Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1846-07-23 · Heft 30 (23.7.1846) · p. Seite 236

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 30 (23.7.1846)
Date
1846-07-23
Page
Seite 236 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2360092-2360418-2360449--5528-3532411
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

236 fi« auch vom Atter ganz abstrühiren, obwohl wir eingestehen Müssen, daß dasselbe für die jüngere Generation, in Hinsicht der Verrichtung solcher Arbeiten, wozu gleichsam mehr der Müssiggang oder höchstens eine momentane Anstrengung erforderlich ist, — von wesentlichem Werth und Nutzen sein würde. — Wer sich Ln sogenannte Bauernwirthschaften um- . gesehen, der weiß auch, daß in Ermangelung der Ausgedingsyersonen Knaben und Mädchen , an die Stelle derselben, zu allerlei Verrichtungen von Arbeiten, die minder erschwert und wichtig sind, wenn nämlich die eignen Kinder nicht hierzu benutzt werden können oder sollen — gcmiethet werden müssen, die aber für jüdische Eolonisten eines Lheils schwer zu beschaffen sein werden; — denn welche christliche Familie, röenn sie auch zu den ärmern Familien eines unweitliegendcn Dorfes gehört, wird, ohne einen in Augen springenden materiellen Nutzen, ihre Kinder einem Juden überlassen? — Wir dürfen uns hierbei über das mit der Muttermilch eingesogene Vorurtheil des ungebildeten Christen gegen den Juden nicht täuschen; — und andern Lheils, wie schon nachgewiesen, zu kostspielig fein dürften. Diese durch jüdische Kinder vorweg zu ersetzen, wäre schon deswegen unrattzsam, weil 'sie nicht in solchem Grade von vorn herein für die 'Landwirthschaft brauchbar sein können, als die auf dem Lande geborenen und erzogenenzur Arbeit herangewohnten, robusten christlichen Kinder. Auch ist die Landwirtschaft zu mannigfach, viel zu nüancirt, und in sich durch verschiedene unumgängliche Verrichtungen viel zu verzweigt, sie beruht viel zu sehr auf praktischem Wissen und mehrjähriger Erfahrung, als daß einem selbst hierin unerfahrnen Familienvater zugemuthet werden könnte, seinen schwächlichen, in landwirthschaftlicher Beziehung -unbeholfenen Kindern Gegenstände anzuvertrauen, welche handzuhaben sie nicht verstehen und die Kräfte erheischen, 'zu denen die ihrigen lange nicht ausreichen. — Die zartere Jugend also, wie das Atter im höhern Grade ist, wie nachgewiesen, für eine Ackerbau-Colonisation vorweg fast unbrauchbar. Wir haben uns demzufolge lediglich an Familien -von dreißig bis höchstens fünfundfünfzig Jahren zu! 'halten. Jeder Familie wird ein dismembrirtes Stück Landes,'! eine Parzelle aus so und so vielen Morgen bestehenden Bo- : den zur Bearbeitung übergeben, ein neugebautes ziemlich geräumiges Häuschen eingeraumt, eine Scheune nebst Zubehör, das nothkge Zugvieh und Kühe, Ackergeräthe re. ausgeliefert,, und ein Knecht und eine Magd entweder zur Disposition gestellt, oder von der Familie gemiethet« Die Wirtschaft ist 'eine gut eingerichtete -und vollständige und — es kann begonnen werden. (Beschluß folgt.) Personalchrvnrk und Miseellen. H a n n o v er. Das Ministerium bewilligte 800 Lhlr« zu dem neu einzurichtenden jüdischen Lehrer-Seminar, und die Unterschriften zu jährlichen Beiträgen haben einen erfreulichen Fortgang. — In der Emancipationsfrage ist das Resultat der langen Debatten gewesen: „Unter Uebersendung der Petitionen die königl. Regierung zu ersuchen, die Wünsche und Anträge der Bittsteller in nähere Erwägung nehmen, auch die erforderlichen Gesetzesvorlagen, unter Berücksichtigung der frühern Verhandlungen, baldthunlichst an Stände gelangen lassen zu wollen." — * * Breslau. Die Zahl der Studirenden beträgt hier gegenwärtig 749 und unter diesen sind 84 Juden. Galizien. Jetzt ist den Juden in ganz Galizien das Pachten von Adclsgütern oder überhaupt größerer Grundstücke gestattet', und sehr viele sind bereits dergleichen Pachtungen eingegangen. Die Juden haben nicht darum nachgesucht, wohl aber die Edelleute, da sie sich noch nicht trauen, ihre Güter selbst zu bewirthschaften. Es mußte, erst also eine Adelsmetzelei kommen, um den Juden eine Spanne Recht zuzumesscn! Aber auch das-wird nichts helfen; der Grundbesitz muß ganz frei sein. Lemberg» Fast ein Fünftel des AdelZ Galiziens brsm, det sich hier, da sie auf ihren Gütern sich nicht sicher glauben. Auf vielen Punkten müssen die Bauern durch Soldaten gezwungen werden das Getraide abzumähen» Die Noth des Adels ist groß und die Verluste der Juden bei dem Aufstande, da sie ihr ganzes Geld beim Adel batten, beträchtlich. Manche Geschäftshäuser sind ganz ruinirr. Der Edelmann ist nun ganz rathlos, da er jetzt gar kein Geld mehr auftrei- . den kann. M' Dari 5. Cremieux reist nach Syrien. Wie es heißt wird er für jüdische Schulen dort etwas thun. Ungarn. Hier hat sich ein „Verein zur Verbreitung der ungarischen Sprache unter den Juden" gebildet uud dessen Statuten sind so eben von der Regierung genehmigt worden. * '* Ungarn, 27. Juni. Heute ist so eben durch ein kön. kais. Schreiben die freieAblösungsbewilligung der Toleranz-Laxe angenommen worden'; in 5 Jahren wird es also für Ungarn keine befOndere jüdische Steuer mehr, geben. Verlag von C. L» Fritzsche, Druck von I. H. Nagel.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.