Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 2 (8.1.1847)
- Date
- 1847-01-08
- Page
- Spalte 19-20 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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19 Studien. Geschichte der jüdischen Literatur in Babylonien. Betracht der Scheidung und Trennung Babyloniens von Palästina, indem mit ihm Babylonien, .abg»elöst und gesondert, seinen eigenen Weg einschlug, wie auch Palästina sich von babylonischem Einflüsse emancipirte, bis diese Scheidung zuletzt in den beiden Talmuden klaffend auseknanderging. Die Folge war, daß mit Abba aus Areka die Ansicht sich Geltung verschaffte, daß Babylonien eben so heilig, cken so gut als Palästina sei, daß wer da wohne eben so gut als wenn ec in Palästina gewohnt, und daß die Uebersredelung nach Palästina als Uebertretung, wenigstens mit schelen Blicken angesehen und bitter getadelt wurde77). Dann can.solidirten sich auch mit Rab die schon vorhandenen Hochschulen in Babylonien, oder es wurden neue begründet, da er durch Titel (Rab) und Ansehen gleichsam der Jehuda Ha-Nasi der Babylonier war ^). Die bis 188 von Babyloniern in Palästina verfaßten, hier bereits erwähnten Schriftwerke, wurden als Vorlagen, als babylonisches Geistesgut betrachtet, aber »licht in dem Maße geschah dies mit den später« Erzeugnissen, wie auch umgekehrt die babylonischen Erzeugnisse wenig, die Palästinenser berührtendas einheitliche Zusammenwirken war mit 188 n. Ehr. abgebrochen, obgleich die Grundlage der Studien hier und dort, nämlich die mitgebrachte Mischna, gleich war, und die Verschiedenheit des Textes kaum >in Anschlag zu bringen isi.- 3. Was die Verschiedenheit des Mischna-Tcxtes erlangt,79) so hat bekanntlich Rab, als Schüler Jehuda ha - Nasi's die Mrschna-Ordnung nach der letzten Redaktion mitgebracht, wie er sie von seinem Lehrer persönlich gehört, und eben deswegen, weil sie die letzte, revidirte war,, so war sie auch die korrektere und bessere, was sich auch auf die Ausarbeitung des babylonischen Talmud's zuweilen äußerte. Hingegen hatte 77) Ketuvot, Ende. Kidduschin 50». Gittin 6d. — 78) Wie Jehuda ha-Nasi einen mächtigen Gönner und Freund hatte (Antonin), eben so hatte er einen Gönner an Artaban (*Aboda Sara 10 b). — 79) Unser Mischna-Text, wie er in.dem bab. Talmud reprästntirt wird, ist die letzte Redaktion Jehuda ha - Nasi's, die er in seinem Alter vorgenommen.. Es wird im Talmud (Baba Mezsa e. 4 Auf. "Aboda-Sara e. 4 Mischna 3 mit der Gemara dazu) ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die in seiner Jugend vorgenommene Redaktion anders war, manche Sätze sogar das Gegentheil enthielten. Sein eigener Sohn Simeon harte ihn über diese Aenderung befragt. Freilich hat sich keine bestimmte Nachricht erhalten * daß Abba Areka die Mischna in ihrer letzten Redaktion dahingebracht; aber da die Nachrichten von den verschiedenen Redaktionen , von den Gesprächen Rabbi's mit seinem Sohne, dieser uns bringt, und da thatsächlich im bab. Talmud nur büe letzte Redaktion ist, so ist es wohl, unzweifelhaft, daß Abba, von dem alles Studium ausging, nur die letzte Redaktion gebracht haben kann. In Palästina hat den Mischna-T«xt Simeon, der Sohn Rabbi's, begründet, und erst 'durch einen Babylonier, durch