Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 7 (12.2.1847)
- Date
- 1847-02-12
- Page
- Spalte 101-102 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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102 Studien. Geschichte der jub. Literatur in Babylonien. 101 THMgkeit sich flüchtrte. Die H ochschul e n PalKstina's und/BabYlonien's bildeten den großen Kulturboden des nationalen Geistes, welchen Israel unter Kämpfen und Mühen, unter Thräncn und Schmerzen für das verlorene Vaterlund in Besitz genommen. „Die vier Ellen des Lehrhauses" wurden zur unzerstörbaren Rüstkammer, woher die zähe Kraft und der ausharrcnde Muth zu einem achtzehnhundertjährigen Kampfe gegen die .hartem Schläge der Welt geholt wurden, und da die.Hochschulen zu Iamnia, Caesarea, Lydda, Nisibis, Liberias, Sepphoris, 'Uscha u. s. durch die traurigen Geschicke Palästlna's, nicht zur naturgemäßen Entwickelung kommen konnten, wie sie wirklich auch den heftigen Stürmen frühzeitig erlegen, so waren es einzig Und allein die Hochschulen am Eufrat, die Lehrhäusec/auf den weiten Flächen Babylonien's, wo ohnehin der Kern Israels seinen Sitz hatie. Rab und Samuel, die Schöpfer der talmudischen, diskussiv erschöpfenden Entwickelung des Judenthums als Gesetz, waren auch die Begründer der Hochschulen Babyloniens, und billig dürste sich einer Darstellung ihrer mannigfachen Thätigkeit als Lehrer und Schriftsteller ein kurzer Abriß der durch sie entstandenen Hochschulen anschließen. Dies erscheint überdies um so nothwendiger, als im Verlaufe der talmudischen Periode, in welcher Lausende von Lehrern und Meistern nur an einem einzigen. Geistesoau arbeiteten/ die Auseinanderhaltung der Hochschulen und ihrer Rektoren die ‘ einzigen chronologischen und geschichtlichen ' Momente abzugeben geeignet sind, und obgleich nur ein kulturgeschichtliches Element, so wird in der Literaturgeschichte doch oft genug darauf zurückgegangen. Wir brauchen aber nur einen Abriß und wir können auch nur einen solchen geben. Denn theils existirt noch keine kulturgeschichtliche genaue Besprechung der jüdischen Hochschulen (Akademien) Babyloniens, keine Auseinandersetzung über den Studiengang, über die Studiosen, Doktoren, Promotionen, Gelehrtengrade, Ferien u. s. w., (1Chr.11, 11) nennt daher den Rektor Re sch Metibta,-der wie Midrasch der Zehngebote (ed. Zolkiew, 1810, 12. 9t. 7) Ro sch Jesch i b a. Uebrigens kommt dafür auch Seder (aram. Sidra) vor, daher ein Lehrer daselbst Sadran.(Midr. Tehillim 87) und der Rektor R e s ch Sidra, oder da s Lehrhaus heißt Bet R'abbau an, bildlich auch Kerem (Karma) re.-,, je nach dem Gesichtspunkte, den mau vor Augen hatte. Eine fleißige, wenn auch nicht erschöpfende Zusammenstellung und Erläuterung dieser and ähnlicher Benennungen findet man. in: Comp. Vitring a, de Synagogs. vetere (Fräneker, 1096, 4)!. p. 137—144; Jak. Rhenfecd, de Decem otiosis (ib. 1686, 4) p. 36z Ge. Unfin, antiquitates ilebraeorum scholastico - academicae (Hafnia, 1702, 4), c. 3. p. 50. — 195) Ueber die palästinischen Schulen, sowohl in Bezug auf geographische Bestimmung, als auch in Betracht, der Lehrer, welche dort'gelehrt, findet man Manches gesammelt bei Inh. Hg t) t f o o t: Centuria Chranographiea (c. 15. 52. 57. 74. 