Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1846)
- Date
- 1846-10-29
- Page
- Seite 348 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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348 „eingewässert" sein muß, hat nicht einmal eine talmudische Begründung, da nach Chulin 113 ein einfaches Abwaschen genügt. §. 17. Es ist im Talmud keine Zeit vorgeschrieben, wie lange das Fleisch vor dem Kochen im Salze liegen soll, und hängt daher solches einzig und allein von den Ln dem Fleische enthaltenen Blutgefäßen ab. Z. 18» Daß man kein Fleisch Drei Lage ohne es eingewäffert zu haben aufbewahren dürfe, ist eine Erfindung der Geonim, und daher ohne Autorität» 8. 21 Es ist mosaisch ertaubt, Geflügel in Milch zu kochen, und das Verbot desselben nur lein rabbinisches, welches aber im talmudischen Zeitalter nicht an allen Orten angenommen wurde (wie z. B. in dem Orte wo R. Iosi Haglili wohnte; so wurde auch einmal dem TalmudLsten Lewi ein in Milch gekochter Fasan vorgestellt). §. 25. Es wird im Talmud nur als eine außerordentliche Frömmigkeit bezeichnet, einen gewissen Zeitraum zwischen dem Genuß der Fleisch- und Milchspeisen zu warten. (Fortsetzung folgt). Der Trödler im Ghetto. —-— rex eris, aiunt, Si recte facies« — —- Hör. Ep* 1, 1. 59. Siehst Du geschäftig dort den Juden Mit silberweißem Greiseshaar, Der ärmste Trödler in den Buden Des Ghetto, nun schon siebzig Jahr; Das Haupt gebeugt, die Mien' doch frei, Und rüstig noch und wohl erhalten; Gelitten hat er mancherlei, Doch ft)mit* ihm nichts den Muth verhalten. Schon in den frühen Jugendjahren, Gedrückt, verfolgt, verhöhnt, verspott't, Lernt er mit Fleiß Ergebung paaren, Vertrauen auf seiner Vater Gott. — Und frommer Glaub' und Lieb' dabei, In Worten weniger als T h a t e n, Hat er getragen mancherlei Und ausgestreut der Hoffnung Saaten. Gefreit hatt' er mit fünfzehn Jahren. Rebekka, eine fromme Maid, Mit ihr nach vollen fünfzig Jahren Der Liebe alten Bund erneut. Nur Tugend war ihr Heirathsgut, Ein Sterbekleid von gutem Linnen, Doch wußt' er stets mit gleichem Muth Sich Trost im Leben zu gewinnen. Gelehrt war er schon jung an Jahren In Gotteswort, in Wissenschaft,^ In allen Dingen wohlerfahren Gleich stark an Geist wie Willenskraft; Sein Umgang liebeswerth und fein Und sein Charakter sonder Gleichen; Doch könnt''er keines Amts sich freu'n, Verstand muß ja der Thorheit weichen! — Was höher hebet die Gemüther, Was gern man gönnt dem niedern ^Knecht, Was hehr denn alle Erdengüter: Des Menschen heil'ges Menschenrecht Entzog man ihm zu herbem Schmerz; Doch blieb er frei in allen Lagen, Ob's tief ihm auch verwund't das Herz, Er wußt' es ja mit Gott zu tragen. Mit Sorgenkämpfend und mit Kummer Hatt' er sechs Kinder zu erzieh'»; Fünf ruhten längst in ew'gem Schlummer Doch diese wie die Rosen blüh'n. Allein das Herz bricht ihm vor Harm, Zerstreut sind sie in Weltenweite Rebekka, ach, auf seinem Arm Ward ihm zu früh dem Tod zur Beute. Sie hatt' in vielen trüben Tagen Des Herben viel, manch Misgeschick, In treuer Lieb' mit ihm getragen Mit Gottergebung stets im Blick. Und er alljährlich zweimal nahm Des Jenseits heil'ge Erdenpfänder, Wenn Pessach und Jom Kippur kam: Legt' an er seine Sterbgewänder. — Und dünkte mit dem frohsten Muthe Sich überirdisch glücklich, reich, Begabt mit jedem Fürstengute „Sind so wir einst doch alle gleich! Mag Petrus auch am Himmel stehn, Den Eingang wehren Ketzerseelen, Wir werden dort doch Wiedersehn In Gleichheit aller Menschenseelen." „Ob dort noch ihre Brüder quälen, Die nimmer hier das Recht geliebt, Ob gleich und friedlich dort die Seelen, Wo ew'ges Recht Gewalt nicht übt? Das wißt ihr nicht? O seht nur her! Des Sultans Asche auf der Wage, Sie wiegt um keinen Skrupel mehr, Als niedern Bettlers Erdenplage". —- So wallet bis ans Lebensende Und gottergeben Israels Sohn, Getrost, daß einst das Jenseits spende Ersatz für niedern Menschenhohn. Jetzt schaut er hoffnungsvoll hinauf Mit frohem Muth schließt er die Bude, Vollendet hat den Erdenlauf, Emancipiret ist der Jude! — Kempen. Dr. I. H. Jacobson.