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Der Orient · 1847-02-19 · 8 (19.2.1847) · p. Spalte 113-114

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Journal
Der Orient
Volume
1847
Issue
8 (19.2.1847)
Date
1847-02-19
Page
Spalte 113-114 (sequence 1)
Language
German
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Berichte, Studien und Kritiken für ' Mische Geschichte nnd Meratur. 8. Leipzig, dm IS. Februar 184V. Inhalt. Studien. Geschichte der Luden in Kurland. Von dh I. Wunderbar. — Kritiken. Die jüdische RerkgLons- Philosophie. Schlesinger's Einleitung zu Loses Atdo's Jttarim. An^ezeigt von L. Dukes in Paris. — Von der Darstellung der Messiasidee. Von Dr. R oth schil . (Schluß.) — AEndigungen. Geschichte ' der ZN-ett Ln Kurland u n d Zustand derselben in der kurländischen Gouvernements -SLadL Mitau^ Mirgetheilt von .7 R. I. Wunderbar.* In Kurlands und Livlandals ehemalige Ordeysritterthümer hatten sich die Juden m den ersten Jahren der Regierung der Schwertritter, besonders in der Zeit, wo in Nom Inquisition und Päbste gegen erstere wütheten, keiner Duldung zu ersteren. Als aber die siegreiche Macht Rußlands immer mehr um sich griff und die»Ordensritter sich in Livland nicht mehr behaupten/konnten, nahm der letzte Groß- oder Heermeister Gotthard Kettler im Jahre 1561 Kurland und Semgallen unter Abtretung Livlands von dm Polen zu Lehn, wodurch dann die Ordensverfaffung, die bisher nur eine geistliche Aristokratie war,, in M weltliches Herz-gthum, das aber nun von Polen abhängig war, verwandelt wurde. — ') Wir ersuchen nochmals Hrn.W., uns künftighin durchaus nichts einzusenden , was zugleich an d. A. Z. d. I. abgeschickt wird, da bei einer Verzögerung dies als Plagiat erscheinen müßte. - Red. 1) Kurland ist gegenwärtig ein ruff. Gouvernement und eine der sog. Ostseeprovinzenz bildete aber ein selbstständiges Herzogthum, welches eigentlich aus zwei Herzogthümern, .Kurland und Semgallen, welches letztere der östliche Theil war, bestand, und, nebst Livland, (welches gegenwärtig gleichfalls ein russisches Gouvernement ist und zu den Ostseeprovinzen gehört) den Schwertcittern zugehörte. — Hier beginnt die erste Epoche der Einwanderung der Juden in Kurland. Denn der Herzog als Vasall von Polen konnte den dort so begünstigten und in Ansehen stehenden Juden nicht deu Zutritt verwehren, und so finden wir sie schon hier ums Lahr 15702 3) Handel und Gewerbe treiben; ja im Pilten'- schen Kreise genossen dieselben sogar das Bürgerrecht und Viele von ihnen erwarben daselbst unbewegliches Eigenthum *). — Nicht lange jedoch blieb hier das Schicksal der daselbst wohnenden Juden günstig. Denn während des Volksaufstandes vom Jahre 1654 in Litthauen und Polen, wo sie durch die Vorurtherle des nicht gebildeten Volkes viel zu erdulden hatten, wirkte dieser Vorfall sympathetisch höchst nachtheilig auch auf die Gemüther der ohne dies gegen sie eingenommene Kuren, und die Juden mußten Knall und Fall das Land ruumen. — Als >ie Freiherren, Gebrüder Hector Friedrich und'Reinhold von der Osten-Sacken' auf ihrem in Kurland be-Cegenen ErbgrUirde die Stadt Neu Subbath gründeten, stellten sie in den ersten ZZ.der'am 5. April 1686 von ihnen gegebenen Stiftungs-Urkunde in Betreff der Juden unter Andrem das Gesetz fest: „So wollen Wir auch keinem Juden m Unserer Stadt zu wohnen gestatten; auch Niemanden von ihnen einen Krng aufzubauen erlauben. — Diesem ungeachtet ließen sich unmittelbar darauf mehre Juden unter 2) Auch im eigentlichen livlandifchen Gebiete scheinen Juden unmittelbar nach dieser Epoche sich niedergelaffen zu Haben, was auch schon aus den dortigen alten jüdischen Gottesäckern zu schließen ist. — 3) Vergl. den Aufsatz des Herrn Akanewsky-m der Nordischen Biene Nr. 225 v. I. 1845, über die Ansiedelung der Hebräer im Russffchen Reiche. — Vergl. auch Münsters Cosmographey, zweite vermehrte Ausgabe. Zürich 4618. Artikel „Lyfflant". — 8

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