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Der Orient · 1846-08-20 · Heft 34 (20.8.1846) · p. Seite 268

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 34 (20.8.1846)
Date
1846-08-20
Page
Seite 268 (sequence 15)
Language
German
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Führer jenes Kravalls eingczogen, um so für die Zukunft von Nachfolge abzuschrecken. Weder Parma noch Toskana wurden seither veranlaßt, auf ähnliche Weise einzuschreiten; die Zahl ihrer jüdischen Unterthanen ist zu gering und — zu wenig beachtet, überdies der Italiener im Grunde zu gleichgiltig gegen derlei Unterschiede (es sei denn, er würde von einer gewissen Seite aufgehetzt), als daß Auftritte dieser Art Vorkommen könnten. Es leben vielmehr die Juden in diesen Staaten ruhig unter den übrigen Bewohnern, mit denen sie in geselliger Hinsicht auch weit mehr harmoniren als die übrigen Juden Oberitatiens. Ganz anders verhält es sich mit den Juden Sardiniens, Modenas und des Kirchenstaates, wo noch die volle Verachtung des Mittelalters auf denselben lastet. Weil Rom hier den Reigen anführt, sprechen wir auch von ihm, dem Statthalter Christi auf Erden, zuerst. (Beschluß folgt.) Das Gottesgericht. Es hat ein König einen Weinberg steh'n, D'rin blühen Früchte herrlich anzuseh'n; Und daß da Alles recht behütet sei, Bestellt er sorgsam sich der Wächter zwei, Und spricht: „Bewahret mir des Gartens Pracht, ^,Jch komm einst wieder —nehmt euch wohl in Acht!" — Fürwahr! die Wächter treu und ehrlich sind — Es war der Eine lahm, der Andere blind; — Sie sitzen in dem Weinberg lange Zeit, Verrichten ihren Dienst mit Emsigkeit, Nicht rühren sie die schönen Früchte an, Auch waget nimmer sich ein Dieb heran! — Doch einst der Lahme zu dem Blinden spricht: „Welch schöne Trauben schaut mein Auge nicht!" Bald ruft der Blinde: „Eile hin und holl, Das wäre Hochgenuß — Erquickung wohl!" — Daraus klagt der Lahme: „Ja, ich kann nicht geh'n" — Der Blinde seufzet: „Achs ich kann nicht — Und' lang' der Eine seufzt, der And're klagt, Bis endlich es in ihrem Geiste ragt: „Zu schwach ist Jeder nur für sich allein, - Zusammen werden wir ein Ganzes sein" — Nun, wissen sie, was da geschehen muß, Und bald auch ist vollzogen der Entschluß. — Es trägt der Blinde rasch den Lahmen fort, Und dieser zeiget schnell den rechten Ort, . SopflückensiedieschönstenFrüchteab — Verlag von C. ü. F ritz sich e. Daß sich das Herz erquick', oie Seele lab' — < Undals sie zur Genüge sich geletzt, Hat Jeder sich auf feintn Platz gesetzt. — Der König einst nach langer, langer Frist Gekommen in-den Lieblingsgarten ist, Und ruft — die Blicke Zornesflammen sprüh'n : „Sagt an, wo sind die schönen Trauben hin?" — Der Lahme klagt: „O König! kann ich geh'n?" — Der Blinde seufzt: „Ach König! kann ich seh'n?" — Der König aber den Befehl ertheilt, Der Lahme auf des Blinden Schulter eilt, Und als sie ein paar schritte nur vollbracht, Da ruft er: „Seht, ja, so habt ihr's gemacht; „Die schönen Früchte grifft ihr selber an — „Drum büßet nun — es rückt die Straf' heran!" — So Gott dereinst beim ewigen Gericht: „Du hast gesündigt"! zu der Seele spricht, Entgegnet sie: „Bedenk', o Herr der Welt! „Nicht ich — der Leib nur an der Sünde halt; „Denn seit er mich verließ, und stieg zur Gruft, „Schweb' ich so rein, wie Vogel in der Luft — Dann wieder rufet Gott dem Leibe zu: „Wohlan! warum denn hast gesündigt du?" — Der spricht darauf: „Ach, Herr der Wetten! nein! „Nicht ich — es sündigt nur die Seel' allein; „Denn seit sie fort, und sich getrennt von mir, „Lieg' leblos ich und ohne Sünden hier". —'‘ Und was thut Gott? — Er bringt'sie in Verein, Und haucht dem Leib' die Seel' noch einmal ein; Vom Himmel wieder steigt der Geist herab, Der Körper hebt sich aus dem Erdengrab — Und jetzt geht Gott mit Beiden in's Gericht: — Der sünd'ge Mensch vergesse deren nicht! — (Wajikr. rabb. Parasch. 4.) Der tägliche Gast. So oft die Schulzeit aus, — Und Hillel ging nach Haus, — Empfahl er bei den Schülern sich, ' Und sprach: „Ein Gast erwartet mich". — „Wie kommt es, daß du hast — Tagtäglich einen Gast?" — Also die Schüler einst gefragt; Ist unser Seelenlicht — ein Gast im Körper nicht? - Wohl ist's am heut'gen Tage mein; — Wer weiß — wo es wird — morgen sein? — (Wajikr. rabb. Parasch. 34.) Druck von 2. H. Nagel.

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