Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 43 (22.10.1846)
- Date
- 1846-10-22
- Page
- Spalte 673-674 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Berichte, Studien und Kritiken für Mische Geschichte und Literatur. 43. Leipzig, den 22. Oktober 184«. Inhalt. Kurz e Anzeigen. Predigt z. Feftfeier bei der Aufhebung d. Toleranzfteirer von Dr. Dreifuß. — Vocabularium zu den Psalmen v. I. Nathan. Vokabularium z. d. Pentateuch v. demselben. Angezeigt v. Dr. I. Fürst. — Studien. Literaturhift. Miscellen, mitgetheilt von L. Dukes. Die decisiven Halacha's der Geonim. Die Asharot der Israeliten in Cochrn. Der Dichter Dan. Bletios. — Nothwendige Hinzufügungen zu Leop. Löw's: „Schicksale und Bestrebungen der ungar. Juden". Von Rabb. M. Zipfer. Aktenstücke. (Forts.) — Der Messiasglaube und dessen Begründung inr Iudenthume. Von Dr. Rothschild. (Forts.) — Denkstein ju Ehren der Manen Markus Auspitz. — Ankündigungen. Kurze Anzeigen. 48) Predigt über die Festfeier zur Aufhebung der Toleranzsteuer. Vorgetragen in dem Tempel zu Groß-Kanischa am 7. des Monats Elul 5606 „(20. Aug. 1846), von Dr.Moses Dreifuß (Rabb.-Kand.). Varasdin,1846. 8. Hr. Dr. Dreifuß, unfern Lesern durch seine literarischen Analekten vorteilhaft bekannt, hat vollkommen recht, daß der Gedanke, die Aufhebung der Toleranzsteuer in allen Gemeinden Ungarns und der Nebenländer religiös zu feiern, ein schöner, erhabener und dem israelitischen Geiste entsprechender sei, und wir können noch hinzufügen, daß sein Vortrag dieser schönen Idee vollkommen angemessen ist. Die Befreiung von der Toleranztaxe ist das Früyroth der Freiheit von einer schmachvoller, Knechtschaft, welche schwer die bürgerliche und menschliche Ehre der Israeliten Ungarns drückte; mit diesem Frühroth eröffnet sich ihnen der Tag einer Heimath und die Aussicht auf eine bessere Zukunft. Erst jetzt treten die israel. Ungarn in die Reihe der Kinder des Vaterlandes, erst jetzt erblicken sie die Endschaft jener schmachvollen Zeit, welche die christliche Liebe zur Ironie gemacht, und ein solcher Moment verdient es in der That, daß er für die Israeliten Ungarns ein Ruf zur "Festfeier werde. Der Vortrag des Hrn.'Dr. Dreifuß, gegenwärtig funktionirender Predigerder Gemeinde zu Groß-Kanischa, ist von der hohen Bedeutung dieses historischen Moments eingegeben; er ist von allen seinen Beziehungen durchdrungen und in diesem Sinne zerfallt er in drei Theist, deren erste r das allma'lige Verschwinden der alten schmachvollen Zeit, deren zweiter den Gemeinsinn und das brüderliche Zusammenwirken der ungarischen Israeliten und endlich deren dritter die Erwartung , daß in Zukunft auch alle Spuren der scheidenden Bekenntnisse, so weit sie politischer Natur sind, verschwinden werden, behandelt. Hr. D. hat diese drei Punkte klar, lebhaft und in gemüthlicher Sprache durchgeführt, und wir freuen uns, ihn auch hier in würdiger Weise austreten zu sehen. Der Druck der hebr. Typen ist schlecht, auch die deutschen Typen sind nicht ganz gut. 49) Vokabularium zu den Psalmen und Morgengebeten' des Sabbat, für Schulen und zum Privatgebrauch bearbeitet von Joel Nathan (isr. Lehrer zu Danzig). Danzig, 1846, 8. F. A. Weber. 50) Vokabulariumzum Pentareuch (min), nebst Biegungstabellen für hebräische Substantivs und Verba. Danzig, 1846. 8. ' In jüdischen Schulen wird jetzt der Unterricht im Hebräischen sehr vernachlässigt; es ist die allgemeine Klage, wenn man von dem Risse im Judenthume der Neuzeit spricht, da der Riß nur die Wirkung jener Ursache ist; aber nur Wenige nehmen' sich die Mühe, den Grund der Vernachlässigung aufzusuchen und „och Wenigere haben Muth und Befähigung, diesem Uebel entgegenzuwirken. Wohl hört man Manche sagen, die religiöse Gleichgiltigkeit der Eltern, ihre Sucht und Modekrankheit, in der Unkunde des Hebräischen als aufgeklärt und deutsch gebildet zu erscheinen, trage ganz allein die Schuld; wohl sagen gar manche Ueberläufer, Talmudschächter, Iudenthrimsverfolger, Religionenmacher, Reformfabrikanten und Bäffchentrager, daß die Verbannung des Hebräischen aus unsera Schulen und die dadurch bewirkte Entjudung ein großer Fortschritt sei, um desto leichter der Weltbestimmung, ohne Religion zu leben , näher rücken zu zu können. Indeß muß doch jeder Redliche bei einigem Nachdenken gestehen, daß, weder die Eltern die Schuld tragen, noch dies ein Fortschritt ist» Ohne Kenntniß der hebräischen Sprache, welche als dieTrägerin des ganzen jüdischen religiösen 43