Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1846)
- Date
- 1846-08-27
- Page
- Seite 276 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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276 Denn selbst das erste Gebotwodurch der Herr sich als ein einziger Gott, und kein Wesen gleiche feinem Wesen, dargiebr', ist ein Begriff doch wahrlich zu" dem die Vernunft gelangen könne und gelangte. Indem ja, wie sich der Lebens- Verhältniß-Gang und die Geistes-Ausbildung des Menschen entwickelte, wie sich dieser Bildungsgang dargelegt, in dem von mir bereits 1828 herausgegebenen Werke'> sowohl, als am Ausführlichsten in dem von mir herauszugebenden angekündigten* **)') findet, auch so den Verehrungs- und Anbetungsdienst ausbildete. Und zwar für den Stand der Geistesbildung des Menschen in seiner Kindheit, so zu bezeichnen, diente der Gesiirnen-Dienst, welcher mit wachsender Geistesbildung, dem ersten Austritt aus dem Paradieseszustande, wo der Mensch dem Iägerstande zugesührt worden, zuerst dem Pflanzendicnste, und bei längeren Beharren in diesem Verhältnißstande, das Gewöhnen an Fleischnahrung, und Bekleiden mit Thierhauten, endlich dem Dienste der wildesten Thiere Platz machte, und der hinwiederum, als durch Ungemach, Drangsale und Elend der Mensch den Iägerstand, die Knabenschaft seiner Bildung mit dem Hirtenstande, der Iugendschast der Bildung, vertauschen mußte, durch den Thierdienst der bezähmbaren sogenannten Haussiere verdrängt ward. Und während nun eben jene vorher bezeichnte Ursachen, Drangsale, Ungemache, und das Elend der grauenvollsten Art zuerst den Menschen aus dem Jünglingsstande seiner Bildung, aus dem Hirtenstande in den zum Manne reifenden Stand der Bildung, dem Nomadenstand zu treten, und endlich, als Elend und Ungemach der höchsten Art, Noth, Hunger und Tod durch seine Nebenmenschen sowohl, als durch Thiere bewirkt, die Menschen zerfleischten, den Menschen den Mannsstand der Bildung, die höchste Stufe der Kultur zu erklimmen nöthigten, nämlich die Erde zu zwingen, das, was sie früher ungezwungen gab, jetzt gezwungen zu geben, indem der Mensch die Erde bearbeitete, also Ackerbauender wurde, wechselten seine Verehrungs- und Anbetungs-Dienste, indem bald Gestirn-, bald Pflanzen-, bald Thier-Dienst, bald ein aus diesen Verehrungsdiensten gemischter Anbetungsdienst statt hatte. ■ Dieser aber hier eben angegebene Gang des Verehrungs¬ und Anbetungsdienstes der Menschen war nur von so langem Bestände, so lange nur ihre Nahrung noch höchst kärglich war, sie sich auch noch Alles selbst beschaffen mußten; daher Sor¬ *) Lindenstein, D. H. van, „Ueber die Verirrungen des Menschen", oder „über den Begriff des Verbrechens" rc. 8 brosch. (1828). 2 Thlr. 10 Ngr. **) Desselben Vers. „Ueber den beizumeffenden fremden Einfluß der Religionen auf des Menschen Geistes-Entwickelung rc." gr. 8. (Heftweise 4 bis 5 Bogen auf Subskription) 6 Hefte ä 74 Sgr. Welches Beides bei mir sowohl, als in allen guten Buchhandlungen zu beziehen, und zu zeichnen ist, und können vorläufig zu den üblichen buchhandlerischen Bedingungen das herausgegebene Werk die Buchhandlungen nur direkt beziehen. gen und Drangsale sie daniederbeugten. Als aber'mehrere Elende, Hülfsbedürftige sich, für die selbst nur spärlich ihnen zu gewährende Kost und Lagerstätte, bei den Arbeiten, dafür Hülfe zu leisten erboten, auch den Reichern der Lohn ihrer Arbeiten nicht ausblieb, sondern reichlich die Nahrungsstoffe ihnen zuwuchsen, die Heerden sich mehrten, da erwuchs auch stets in üppigerer, wuchernder Fülle ihr angeborner Hang zum Müßiggänge, diesem Erzeuger aller Laster, und mit diesem Erwachsen trat auch in dem Verehrungsdienste der Menschen eine Veränderung ein. Denn durch die, den Acker bauenden Menschen. freiwillig Hülfe und Dienste Leistende ward, wie bereits bemerkt, ihnen nicht allein Erleichterung in der Arbeit verschafft, sondern diese Hülfeleistendem,übernahmen öfters die 'ganze Arbeit, wodurch also immer mehr ihnen Muße wurde. Und was war wohl natürlich nun, als daß diese Menschen immermehr sich Erleichterung ihrer Arbeit zu verschaffen suchten; dadurch aber auch allmälig der Wunsch nach Bequemlichkeiten erkeimte, endlich die Muße, hie ihm ward, sie dahin brachte der freiwillig Hülfe-, und Dienste- Leistenden alle Arbeit, alle Mühe, und alle Sorge aufzubürden. Wald, aber folgte, diesem Wunsche nach Bequemlichkeit, der Hang nach Vergnügung, nach Belustigung, und endlich der nach Auszeichnung. Dieser Letztere brachte mm das furchtbare Ungeheuer den Standesunterschied hervor, der später, wie dies, in den angeführten Werken gezeigt ist, in die Sclaverei sich verwandelte. Während aber nun auf solche Weise wie hier, nur angedeutet werden konnte, an dem angeführten Orte aber ausführlich nachgewiesen worden, — sich die Verhältnisse der Culturbildung der Menschen gestalteten, veränderte sich auch ihr Anbetungsdienst, und zwar zuerst dahin, daß sich die Reichen und Wohlhabenderen als Günstlinge ihrer Anbetüngswesen ansahen, aber als Solche nicht allein, sondern als Auserwahlte, als Bessere vor den Aermern, Bevorzugte angesehen zu werden erzwangen. (Beschluß folgt.) Personalchronik und MiSeelle». Wien. Der bekannte Dr, Lilienthal, der gegenwärtig einer kleinen baierschen Gemeinde in Vew-Vorkfl— es giebt 9 dergleichenGemeinden dort — dort als Religionslehrer fungirt, hat sich hierher an den Komponisten des Schir Zijan gewandt, um mit seinem Rathe dort einen modernen Gottesdienst einzurichten. Wie ich höre, ist dem Schreiber kein großes Zutrauen geschenkt worden, da man weiß, daß seine Stelle, nur bei einem sehr kleinen Theil, der Gemeinde Ansehen hat.