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Der Orient · 1846-09-03 · 36 (3.9.1846) · p. Spalte 573-574

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1846
Issue
36 (3.9.1846)
Date
1846-09-03
Page
Spalte 573-574 (sequence 7)
Language
German
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573 Kritiken. Versuche eines Scheintodten. 574 Nie beut sich meinen Blicken Ein ander Bild je dar; Ich seh mein Volk bedrücken, Zerstoßen ganz und gar! Nie weicht von meinem Stamme Des Herzens tiefstes Weh, Stets Nahrung hat die Flamme : Ich seh' -- Auto da Fe Sieh', wie die Flamme praffelt, Mit gier'ger Zunge leckt; > Horch', wie die Kette raffelt, ' Und nirgends Mitleid weckt —; Doch — nicht vermögen Worte Zu schildern meine Qual! Für mich an jedem Orte Giebt's Leiden ohne Zahl» Und weg kann ich nicht wenden Den Blick von dieser Welt, Da, ach! aus meinen Händen, Die Harfe mir entfällt. Sie, die, sonst Schmerzen stillend, Zu meinem Leid getönt, Kreischt jetzt so grausig schrillend, - Durch Mark und Bein es dröhnt. Und von dem schaur'gen Klingen Erwach' ich dann mit Hast, Will'mich dem Traum entringen Der mich so schwer erfaßt; Doch er vom mir nicht weichet, Vergehet nicht wie Schaum, Auch wach die Wang' erbleichet: Denn Wahrheit ist mein Traum. . Die Leier ist zersprungen, Nie tönet, sie mehr, rein! Mas ich seitdem, gesungen, . Stets mischt sich Mißton drein. Doch wollet ja nicht wähnen, Er wäre Euch zum Hohn — O nein! nur'Leid und Thränen Und Schmerz hat Juda'ö Sohn. — Die „Rabbi-Bilder" sind Bearbeitung talmudischer Erzählungen und enthalten eilf Stücke. — „Lemech", biblische Scene nach talmudischen Sagen bearbeitet. — Proben aus: Federzeichnungen, aus der Reisemappe eines jüdischen Schlesiers. Folgendes Gedicht giebt eine Probe von der Gesinnung des Dichters. An der Grenze. (1832.) „Herr! ist's gefällig auszusteigen? Ich dank'; mir ist's gefällig' nicht. „So wollen Sie den Paß mir zeigen, „Dies fordert meine Dienstespflicht." Ich, gebe ihm den Paß zu. lesen, Der Herr Einnehmer lang studirt, Drauf rufet er mit barschem Wesen: „Heraus! den Wagen visitirt!" Und schnell umgeben meinen Wagen Kosaken; fünf, sechs, sieben, acht! Ich muß es zu sehn und ertragen Wie mancher lange Finger macht: Sie suchen emsig, zum Erblinden, . Doch wird nichts Strafbares entdeckt; Jetzt.schlich jede Hand sich runden Und jedem wird Was zugesteckt. „Na, Kutscher, jetzt treib' an die Gäule! „Vor diesen Leuten hat man Ruh." ' Da kommt in allerschnellster Eile Der Herr Einnehmer auf mich zu. „Sie muffen etwas noch gedulden; „Nur eine kleine Weile Zeit! „Sie zahlen fünfzehn potn'sche Gulden „Für vierzehntägiges Geleit". „Oie Sache ist zwar ziemlich theuer, „Doch bin zu zahlen ich bereit; „Die Gegend ist wohl nicht geheuer? „Wie viel denn geben mir's Geleut?" „Wie Sie sich alles schön ausmalen!" Lacht der Einnehmer recht mit Hohn — „Sie wissen nicht warum Sie zahlen? „Weil Sie mosai'scher Religion! " * Da fängt mein Blut an heiß zu wallen, Und schnell erwacht der ruh'nde Groll: „Ja, wahrlich! dies kann mir gefallen, „Nur sollt' es heißen: Eingangszoll! „So wollt' den Juden Ihr entehren? „Hinab ihn stoßen bis zum Vieh? „He Kutscher! ich will schnell umkehren, „Nein! solch' ein Land betret' ich nie!" „Jetzt sag' ich still! genug, der Worte! „Ich habe-schon zu viel gehört! „Sie kommen sonst durch eine Pforte, „Wo mamso schnell zurück nicht kehrt."' „Nicht fürcht' ich/Eure» Sklavenbande, „Verlache Eu'r vergeblich Drohn; „Roch' bin ich nah dem Vaterlande,- „Dem ich nicht Knecht bin, sondern-Sohn." Der Kutscher schnell den Wagen wendet; Ich bin im Vaterland, o Glück! Die Reise ist zwar schnell geendet, Doch — kehre leichter ich zurück. Nicht will ich jenes Land mehr schauen Bis meine Brüder frei man spricht; Doch hege fest ich das Vertrauen Zum Rächer: Lange währt es nicht! — Übersetzungen aus dem Hebräischen, unter denen „der Sturm" von Iehuda Ha-Lewi am gelungensten ist. — Proben aus: Biblische Bilder für die Jugend. Zart und sinnig. — Es ist zugleich erfreulich, daß ein junger jüdischer Buchhändler die poetische Literatur bereichert und das Wehe Hilfsbedürftiger zu lindern sucht. Dem Buche wünschen wir wohl viele Käufer, damit dieUneigennütziakeit des Verlegers— der Druck- und Papierkosten trägt — nicht erfolglos bleibe, und den Verleger möchten wir auch bei andern fröhlichern Veranlassungen rn den Kreis jüdischer Dichter treten sehen. Fürunsere Zeit und unsere Jugend sind poetische Bearbeitungen der jüdischen Vergangenheit, Sage, Sitte und Gefühle von sehr wohlthätiger Wirkung und das jüdische Publikum sollte solchen Bestrebungen mehr Unterstützung angedeihen taffen. Was die spanischen Dichter in hebräischer, singen wir in deutscher Zunge.

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