Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 49 (3.12.1846)
- Date
- 1846-12-03
- Page
- Spalte 771-772 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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771 Kritiken. Wörterbuch zum Siddur. 772 diese Mahnung zum kräftigen Zusammenhalten, die ihr unbeugsamen Sinnes seid , sobald ihr einmal das Rechte erkannt habt. Ihr seid den Ueberklugen und allen andern dämcnischen Gewalten hinreichend gewachsen, wenn ihr nur wollet; und gegen die Wahrheit giebt es auf die Dauer selbst keine Bayonnette. Die Irrlichter der Anmaßung, die giftigen Pfeile des Spottes, die eisige Kälte der Gesinnungslosigkeit, w»s vermögen sie zuletzt gegen den, der seinen Weg einmal erkannt hat, dessen Brust gepanzert ist, und dessen warmes Herz nur höher schlägt, wenn Alles um ihn starrt? Unsere Jugend schwärmt häufig genug für das Fernste und Entlegenste, ist es nicht endlich einmal Zeit, auch an das Nächste, zu denken, an das eigene Vaterland, an die Lage, die uns selber zugezählt sind, und an den eigenen Stamm? Es setzt mindestens ein arges Mißverständniß voraus, wenn die Sehnsucht nach der Verwirklichung des Idealen unfern Blick in entlegene Welten schweifen läßt, während wir das, was sich seiner ganzen Natur nach unserer Obhut darbietet, übersehen, »der gar sehend nicht als solches erkennen. Eine derartige Begriffsverwechslung erinnert uns an einen bekannten Professor, der einst beim Erscheinen des Halley'schen Kometen seine Vorlesungen über denselben mit der Bemerkung anzeigte, daß es dem Gebildeten doch vor Allem gezieme, ein Ereigniß kennen zu lernen, welches sich nur so selten wiederhole. Ein schlichter Mann, der dieses las, meinte hingegen, daß das Wesen der Bildung wohl eher umgekehrt zu nehmen sei; es sei NLemanrnandem zu verargen, und überhaupt auch wohl keines besondern Labels werth, wenn man. nicht, genauer mit einer Erscheinung bekannt sei, die beiläufig alle drei und achtzig Jahre einmal eintreffe, während es wesentlich darauf.ankomme, mit dem uns jeden Augenblick Begegnenden vertraut Zu sein. Es gehört nun einmal nicht zu den Seltenheiten, daß derselbe Mann, der mit dem Iren in den Repealruf einstimmt, dessen. Geister mit auf dem Kaukasus kämpfen, der mit dem Franken eine Südseeinsel kolonisiren möchte., den heimathlicheir Boden mit Verachtung anblickt und zu Hause hübsch Alles beim Alten lassen möchte. Soll auch uns noch länger solcher Vorwurf treffen? ist Deutschland denn das schlechteste derLänder? sind, wir, seine Söhne jüdischen Glaubens, nicht vor Allem, dazu berufen, durch Beförderung des kirchlichen Friedens zu seiner E.inhe.it und Größe das Unsrige be.izutrqgen? Vorüber die trüben Gestalten der Vergangenheit! Den. Blick in die sonnige Zukunft gerichtet! Da breitet sich vor unfern Augen ein einiges, großes Deutschland aus, und seine freien Söhne nennen stolz die Namen der Väter, die ihnen einen solchen Besitz hinterlassen. Wir sind noch nicht verwaist, in unfern Gauen, der Boden ist reich genug an der köstlichsten Habe, und der Kampf-, den wir mit Muth und Gottvertranen bis, ginnen, muß uns zum Siege führen." 75) Kursorisch - alphabetisch Hebräischdeutsches Wöcterbuch. zum allgemeinen Siddur.,, in zwei Abteilungen. Ein. unentbehrliches Hilfsmittel beim Uebersetzen des allgemei- . ruu yedräischen Geverduchs'in jeder Ausgabe, zum Selbstunterricht Und Schürgebrauch. Mit vielen grammatischen Andeutungen und Erklärungen, so wie mit einem Anhänge über die Fundament allehre der hebräischen Grammatik und einer Anweisung zum richtigen Gebrauche dieses Wörterbuchs. Von Dr. I. Heine mann in Berlin. Zweite Ausgabe. 1845. Nach der Sitte in den (ZöttiNHschen gelehrten Anzeigen referire ich selbst als Verfasser über dieses iWörterbuch, indeß ich keineswegs damit dem Urtheile der Sachkenner vorgrcifen mag. — Das hebräische Gebetbuch wurde.von jeher als erstes Lesebuch benutzt. Mit dem Einüben der Gebete verband man auch das Uebersetzen derselben, woran man wohl Ihat, denn man gelangt dadurch nicht blos zum Verständniß der Gebete, sondern kann den Schüler auf diesem Wege zur Grammatik und zum leichtern Erlernen des Pentateuchs vorbereiten. Allein hier bedarf sowohl der Lehrer einer Anleitung, wie er zu diesem Doppelzwecke das Gebetbuch anwenden solle, als auch der Schüler noch eines Hilfsmittels, um ohne zu viel Zeit raubende Anstrengung die Absicht zu erreichen. Bloßes Vor übersetzen des Lehrers und oftmaliges Wiederholen der Uebersetzung in den Unterrichtsstunden kann weder dem Lehrer noch dem Schüler Freude machen; jener ermüdet, dieser wird stumpf und lässig, und die blos mechanische Beschäftigung verdirbt die Zeit und schwächt das Gedächtniß» Meine vieljährigen Erfahrungen haben mich gelehrt, daß die Selbstthätigkeit des Schülers auch hier in kurzer Zeit den besten Erfolg hat; und alle Versuche, die ich in meiner eigenen Anstalt und in andern Schulen habe anstellen lassen, haben sich herrlich bewährt. — Das Verfahren ist folgendes» Der Lehrer übersetzt der Reihe nach täglich eine Stunde einen Satz aus dem Gebetbuche vor, und läßt das Vorgesagte einige Male auf der Stelle wiederholen, z» B. sqb NO, läßt hierauf vom Schüler aus der ersten Abteilung des Wörterbuchs (der kursorischen) die Wörter, die in dem vorüber-' setzten Satze Vorkommen Herfagen, und giebt ihm sodann auf, außer der Schulzeit, als eine häusliche Arbeit, diese Wörter einzustudiren. In der nächsten Stunde Hort der Lehrer den Satz aus dem Gebetbuche ab, und schreitet zum folgenden Satze weiter, mit. welchem es eben so geschieht. Am folgenden Lage werden die früheren beiden Sätze wiederum abgehört, und es wird ein neuer Satz vorgenommen, und so die ganze Woche hindurch.' Am Schlüsse der Woche wird alles bis dahin Erlernte wiederholt. Ist diese Uebung etwa sechs Wochen fortgesetzt worden , so macht der Lehrer den Schüler mit den bei den Wörtern bezeichneten Wurzelwörtern (Ep&sn&y) bekannt. Hierauf läßt der Lehrer zur häuslichen Uebung Übersetzungen verschiedener beliebiger Sätze aus dem Gebetbuche machen, auch schriftlich ausarbeiten, wozu der Schüler sich der zweiten Abtheilung des Wörterbuchs (der alphabetischen) bedient, indem er ihm bemerklrch macht, -aß manches hebräische Wort verschiedene oder auch entgegengesetzte Bedeutungen hat, der Schüler also an dem Inhalte des Satzes erkennen müsse, welchen Ausdruck von den bei den Wörtern befindlichen deutschen Ausdrücken er zu wählen habe. — Gleich-