76.) im 1. Lheile seiner Ksammtwerke und bei Adr. Reland, Palästina ex monumentis vett. illustrata (Nürnb. 1716, 4) und Einzelnes auch bei Ho dy und Buxtorf. — theils wurden diese Speeialitäten uns leicht von dem. Ziele, von der Darstellung der geschichtlichen Entwickelung der Literatur abziehen. Was gelehrte Theologen des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts in besonderen Reden und Abhandlungen/'", oder beiläufig in andern Schriften 1!'7, darüber gegeben, ist kaum von der Oberfläche hergeholr, bietet also nur ein mattes Bild großartiger. Thätigkeit^ jener Zeit und kann mithin gar nicht in Betracht kommen. — 2. Unter den Hochschulen Babylornen's nimmt die zu Sora wenn auch nicht durch Alter, doch durch ihre Wichtigkeit und Bedeutsamkeit für die talmudische und spätere Zeit, die erste Stelle ein, und ich beginne meine Musterung der Hochschulen der talmudischen Periode mit dieser um so lieber, als sie mit der Tätigkeit Rab's für das tradnionale Studium in Babylonien zusammenfällt. Im Jahre 219 begal) sich, wie bereits erwähnt, Rab nach Sora, wo eine große jüdische Gemeinde in der größten Unwissenheit und Ge- 196) Das eifrige Streben. christlicher Theologen des 17. und lß. Jahrhunderts, das jüdische Altertbum anzubauen, hat folgende Schriften über jüdische Hochschulen und Studien hervorgerufen: 1) Jak. Alting: De liistoi-iu Academiarum Hebraeorum oratio. Amsterdam, 1652, 12. — 2) Ders.; De Historia Pronvotitmum Hebraeavum oratio. Amst. 1652, 12.— 3) Ders.: De Doctoribus Llebraeonimoiatio. Abgedruckt in der Gesammtausgabe seiner Werke (Theü V, ttept. 8), wo übrigens auch die zwei vorhergehenden abgedruckt sind. — 4) Ders.! de Studiosi» Hebraeorum oratio*. Daselbst abgedruck't. —'5) Karl Arnd: De 6ancel!ariorum et Proeaaeellarioruntapud Mebraeos vestigiis. Diss. philol. Rostock, 1714, 4. — 6) Ders.: De Paulo- Doctoris tituio condecorato. Diss philol., ib. 1714. 4. — 7) Ders.: De praemiorum in Prcimotionibus hodiernis receptoruni oecasionalibus apud debraeos rudimentis. ib. 1714, 4. — 8) Joh. Ernst v. Auerswald: De Habbiuis et gra-, dibus Hebraeorum lit-erariis apud Mebraeos diss., Wittenberg, 1719, 4. — 9) ßened. ßachiene: De Judaeuram Hegimine in Terra Israelis et Babylon, ab aedificato Templo ad Talmud compositum. Abgedruckt in dessen großem Werke: De originibus llierarcbiae Lcelesiast. Rom, 1703, 4. — 10) Joh. H eld: De Judaeorum Synagogis et Schqiis. Nürnberg, 1664, 8. — 1 1) Joh. Leonh. Heubner: De Acaderniis dcbraeorurn. Wittenberg, 1703, 4. — 12) Dan. Lund: Disput, de Scholis efe Academiis Hebraeorum. Upsala, 1707, 8. — 13) Georg Ursin: Antiquitates Hebraeorum sebolastico - academicae. Haifma, 1702, 4. 197) Z. B. Scipio Sgam da to- (Neapel) in: Archivaruni V. T; libri' tres (Neapel, 1703, f.) , wo eine Abh. de Aeademiis dudaeorurn orientalibus et occideutalibus. — Comp. V i tringa in De 8inagoga vetei'6 (Franeker, 1696, 4), in De Deceniviris otiosis (ib. 1687, 4). — Jak. Rhenferd in Diss. philoL de decem otiosis Synagogae (ib. 1684, 4), in Archisynagogus otiosus avzo- HctTaKQLTog (ib. 1688, 4), in Investigatio Praefectorum Synagügae (ib. .1701, 4). — Giulio Bartoloccr in seiner rabbmischen Bibliothek en!, p. 663), wo eine Zlbhandlung: De Universität!bus Judaeorunv Babylonicis sich findet. — - 7*