Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 1 (1.1.1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Spalte 13-14 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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13 Kritiken. Spruchbuch.- Sendschreiben über die Person Jesu. Großmann über Philo. 14 Spruchbücher, deren Material aus der Schrift,, aus den apokrypheschen und Lalmudischen Bücher zur Einprägung der jüdischen Neligions- und Morallehre entnommen ist, haben schon manche jüdische Pädagogen zu bearbeiten versucht, aber an ein Spruchbuch, das mit dem Religionsunterrichte nicht zusammenhängt, hat noch Niemand gedacht und noch nirgends ist das Bedürfniß nach einem solchen auch nur ausgesprochen worden. Und dies erscheint beim ersten Blick ganz natürlich, da ein inneres Gefühl dem Volke sagt, daß die Besonderheit einer jüdischen Schule nur in einer Unterweisung in der jüdischen Neligionslehre bestehen kann. Die Klagen über die „kärgliche Wege des jüdisch - pädagogischen Literaturgebietes" bestehen nicht darin, daß wir in den jüdischen Schulen, nach der Kulturstufe, die wir in Deutschland einnehmen, die Lehrbücher über diese oder jene Klaffe der jüdischen Literatur vermissen, sondern daß das einzige specisisch Jüdische für den Jugendunterricht, nämlich Hilfsmittel zu einem kräftigen Unterricht über das Judenthum und gute Lehrbücher für dieses Fach, noch keine gewissenhafte und mit guter Kenntniß ausgestattete Bearbeiter gefunden. Das Volk hat keine gute Schriften für den jüdischen Religionsunterricht, und selbst viele der besseren Lehrer haben keine Ahnung von dem Umfange ihres Unterrichts-Gebietes. Auch die Verfasser unserer hier anzuzeigenden Schrift klagen über die kärgliche Pflege der jüdisch-pädagogischen Literatur, aber sie meinen diejenige, die nicht Zum Religionsunterrichte,, sondern'zum Unterrichte über Gegenstände der jüd. Literatur überhaupt gehört, und in dieser Beziehung ist die Klage ganz ungegründet. Unmöglich kann man von einer jüdischen Elementarschule, die, beiläufig gesagt, wo gute Bürgerschulen vorhanden, ganz überflüssig ist, verlangen, daß sie in den weiten Gebieten der jüdischen Literatur Unterricht bieten soll, da einestheils diese Gebiete dem Gesichtskreise einer Elementarschuljugend weit entfernt liegen, anderntheils 'diese Gebiete so umfänglich sind, daß die kurze Zeit des gewöhnlichen Schulbesuches nicht ausreichen kann. So z. B., um auf unser vorliegendes Buch zu kommen, kann jede andere Disciplin der jüdischen Literatur — und wie viele Discipliue giebt es nicht! — dieselben Ansprüche als die Spruchpoesie, in den Schulen zum Gegenstand des Unterrichts zu werden machen, wenn überhaupt ein Feld der jüdischen Literatur zum Elementarunterrichte genommen werden soll. Vielleicht haben das die Herausgeber gefühlt und das mag wohl der Grund sein, daß sie ihre 475 Sprüche, aus 8 Büchern gezogen, Mischte, Kobeler, Ben.-Lira, Pirke Abot, Mischle Chachamim/Mibchar ba-Peninim, Muffare Ha-Pitososlm und Ben Hci-Mclech weha-Nasir) hebräisch und deutsch mirtheilren. damit sie sich dem Unterricht im Hebräische« anschließen. Aber dann batte das Hebräische in den Sprüchen mit faßlichen grammatischen Noten begleitet sein müssen, wie auch der Unsinn, ar am ää sch e Sprüche einzuflechten, hätte vermiede« werden sollen, da man doch unmöglich von Kindern in einer Elementarschule verlangen kann, sie sollen auch noch chaldäisch lernen. Kurz ich begreife nicht, wie dieses Büchlein in unseren gewöhnlichen jüdischen Schulen zu benutzen fein soll. Für höhere Schulen, die freilich nicht existiren, ist die ganze Anlage verfehlt, da man in Behandlung dieses Stoffes viel weiter ist. Der Druck ist ausgezeichnet schön. 3) Sendschreiben an Sr. Ehrwürden, Hrn. Archidiakonus Krause zu Breslau, Vers, der Schrift: „Der Meinungsstreit über die Person Jesu" (vom 21. Sptbr. 1845). Durch Urtel des Königl. Ober-Censur-Gerichts vom 10. Oktbr. 1845 zum Druck verstattet. Seitdem schon die 10. Aufl. erhalten. Von Abel Elias Abel, Jüdi-- schem Privatgelehrteü. Preis 2£ Sgr. Berlin, 1846. 8. So lautet der Titel; wer Phisiognomik versteht, wird den Inhaltserrathen. Die 12 Seiten starke Schrift ist eine Apologie der Person Jesu; er spricht darin noch obendrein den Christen stark ins Gewissen, stellt die Aussicht, daß die Juden und Christen sich verschmelzen müssen, und 'bringt endlich so viel Kabbalistisches Zeug zusammen, daß dem. Besonnensten konfus im Kopfe werden müsse. Ich verstehe kein Wort davon nnd der natürliche Ausruf, der mir bei dem Lesen entfuhr, war ojn D'yjwD "DM? 4) DePhari.sciismo Judaeorum Alexandrino Conmientatio. Von Arist. G. L. Großmann. Leipzig, 1846. 4. Bei Gelegenheit des Reformationsfestes im vergangenen Oktbr. wurde von Hrn. Dr. Großmann, dem Deka» der theologischen Fakultät, diese Abhandlung veröffentlicht, wie er alle seine Abhandlungen über Pyilon und seine Zeit bei akademischen und kirchlichen Anlässen publicirte, und da alle seine Abhandlungen dieser Gattung Früchte der fleißigsten Forschung auf dem Gebiete des jüdischen Atexandrinismus sind, so ist es natürlich, daß hier in diesem Blatte darauf aufmerksam gemacht werden muß, wie auch in der That Eine dieser Abhandlungen hier (vergl.Lbl. d. Or.1842.) ganz übersetzt erschienen ist. Versuchen wir nun, den Hauptinhalt dieser Abhandlung, insofern sie zur Auffassung des alepandrinischen Judenthums beiträgt, hier wiederzugeben. — Die philomsche Theosophie kann in ihrem wahrhaften inner» Wesen ohne die jüdische Theosophie seiner Vorgänger und Zeitgenossen, ohne die philosophischen Ansichten der Juden jener Zeit überhaupt, nicht verstanden werden; den jüdischen Alexandrinismus durch unjüdische Spekulcrtkonsqslellen erläutern zu wollen, Philon und seine Ansichten als ohne Zusammenhang mit dem Judemhum aufzufaffe«, heißt den Innern Nerv des historischen ^Verständnisses Philon's durch schneiden, ' die ersten Gesetze der Interpretation verläugnen. 2« der Geschichte der Literatur können wir kernen Geist ausweisen, der sich den Einflügen der Zeit und des Ortes ganz entzogen Härte, und ein Mann wie Philon, der mit Begeisterung seinem Glauben, dem Judenthume zugetban ist, der mit unbeschreiblicher Liebe zu seinen Glaubensgenossen noch in seinen alten Tagen eine beschwerliche und gefährliche dliiU ju ihrer Vertheidigung unternommen, soll in seiner Spekulation fern