Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1846)
- Date
- 1846-09-24
- Page
- Seite 308 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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— 308 - nehmen, und das so schön begonnene Werk mit einer vollständigen Gleichstellung krönen werden. Die trostreichen Hoffnungen, die Se. Maj. der hochselige Kaiser Franz in dem Patente vom 3. Aug. 1797 uns gegeben, daß es das Streben der Regierung sei, „daß die Gesetzgebung den Unterschied den sie bisher zwischen den christlichen und , jüdischen Unterthanen zu beobachten genöthigt war, endlich ganz aufzuheben in Stand gesetzt werde", unfern vielgeliebten Herrscher seinen: Sohne und den Erben seiner Tugenden blieb und bleibt es Vorbehalten, sie Ln Erfüllung gehen zu lassen. Uns aber liegt es nun ob)' uns fester an das theure Vaterland und das erlauchte Kaiserhaus, das uns aus Sklaven zu Freien macht anzuschließen, ihm mit aller Liebe und Treue anzuhängen und uns der Wohlthaten die wir crfahren, würdig zu zeigen. Dieser gesegnete Tag sollte aber auch noch andern segensvolle Früchte tragen. Wir zählen so viele tüchtige, wohlthätige und edle Männer in unserer Gemeinde, einen v. Lämel, Dornitzer., Epstein,' T an - ßig, F i sch e l u. a. m.; mögen sie zusammenireten, um auch in anderer Hinsicht für das Wohl dieser Gemeinde thätig zu sein. Vielleicht daß sie zum Andenken an diese Befreiung von einem schmählichen Leibzolle, -einen Verein stiften zur Beförderung der Handwerke unter uns, da dem jüdischen Handwerker von allen Seiten Hemmnisse in den Weg treten, und er mit Chikanen aller Art, von seiner Lehrzeit au bis zu dem Zeitpunkte wo er sein Meisterrecht erlangen soll und oft noch darüber hinaus zu kämpfen hat. Denn die Noth und Verarmung nimmt täglich überhand, der Handel, der Hauptnahrungöquell, auf den der Jude bisher angewiesen war, wird durch christliche Konkurrenz immer mehr und mehr verengt, die meisten übrigen Lebcnsberufe sind uns mehr oder minder versperrt, das Handwerk ist daher der einzige Nahrungszweig, den der mittellose jüdische Städter, der natürlich auch den Ackerbau, nicht betreiben kann, vor sich sieht. Nun kommen aber, außer den bereits erwähnten Hindernissen , von Seiten seiner neidischen christlichen Mitbürger, auch noch von Staatswegen Ausnahmsgesetze, die ihm'sein Gewerbe verleiden, erschweren und oft ganz unmöglich machen. Statt den jüdischen Handwerker, der sich den so oft geschmähten Kleinhandel entzieht um durch eine redliche Thätigkeit seine Existenz zu sichern, aufzumuntern, und durch zu gewährende Vortheile anzuspornen, geschieht grade alles um ihn davon abzuschrecken und wieder dem Trödel und dem Schacher zuzuführen. Doch sind wir durch die eben uns gewordene Gnade fest überzeugt, daß unsere Regierung gewiß nun nicht anstehen wird, die von ihr herrnhrcnden Beschränkungen hinwegzuräumen, sobald ihr die Sache im rechten Lichte vorgestellt wird. Weit mehr Anstrengung erfordert cs jedoch, die Schwierigkeiten, die misgünstiger Krämerneid und engherziger Zunftgeist der jüdischen Gewerbsthätigkeit entgegenstellen, zu überwinden, und solche gegen die störenden Umtriebe jener Faktion zu schützen und sicher zu stellen. Und dies soll, neben der pekuniären Unterstützung der sich dem Gewerbe widmenden Inden, die Aufgabe jenes Vereines sein. War es doch von jeher jüdische Sitte, die Monumente unserer Freude und unstrer Dankbarkeit nicht in eitlem Gepränge und todten Gestein, sondern in lebenden wohlthätigen Instituten der Nachwelt zu überliefern; hoffen wir daher, daß auch hier ein nutzenbrittgendes, segensreiches Denkmal, den Moment verewige, an dem die hundertjährige Schmach von uns hinweggewälzt wurde, und' „ des Sängers Lied " an dem Throne unseresKaisers Beherzigung und Befriedigung gefunden. , 7 i: H. S t tn oit. Pr Kg, 1. Aug . ' Die Art und Weise , wie die reformistisch gesinnten jüdischen Journale und deren Korrespondenten , jedes und wenn auch. das unbedeutendste Ereignis), zu ihren Gunsten nicht nur zu vergrößern, sondern auch nöthigeufalls umzudeuten und zu verdrehen sich erlauben, wird nachgerade eine stationäre Rubrik ,/Reformlügen" nothwcndig machen, in der dieß eben so lächerliche als schändliche Getriebe, mit Beharrlichkeit und Ausdauer, so oft es ans Tageslicht kommt und die öffentliche Meinung beirren will., jedesmal enthüllt und den Augen der Welt bloögelegt wird. Wir sagen, es gehört zu diestr Arbeit Beharrlichkeit und Ausdauer, denn das Lügenrad dieser Zeitwagen, das Woche für Woche vom Pulte der Redakteure den Berg des Journalismus herunterrollt, aufs Neue immerfort zurückzuschieben, dazu gehört mehr Unermüdlichkeit als Sisyphus je besessen. Aber die Anstrengung wurde zum Unterschiede auch nichts weniger als vergeblich sein, und wer im Dienste der Wahrheit diese Mühe übernehmen möchte, würde solche gewiß von dem schönsten Erfolge gekrönt sehen. Uns selbst gebricht es zwar an Zeit und Kraft, als ein steter Pharus, die Untiefen und Sandbänke der Reform berichte auf der Wasserstraße des jüdischen Journalismus zu beleuchten; doch werden wir da , wo dieselbe in der Nähe unserer Küste sich zeigen, fortfähren, wie wir es schonoft gethan, von Zeit zu Zeit als Feuerzeichen einige warnende Raketen anfsteigen zu lassen. In letzter Zeit hat sich un§ wieder eine solche Gelegenheit dargeboten. > Mit welchem Jubel wurde nicht in die Posaune der Fama-gestoßen und die freudige Kunde in Hochtönenden Phrasen verbreitet, daß die Standarte der Reform, auch in den friedlichen HauS unseres Landes, und zwar in der T......r Gemeinde aufgepflanzt worden sei. . (Schluß folgt.) Verlag von C. L. Fritz sch e. Druck von I. H. Nagel.