirkte sondern daselbst auch eine anständige Leichenreinigungs-Anstalt (nnntt TFD) gleichfalls aus eignen Mitteln erbaute» Er gründete auch die mn und schenkte derselben eine beträchtliche Anzahl, von Büchern und andern Lehrmitteln. Im Jahre 1793 fand die Mitau'sche Judenschast es angemessen, der zur Zeit auf dem Landtage .versammelten kurländischen Ritterschaft nachstehendes Memorial, in aller Ehrfurcht zu unterlegen. P. Po „Die hiesige Judenschast wagt es, Einer auf dem gegenwärtigen Landtage versammelten Hochwohlgebornen RiLter- und Landschaft in tiefster Ehrfurcht sich zu nähern, und Hochderselben sowohl für die unter Ihrer gnädigen Protection bisher genossene Ruhe und Sicherheit den gerührtrsten Dank abzustatten, als auch um die Fortdauer dieser hohen Beschützung Eine Höchwohlgeborne Ritter- und Landschaft auf das allerdemürhigste anzuflehen. Die hiesige Judenschast kann es selbst nicht verkennen, daß wenn die Anzahl armer, herumtreibender; zu jeder nützlichen Arbeit untüchtiger Juden sich ohne Maaß r und Grenzen vermehren sollte, solches für den Staat, wie für sie selbst, eine drückende Last fein würde. Sie ist daher von der unverständigen Unbescheidenheit für die unbegränzte Aufnahme und Duldung aller und jeder aus ihrer Glaubensgenossenschaft, welche Faulheit und Noth nach Kurland treibt, zu bitten, so weit als möglich entfernt Ihre allerunterthäiiigste und ehrfurchtvollste Bitte 'beschränkt sich vielmehr nur darauf, daß eine bestimmte, mäßige Zahl sich bereits hier niedergelassener, als rechtschaffen, arbeitsam, nützlich und sittlich bekannter Jüdischer Familien, und vorzüglich diejenigen, welche schon in ihren Vätern und Großvätern den Ruhm guter, redlicher und nutzbarer Menschen behauptet haben, ferner in diesen Herzogtümern und deren Städten geduldet, geschützet und gegen die oft so unaussprechlich harten Untertretungen und Bedrängimgen solcher gesichert werden mögen, die es nur zu oft zu vergessen scheinen, daß die Bande des Glaubens das altere Band der gemeinschaftlichen Natur

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