Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 46 (12.11.1846)
- Date
- 1846-11-12
- Page
- Spalte 721-722 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Meraturblatt -es Orients. Berichte, Studien und Kritiken für Mische Geschichte und Literatur. M 46. Leipzig, den 12. November 184«. Inhalt. Studien. Salomo Jbn G'ebirol, als Philosoph bei den christlichen Theologen des Mittelalters berühmt. Von S. Munk in Paris. — Hebräische Gnomologen." Mitgetheilt von L. Dukes in Paris. Proben aus der Gnomologie. Schekel Ha-Kodesch von I o se f K i m 6) i. — Denkstein auf H. I Michael. Von M. Mendelsohn. — Kritiken. Kurze Anzeigen. Der gerichtliche Beweis von Frankel. Angezeigt von Dr. Landau in Dresden. — Ankündigungen. Salomo Jbn Gebirol, als Philosoph M den chnstlichm Theologen des ' Mitrclalrers berühmt. Die Geschichte der arabischen Philosophie beschließt Heinrich Ritter mit folgenden Worten (Gesch. der Philos. Th. VIII. S. 178): „Von den Arabern kam die Philosophie auch auf die Juden, unrer welchen im 12. Jahrhundert besonders Moses Maimonides einen großen Ruhm sich erwarb. Ueber die Geschichte dieser jüdischen Philosophie sind wir aber zu wenig unterrichtet, als daß wir ein entscheidendes Urtheil über sie uns anmaßen dürften. Von Kennern ihrer Literatur ist in neueren . Zeiten behauptet worden, daß eine selbstständige Philosophie in ihr nicht zu finden sei. Auch wüßten wir nichts anzugeben, was von daher ln die Untersuchungen der Theologen des 13. Jahrhunderts gekommen sein könnte." Das ist Alles, was Ritter über die Leistungen der Juden im Gebiete der Philosophie zu sagen weiß, und doch ließ sich von einem so gründlichen und gewissenhaften Forscher, wie Ritter, mehr erwarten. Es scheint uns, daß wenigstens ein Waimonides, dessen Führer der Verirrten in Buxtorfs lateinischer Übersetzung vorliegt, einige Aufmerksamkeit verdient hätte, und vielleicht hätte sich in dem Führer ebensoviel Selbstständiges heraussinden lassen, als in der Logica et philosophia Algazelis Arabis? in welcher Ritter, nach dem Beispiele Schmölders, so manches als dem Gazali angehörend hervorheben zu müssen glaubte, die aber nach Gazalis eignem Geständnisse — nur eine Uebersicht der arabisch-aristotelischen Lehren im Allgemeinen enthält, deren Grundlosigkeit in der vestiuctio pbilosupborum dargethan werden sollte, wie ich dies int Dictionnaire des Sciences philosophiques — Art. Gazali — gezeigt habe. Wie dem auch sei, so wird Ritter seine oben angeführte Behauptung zurücknehmen müssen, wenn wir ihm beweisen, daß er, ohne es zu wissen, gerade.einen Juden als den originellsten Denker der arabischen Periode hervorhebt, der uns eine Seite der aristotelischen Lehre zeige, welche sonst nirgends so deutlich heraustritt. Denn der räthselhafte.A vi ce bro n, wie Ritter sich ausdrückt (ib. S. 94), dessen Zeit noch nicht ausgemittelt ist, über dessen Namen sogar Zweifel herrschen und dessen Schrift, die Quelle des Lebens, von den Theologen des 13. Jahrhunderts fleißig gelesen wurde, ist kein anderer als der berühmte jüdische'Dichter und Philosoph Salomo Jbn G'e b i r o l aus Malaga, der in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts blühte. Schon der Umstand, daß bei den arabischen Schriftstellern nirgends ein Philosoph erwähnt wird, dessen Name die geringste Aehnlichkeit mit Avicebron darböte und das Stillschweigen, welches die arabischen Philosophen über die von Thomas von Aquino und Albert dem Großen angeführten Lehren des Avicebron beobachten, machen es höchst unwahrscheinlich, daß dieser ein Araber gewesen sei. Doch wollen wir keinesweges unsere Behauptung auf dieses argumentum a sileirtiu stützen; die strengsten, unwiderleglichsten Beweise sollen die Identität des Avicebron mit Ibn-G'ebirol darthun. Bekanntlich hat Jbn G'ebirol ein philosophisches Werk unter dem Titel mpE (die Quelle des Lebens) versaßt, welches leider nicht auf uns gekommen ist. Die Pariser Bibliothek besitzt aber Auszüge (Qiülpi?) dieses Werkes von Schem-Kob ben Palquera (cotL hebr. Nr. 239), welcher das -jipD auch in feinem More Ha-More mehrmals anführt. Die darin enthaltene Lehre stimmt auf's Genaueste mit der überein, welche Albert der Große in seiner Schrift' de eau- 8is et processu universitaiis (lib. I. tract« 1, cap. 5) 46