Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1847)
- Date
- 1847-01-08
- Page
- Seite 16 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Er darf daher ein erkauftes Gut erst, nachdem er dasselbe, zuvor drei Jahre lang selbst bewirthschaftet hat, wieder verkaufen oder verpachten. Eine Ausnahme hiervon findet bei denjenigen Gütern, die er als Gläubiger im Gante zum Behuf seiner Befriedigung oder im Wege gerichtlicher Exekution unmittelbar an sich bringt, außerdem aber nur mit besonderer Genehmigung der Kreis-Regicrung Statt. Bei Käufen und Verkäufen liegender Güter unter Christen, so wie bei der Eigenmachung von Falllehen eines christlichen Besitzers ist dem Israeliten jede Teilnahme als Unterhändler, Bevollmächtigter, Mäckler oder Bürge bei Gefängnißstrafe und bei doppelter Erstattung des bedungenen oder erhaltenen Vortheils an den Anbringer verboten. (Fortsetzung folgt.) Lied im Traum. 1847. „Ich seh' die stolze Fürstenmacht, die starren Herrscher alle, ^Begrüßen Dich als Freund; Dich schmückt ein strahlend Glaubensband; Ich seh' die Helden alle zieh'n bei hohen Paukenschalle, Und Du, Du ziehst voran, zum Kampf für's eigene Vaterland! Ich seh' die Meister rings, die Künstler sich vereinen, Und Dich, Du oft versöhntes Volk als ersten Stern erscheinen; Ich seh' Dich frei und gleich, uud trau dem trunknen Auge kaum: Im Traum! „Doch nicht genug! daß Fürsten Dich doch endlich angenommen, Daß Dichter Dich, daß Musensöhn' Dich Menschen gleichgestellt, Das alte Vorurtheil der Plebs das selbst ist ausgeglommen; Und Niemand wehrt Dir mehr den Weg zur Ehrenbahn der Welt, Kein Ruf krümmt Dir ein Haar; kein Czar will fürder Deine Knaben; Ahasver geht zur Ruhe ein; der Christ hilft ihn begraben; Damask sei eine Sage nur — der Mas Seifenschaum: Im Traum! Das Rad ist um; nun Sänger rasch die gold'ne Leier schwing', Und mit gewalt'ger Hand in die gespannte Saite greif! Im Bergesschacht feilt Vulkan noch am neuen Zeitenring, Saturnus schwingt die Hippe schon im frühen Morgenreif! Der Barde hört, und in ihm wogt's — sein Auge düster glüht, Die Saite schwirrt, und laut ertönt sein banges Traumeslied; Er ruft in die Nacht hinein: „Erschall im weiten Raum" Im Traum! „Mein Volk, mein Volk! beginnt noch nicht im fernen Ost zu ragen, Der gold'nen Freiheitssonne strahlend, weltbescheknend Licht? Mein armes Volk, noch stets verdammt, das Erdenjoch zu tragen, Dein großer Ruf, beim Schmerzensschrei verstummt noch nimmer nicht?! Ich sah' Dich, Jude sitzen ja im großen Weltensaale, Vereint im festen Bruderbund beim frohen Völkermahle, Ich seh mit Blüthen reich bekränzt Israels Lebensbaum Im Traum! „Ich steh' allem, hoch oben auf des Berges Felsenstufen Und schau in's Thal hinab — weit — weit zum fernen Meeresstrand; Ich hör' die Völker alle vor die Weltenschranken rufen, Dein Nam', mein heißgeliebtes Volk — der wird zuerst genannt! Du ziehest stolz einher, mit sicher'm, gottvertrauten Schritte, Ein Held, ein kühner Siegesheld in trauter Brüder Mitte: Und „Jude", schallt's zum Hohne nicht, zum Ruhme von Raum zu Raum, Im Traum! So ruft der Sänger laut — und grad beginnt's im Ost zu tagen; Die Sonn' steigt aus dem Meer und bald ihr erster Strahl erscheint: Sein Lied es ist verstummt — er selbst ist müde schon der Klagen, Er hat genug gestöhnt, geseufzt, sein Auge nicht mehr weint! „Lasst," ruft er noch, „laßt einig uns nach Anerkennung ringen," „Durch innren Werth die Achtüng uns von Außen her erzwingen! Es tagt! Es tagt! Die Freiheitssonne erscheint am fernen Saum: Kein Traum! W-r. Personalchronik und Miseelleu. Dresden. Die Zeitschrift des Hrn. OR. Dr. Frankel, für die jüdischen religiösen Interessen, die bis jetzt als Monatsschrift erschienen, wird mit dem nächsten Jahr als Vierteljahrsschrift ausgegeben werden. — London. Einer Bekanntmachung des Oberrabbiners von England in Iewish Chronkcle zufolge, welche die Synagogen des Landes zur Geldhilfe auffordert, sind durch den letzten großen Brand in Ädrianopel (soll wohl heißen Salonik) 2000 Juden obdachlos geworden. Verlag von C. L. Fritz sch e. Druck von I. H. Nagel.