Ehijja b. Asche, hat man es da erfahren, daß Jehuda Ha-Nasi in. seinem Alter den Mischna - Text geändert, aber da er einmal festgestellt war, so blieb er schon so, wie ihn Simeon überlieferte» —- 20 der palästinische Talmud einen Mischna - Text, der von den Nachkommen Rabbi's nach eigenem Gutdünken und nach eigener Wahl vorgetragen worden aö), unb da diese Verschiedenheit eine bewußte war, so nannte man daher die Recensi'on in Babylonien Mitnita debe-Rab d. h. die Mischna ider Schule Rab's **). 4. In den 30 Jahren, in welchen Rab Meturgeman zu Ncharde'a war (188 — 219)- wie auch während der 24 Jahre seines Rektorats zu. Sora (219 — 243), hatte er aber tp seiner Schule (Be-Rab) nicht nur die erwähnte letzte Recensi'on der Mischna (Mitnita debe-Rab) vorgetragen und erläutert, sondern auch snoch zwei höchst wichtige und bedeutsame Midrasch-Werke aus früheren Sammlungen zusammengetragen und redigirt. Diese sind: 1)Sifra (das Buch), auch Sifra debe-Rab (das Buch der Schule Rab's) genannt82), ein Midrasch über das dritte Buch des Pentateuch (Torat - Kohanim), bald halachischen bald haggadischen Inhalts, je nachdem der Text dazu Veranlassung giebt. Da der Name debe Rab d. h. der Schule Rab's, wo dieser Midrasch gelehrt wurde, auf den Begründer Rab hinweist, und in Betracht, daß der Oheim Rab's, der obenerwähnte Babylonier Chijja, sehr oft darin erwähnt wird«-), daß ferner sämmtliche darin angeführten Autoritäten über das Jahr 243, das Todesjahr Rab's, nicht gehen, so wird man wohl kaum bezweifeln, daß Rab der Redakteur dieses an Ruhm die Mischna noch überragenden Midrasch gewesen war. 2) Sifre (die Bücher), «*) and) genannt Sifre debe Rab,85) (die Bücher der Rab'schen Schule) oder auch Schear Sifre debe-Rab^) (die übrigen Bücher der Rab'schen Schule), 80) Simeon, der Sohn des Mischna-Redakteur's, soll sogar zu feinem Vater ausdrücklich gesagt haben, daß er die frühere Redaktion festhalten wolle, weil sein Vater damals noch geisteskräfrig war. 'Aboda-Sara e. 4. M. 3. 81) Was das Verhältniß des palästinischen Mischna-Tertes zum babylonischen anlangt, so kamen in jenem Sätze vor, die sich hier nicht fanden, weil Simeon sie aus der ersten Redaktion beibehalten, und Rab, die letzte Redaktion festhalrend, natürlich weggelassen, und har sich zuweilen im Babli ein solcher Satz eingeschlichen, so har ihn schon irgend ein Kommentator bemerkt, da aus der bab. Gemara zu derselben Mischna die Ungehörigkeit und Einschiebung leicht zu erkennen. Aboda Sara 35 b ff. Raschi und Maimuni daselbst, wie auch Jeruschalmi. — Die beiden Talmuden hatten übrigens ein vollkommenes Bewußtsein von diesen Textverschiedenheiten, und wenn man im pal. Talmud von der Mischna in Babylonien sprach, so nannte man sie Mitnita debe Rab. 82) S. die Nachweise Sunz G.B. S. 46. Anm. d. e.— 83) ib. S. 48 Anm. d. — 84) Berachot 47 5, Kidd. 49 d, Sanh. 86 a, Schebu'ot 41 d, Megilla 28 5. — 65) A lfüsi zu Pesach. «:. 10; ^Aruch s. v. 'Arka; Raschi zu Hosea 2,1 — 86) Joma?9», Baba Batra 124 5. Daß man mit diesem Ausdrucke dasselbe Werk meint, haben schon Raschi (zu Joma J. c.), Josef C ha bi- (zu Alf»si Baba Batra v. 8 f. 210»), Samuel Serillo (in Kelale Samuel 31 5), Jak. Chagis (in Techilat Chochina 32 b) u. s. w. dehaup-