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Der Orient · 1846-09-17 · Heft 38 (17.9.1846) · p. Seite 300

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 38 (17.9.1846)
Date
1846-09-17
Page
Seite 300 (sequence 15)
Language
German
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mäßeres an dessen Stelle treten; allem dazu durfte es bei den Meisten noch zu früh sein , rrnd so hält es unser Rabbiner für besser, vor der Hand die gegenwärtige bestehende Ordnung in der Gemeinde zu erhalten, als durch einen voreiligen Sprung die Sache statt zu verbessern, sie zu verschlimmern. Ist dieFrucht einmal zeitig, sten bestimmen, als: „Du sollst nicht als Verlaumder herumgehen unter deinem Volke re„ Keine Wittwe und Waise sollst du kranken" - du sollst kein fälschliches Gericht ausbreiten, du sollst deine Hand nicht bieten dem Frevler re." „Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen, du sollst dich nicht rächen re.„Du sollst kein Unrecht thun im Gericht z du sollst keine Bestechung nehmen z mit Gerechtigkeit sollst du richten deinen Nebenmenschen". Du sollst nicht begehren irgend Etwas, was da ist deines Nächsten." rc. rc., sich ganz hinwegsetzt als wären sie ein Produkt heidnischer Völker, als wären sie unserm Charakter widersprechend, unserm Denk- und Empfindungsvermögen fremd. — so denkt sich vielleicht unser Hr. Rabbiner, daun bedarf es weder Des starken Schüttelns noch der Leiter; ein schwaches Berühren am Baume, -— und die Frucht fällt von selbst und haufenweise auf die Erde. —- So viel von unserm Synagogenwesen. Von unfern Schul- und Erziehungsanstalten werde ich den Lesern in meinen: nächsten Berichte ein treues Bild geben. Zum Schlüsse kann ich nicht umhin, den Lesern von einer Erscheinung Nachricht zu geben. Ich meine nämlich die Erscheinung einer drei Bogen starken Broschüre von unserm Hrn. Rabbiner, enthaltend die Lösung dreier (Perm, Sabbat und Doppelfeier von den der Breslauer R.-V. zur Ausarbeitung vorgelegten) Problemen. Ich habe das Mskt. gesehen und werde, so bald es die Presse verlassen haben wird, Ihnen ein Exemplar zur Beurtheilnng zusenden. L. S. j~ ~ ” Nachruf! Am 17. August erlitt unsere Gemeinde einen herben, für lange Zeit unersetzlichen Verlust durch den Tod des Kaufmanns, Herrn S. P. Cohn, seit 9 Jahren Präses der Unterzeichneten Nepräsentanten-Versammlung. Eine, von scheugewordenen Pferden ihm beigebrachte Verletzung der innen: Gefäße des Unterleibes machten seinem thätigen Leben im. 41. Jahre ein frühes Ende, welches um so tiefer empfunden werden mußte, als die schönsten Tugenden des Herzens und eine vorzügliche Klarheit des Verstandes in der schlichten, anspruchslosen Persönlichkeit des Verewigten zu einer setteneu Harmonie vereinigt waren. Unerschütterliche Rechtlichkeit, hohe Uueigennützigkeit und wahrhafte, stets dienstfertige Menschenliebe gegen Jedermann leiteten alle seine Handlungen im häuslichen, wie im amtlichen Leben, und erwarben ihm bei allen Ständen der .verschiedenen Konfessionen der Stadt und Umgegend eine Achtung und Liebe, wie sie nur der ungekünstelten, allgemein anerkannten Tugend und Gesinnungstüchtigkeit gezollt werden können. In welchem hohen Grade diese ihm eigen waren, zeigte sich besonders auf seiuem Krankenlager und in seine,: letzten Stunden. Mit vollem Betvußtsein bis zun: letzten Odemzuge erwartete er diesen mit .der bewunderungswürdigsten Ruhe und Ergebenheit in den Willen Gottes. Keine Miene entstellte sein verklärtes Gesicht, kein Seufzer entfuhr seiner gepreßten Brust, die furchtbaren Schmerzen des Todeskampfts vermochten nichts über die Stärke seines Geistes, sein, sonst oft bewährter Scharfblick schien mit Wohlgefallen die Grenzen des Jenseits zu überschreiten, und wer ihn so scheide,: sah, mußte in der Tiefe seines Herzens flehen : TOD. TnriN rPD mn. Sem Tod verbreitete auch bei Andersglaubenden eine .so ungehenchelte Trauer., das; er gewissermaaßcn ein ttrpp genannt werden kann. Der Vorsteher der Stadtverordneten, zu welchen der Verstorbene gehört hatte, forderte durch ein Cirknlar in dem sich die ehrendsten Gefühle lebhaft aussprachen, sämmtliche Mitglieder zur Theilnahme am Leichen- , begängnisse auf. Alle folgten der Einladung, und im zahlreichen, freiwilligen Gefolge, den: auch der Magistrat sich anschtoß, blieb kein Herz ungerührt, kein Auge trocken. — Um den Dahingeschiedenen weinen eine Witwe mit fünf unmündigen Kindern und eine 80jährige Mutter, die erinnigst verehrte; um ihn jammern Verwandte und Freunde, die in seinem, stets heitern Umgänge Erholung und Rath fanden; um ihn trauern endlich viele^Arme, denen er seinen stille,: Beistand nie versagte. — Und auch den Unterzeichneten Amtsgenossen, die sein redliches Streben und seine Ordnungsliebe, stets anerkennen! mußten, wird sein Andenken unvergeßlich bleiben, und hoffentlich auch segensreich nachwirken. 1 Schwerin a. W., in: August 1846. 1 Die Derwaltungs - Beamten und Neprasentanten der jüdischen Korporation.

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