Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1846)
- Date
- 1846-11-26
- Page
- Seite 379 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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schon seit beinahe drei und zwanzig Iabren nicht das Blut aussauge. Die erste Veranlassung hierzu war, als ich als achtzehnjähriger Jüngling inWrag die Weschneiderkuust bei einem der bewährtesten Beschneider seiner Zeit, Herrn Rabbi Beer Mlrneles (auch Lehrer des hiesigen WundarztesHrn. Elias Colt in) erlernte, welchem Ebrenmanne gewiß alte die ihn in Prag kannten, das Zeugniß geben werden, daß er zu denjenigen wahrhaft frommen Talmudisten gehörte, welche in den orthodoxesten Satzungen ergrauet waren, wähnte ich mit dem Rituale wohl vertrauet in gläubiger Einfalt — damals legte man noch nicht das scharfe Messer der Kritik an jeden Gebrauch, an jede Satzung — nach der Peria das Glied in den Mund zu nehmen und das Blut der Wunde mit Pünktlichkeit aussaugen zu müssen. Als ich nun schon mehre unehliche Kinder in der sogenannten Att-Neu-Schule (wo alle unehelichen Kinder auf dem Almemor beschnitten wurden,) beschnitten, begegnete mir, daß ich im Beisein meines genannten Lehrers und noch mehrcr gelehrten fommen Beschneider, bei der Weschneidung eines solchen Knabens, indem ich den Schnitt vollzogen und zur Peria übergehen wollte, zurückschauderte.', da ich gewahrte, daß die nyHDn-liy wie ein weißes dünnes Spinngewebe geöffnet da lag, und die etwas entblößte Eichelkrone mit einem weißen faserigen Aussatze bedeckt war. Meinen Lehrer fragend anblickend, sagte er mir, während ich das lese Häutchen zerthcilte „besprützen Sie nur das Glied mit Wein und es ist dann gut". Seit dieser Zeit konnte ich mich nicht mehr entschließen, schon aus diesem einzigen Grunde die Meziza auf diese Weise vorzunehmen, denn hier war der Aussatz, der sich ausgcbildet, sichtbar; wie oft aber wäg er noch im Entstehen und noch nicht ausgebildet, oder gar, wo durch einen großen Schnitt, oder durch einen andern Umstand eine größere Btutnng enstanden, derselbe von dem Blute verdeckt oder weggewaschen worden und sichtbar sein. Ich möchte behaupten , daß hierdurch wie in Polen und neuerdings in Hamburg bemerkt worden, denn ich mag nicht glauben, daß der Nichtarzt, welcher die Operation hauptsächlich als eine fromme Uc&ung mit der Kunstfertigkeit verrichtet, so treulos und unverschämt fein wird, bei einer sich durch unsittlichen Lebenswandel zugezogener Krankheit eine Handlung vorzunehmen, wodurch er das zLeben eines willenlosen Geschöpfes gefährdet. Nun Herr E t t l i n g e r! wie wollen Sie in Ihrem falschfrommen Eifer, abgesehn von allen andern gewichtigen Gründen, diesem einzigen Uebelstande begegnen? Haben Sie vielleicht die Scherkraft durch die Vorhaut zu sehen, ob das Kind mtt einem sichtbaren oder unsichtbaren äußeren Uebel behaftet ist? Ich bin fest überzeugt, hätte der von mir seiner tüchtigen talmudischen Kenntnisse wegen hochgeachtete Herr Ettlinger vorurtheilsfrei über die Sache nachgedacht, wäre er ohne vorgefaßte Meinung an's Werk gegangen, es hätte sich ihm bei seinem talmudischen Wissen ein anderes Resultat ergeben müssen, denn nicht allein das pt&iD der Mischna, wie die Frankfurter Mohelim in ihren Gutachten sehr richtig angegeben, ist gleichbedeutend mit dem in der spätem Mischna nN p^rnD "iDün hj) rb'ün, es wird ja schon ausdrücklich von dem Talmud selbst Sabbat fol. 133, h die Meziza mit rv>Jl?DDN’ im verglichen n’ÄDDtf HO J10D1 rpj'PDDKl M’öHi m nJDD Tny *6 o j"n pudd iDy poDi. Nun nach Herrn Ettlinger müßte man noch heute das Glied nach der Beschneidung mit Kümmel bestreuen, oder mit einem Umschläge von Kümmel verbinden, und die Unterlassung der Anordnung dieser in der Mischna neben gesagten Heilmittel, wäre eben so gut eine solche Verletzung der Riuialgesetze wie die Unterlassung der von Herrn Ettlinger hochgefeierten Meziza, welches ja auch nur ein Heilmittel war. Fast scheint es, daß Herr Ettlinger darum einen so großen Werth auf die Meziza legt, weil er dahinter noch etwas geheimnißvolles (einen -po) wittert, wie jener i'o NpfrOpD tsnr’D 3) welcher am Neujahrstage nach vollzogener Beschneidung den Munde nicht abwusch, um mit blutbeflecktem Munde sogleich Schofar zu blasen. Sehr wahr istl, daß aus Maimuni nicht hervorgeht, daß man das Aussaugen mit dem Munde verichtete; ich glaube sogar °aus den Worten das Maimuni die Bermuthung schöpfen zu können, daß die Aussaugung zu seiner Zeit noch nicht mit dem Munde bewirkt wurde, denn Maimuni sagt: D^pimn niDipöo Din mw ny n^on n« dpi nt Dl, 4) es sollte also .die Wunde so lange ausgesogen oder ausgepreßt werden, bis das Blut aus allen Gefäßen hervorqegangen oder absorbirt worden. Wer nun mit Operationen einigermaßen vertraut ist, muß bezeugen können, daß man eine solche Blutentleerung aus den entferntesten durch die Wunde geöffneten Blutgefäße nicht durch Aussaugen mit dem Munde vollständig bewerkstelligt werden kann, es mag'^aher diese 'Blutabsonderung durch ein anderes Mittel herbeigeführt worden sein. Die beiden Mischnastellen Para 9 und Lebul Jom 12 , wo allerdings nur durch den Schnabel und durch den Mund, daß was dort gemeint ist erreicht werden kann, beweisen noch gar nicht, daß auch unser ptjüiD in der Mischna mit dem Munde bewirkt wurde; 5) übrigens bei genauer Beobachtung hat nsäD in Para und in Lebul-Jom eine ganz andere Bedeutung. Es wird darunter verstanden „schlucken" „verschlucken"; deswegen war in Para das Wasser nicht entheiligt, wenn die Laube davon trank, weil sie das Wasser nicht wie andere Vögel mit dem Mundspeichel wieder von sich gab, sondern das Wasser gleich hinunterschluckre, was kein Aussaugen kein Auspressen wie es hier gemeint ist. 3) IDpn rf'N TDD NDTH 4) In der Venezianer Ausgabe des Iad ha-Chasaka v. I. 5310 heisst es mn ntt pittD D"nNl, was mir nicht unwichtig scheint und mich in meiner hier ausgesprochenen Ansicht bestärkt. 5) Ebenso wenig wie das hebr. jtjö’i in Ps. 75. 9. und die Targumstelle prpm nssjdt npi^3 Ps. 12. 9.