Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 4 (22.1.1847)
- Date
- 1847-01-22
- Page
- Spalte 49-50 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für zü-rsch- Geschichte und Literatur. JVi 4« Leipzig den 22. Januar 184V« Inhalt. Kritiken. Kurze Anzeigen. Drei Predigten von Salomo n. Angezeigt von Ad. Jellinek. — Studien, Bedeutung des Bundes nach der Bibel. Von M. B. Fried ent hal. —lieber die Sprache der Mischna. Von Prof. S. D. Luzzatto. (Schluß.) — Erklärung der Offenbarung Johannis. Von PH. H. R 6 e. — Von der Darstellung der Messiasidee. Von Dr. Rothschild. (Forts.) -- Ankündigungen. Kurze Anzeige«. 5) Die Aufgabe des heutigen Israels auf dem Gebiete des Lichts und der Wahrheit. Eine in der großen Synagoge zu Breslau am 25. Juli gehaltene und auf wiederholtes Verlangen zum Druck beförderte Predigt von Dr. G. Salom on. Breslau, 1846. 8. L. Freund. (S. 16.) 6) Die Entweihung des göttlichen Namens in Wort und That, ein ernstes Wort zur Beherzigung für Eltern und Erzieher, gesprochen am 12. September 1845 im.Neuen Jsr. Tempel von Dr. G. Salomo n. Hamburg, 1846. 8. I. I. Halberstadt. (S. 16.) 7) Licht auf den dunkelsten Lebenswegen, eine Predigt nebst einem frühvollendeten Frauen gewidmeten Nachruf am 5. Decbr. 1846, von Dr. G. Salomon. Hamburg, 1846. 8. B. S. Berendsohn. (S. 16.) Unbewußt laßt der Volksredner seine volle Persönlichkeit meinem begrenzten Gebiete de§ geistigen Lebens miederstrahlen. Er ist ein Anderer als Dogmatiker, ein Anderer als Trostspender, ein Anderer als ernster Rathgeber. In einem Falle, der mit seiner Individualität im engsten Zusammenhänge steht, muß das fpeeifische Gepräge des Redners ganzan's Licht treten. Denn in der Predigt, die in ihrer höchsten Vollendung zwischen dem Epos und dem Drama liegt, läßt sich der Inhalt von der Form schwer trennen. Da wir nun in den angezeigten drei Predigten Salomon als Polemiker und Rat'hgeber, als mahnend, zurechtweisend und trostend hören, so werden wir auch leicht finden können, wo die unverwundbare Stelle desselben liege. In Nr. 5 wird das bezeichnete Thema, angeknüpft an das Verhältniß der Söhne Gad und Reuben, durch folgende vier Punkte erledigt: 1) wieviel auf diesem Gebiete bereits geschehen ist; 2) wieviel noch zu thun übrig bleibt; 3) wer mitzukämpfen und rnitzuwirken berufen ist; 4) wie lange gekämpft und gewirkt werden soll. Die Polemik ist aber, selbst vom Standpunkte des Verf. aus, nichts weniger als scharf, weil Salomon der Gemüthssphäre, in der er sich so meisterhaft bewegt/ entrückt worden und von einem falschen Gesichtspunkte ausgegangen isti. Mit Nichten ist der jüdische Geistliche vow Gott berufen, dessen Schatz zu hüten. DasJudenthum giebL Jedem seiner Bekenner einen gleichen Antheil an dem Hüteramt und wir halten dem Verf. sein Citat entgegen: Hin W jn:) D^n ay pv ein weises und vernünftiges Volk ist diese Nation. Im 4. Lheile aber, wo die reiche Welt des Gemüthes wieder beginnt, da wird Salomon eindringend, und so beredt wie er in der Schlußperiode ist: „der Meister droben drangt und treibt, treibt mir jedem Sonnenuntergänge, mit jeder Blume, die dahin welkt, mir jedem geliebten Menschen, den wir zu Grabe tragen u. s. w." war er in der ganzen Predigt nicht. Das ernste. Wort in Nr. 6 über den Gotteslästerer Lev. 24, 10—17 ist scharf und bewältigend, indem es den Verfall der religiösen Erziehung, den Spott und Hohn unwissender und halbgebildeter Juden über das Göttliche nachdrücklich schildert und auf die Belebung des religiösen Lebens im Hause dringt. Verhält sich auch das geschriebene Wort zum gesprochenen wie Tonzeichen zu klangvollen Tönen, wie die Zeichnung zum kolorirten Gemälde, wie das Portrait zum lebensfrischen Original, so müssen wir doch dieser Predigt die größte Verbreitung, wünschen, da sie so reich an feinen Wendungen, so treffend in der Entwickelung, so paffend für unsere Zeit ist und selbst als Kind der Presse manches Herz bezwingen, manches Gemüth umstimmen kann. Es ist 'bekannt, ^daß Salomon^s Predigten reich an schlagenden Parallelen sind. In.dieser- Predigt Nr. 6 ist eine, die wir dem Leser nicht vorenthalten wollen: „Zum Tempel der Tugend führen — Stufen; Stufen aber hat auch das Hochgericht, wo der im Zm . 4