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Der Orient · 1847-02-26 · Heft 9 (26.2.1847) · p. Seite 72

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 9 (26.2.1847)
Date
1847-02-26
Page
Seite 72 (sequence 15)
Language
German
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- 72 - Doch vielleicht wied diese Behauptung klarer durch das Beispiel des genannten Börne. Börne hatte nicht nur alle Fähigkeiten für ein Amt im Staate, sondern hatte das Amt selbst schon, als feine Vaterstadt die Hauptstadt des Großherzogthums Frankfurt unter dem Fürsten Primas war. Die Rückkehr der alten Zustände fand ihn als Angestellten im Bureau — der Polizei. Hätte man ihn nicht vor, seinem Amtspulte vertrieben, er würde wahrscheinlich dennoch liberal gewesen sein, aber wahrscheinlich auch ganz unschädlich liberal für seine Regierung. Er hätte seine Zeit rind seine Gedanken dem Berufe, vielleicht auch einen Theil derselben der Aussicht auf und den Schritten -für Beförderung gewidmet, hatte sich dann und wann über Vorgesetzte, über kleinstädtische Bocksbeuteleien, vielleicht gar selbst über bundestägliche Maßnahmen mit einem satirischen Worte hergemacht, hätte ein treffliches Buch Ln den Musestunden geschrieben, und hätte gewiß zum Heile der maßhaltenden Freiheit die Ansichten der absoluten Macht mit den Wünschen der Volker versöhnen helfen; denn er war Patriot wie Keiner, und das edle Gefühl , von Heimweh, welches bei seinem schonungslosesten Spotte wie heitere Sonne hinter Gewitterwolken aus dem Himmel hervorbricht, zeigt, was Deutschland verlor, als es ihn verstieß. Es hat ihn verstoßen, ihm die göttlichen Gaben seines.Geistes mit Geringschätzung zur freien Verfügung gestellt, was Wunder, daß er diese unbeschäftigten Gaben gegen seine Unterdrücker kehrte? Ein schöner Baum war sein Genie, er hätte tiefe Wurzeln im heimischen Boden geschlagen, hätte sich schattenreich über die Fläche gestreckt und hätte die edelsten Früchte getragen; aber man entwurzelte den stolzen Baum, warf ihn lieblos über den Rain des Feldes, und der Eigentümer wußte nun nichts Anderes damit zu unternehmen, als daß er aus den Zweigen Ruthen, für die Rathgeber der Regierungen schnitt und den Stamm zu. Feuerbränden bereitete, die er in die Paläste , warf. Nachdem, was man durch Börne einerseits, durch äzalphen, andererseits erfahren, ist es klar, daß die judenfeindlichsn Absolutisten durch ihre Schritte gegen die Jaden nur die Stützen des Liberalismus gemehrt und der eigenen Sache geschadet haben. g, 2 t. (M. f. d. L. d. A.) j Personalchronik und Miseellen Hamburg. Louis Simon hat,.seit Neujahr seine Thätigkeit an den Jahreszeiten, welches Blatt er seit mehr als zwei Jahren im Verein mit dem Herausgeber, dem Buchhändler Vogel leitete, überhäufter Berufsgeschäfte wegen eingestellt. Ist es schön Herrn Simon nicht immer gelungen, gegen die judenfeindlichen Tendenzen einzelner Eorrespondenten vollständig anzukü'mpfen, da ihm die plein-pouvoir dazu fehlte, sehen Verlag von C. L. Fritz sche. wir den Judenhaß der Jahreszeiten jetzt in voller Brüche, was dem Blatte nicht zur Ehre gereicht, und Hrn. Simon bereits zu Erklärungen im Cyrrespondenten veranlaßte. Da die Hamburger Neue Zeitung, für welche Hr. Simon sehr thätig war, zu gleicher Zeit eingegangen ist, hat die journalistische Lhätigkeit des Hr. Simon vorläufig ein Ende erreicht, und er widmet gegenwärtig seine freien Stunden namentlich pädagogischen Arbeiten. Außer einigen Jugendschriften erschien von ihm eine französische Uebersetzung von Gutzkows Patkul und eine Bearbeitung dieses Trauerspiels zum Uebersetzm, ferner ein Gesprächbuch für den Unterricht im französischen und Englischen und einige Flugschriften, die jedoch anonym ausgegeben wurden! — Der erste Jahresbericht seines Instituts befindet sich unter der Presse» Wichtungen nach Talmud u ud Midrasch von Herrmann Hamburger, Rabbiner in B.-Leipa. Die Bekehrung zur rechten Zeit. Rabbi Eleasar stellte auf die Lehre: „Einen Tag vor deinem Lode dich bekehre!" Als die Schüler ihn.gefragt: wie er das deut', Da kein Mensch doch wisse seine Sterbezeit? Hat der'fromme Rabbi bald Bescheid gegeben: „Weil der Mensch nicht weiß, ach! wann zu End'sem Leben, Drum er Tag für Lag sich wohl bekehren mag; Denn vielleicht ist morgen schon sein Sterbetag —; So verleb' er alle Zeit m Buß und Reue, ' Geh' dem. Tod entgegen in gar heil'ger Weihe —: Immer weiß fei dein Gewand, der Weise spricht, Auch das Salböl fehle deinem Haupte nicht!" — (Kohel. rabb. Kap. 9. V., 8.) * * * <2%anmtai und Hillel. Zu Schammai kam ein Heide einst gegangen : „O Rabbi! hör' mein sehnliches Verlangen: Ich will zum Judenthume mich bekehren; Doch nehm' ich's nur mit. dem Bedingniß an, Du mußt mir erst die ganze Tora lehren, So lang auf einem Fuß ich stehen kann". — Empört, entrüstet durch das kühne Wort, Jagt Schammai schnell den frechen Heiden fort. — ' Der geht zu Hillel dann, dem Sanften, Frommen, Und als des Heiden Antrag er vernommen, Da spricht er:. „Wohl, dein Wille mög' geschehen; „Ich bringe dir die ganze Lora bei, So lang' du kannst aus einem Fuße stehen: Den Nächsten liebe wie dich selbst so streu, Und Lhue Andern nicht, was dir mißfällt" — Das ist der, feste Grund, der Alles hält!" — (Trakt. Sabb. 3l u.) Druck von I. H. Nagel.

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