Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 28 (9.7.1846)
- Date
- 1846-07-09
- Page
- Spalte 435-436 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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435 436 Kritiken. Kobez al Jad. guten Klang" hat, auch als Israelite seine wissenschaftliche Intelligenz einem Gegenstände widmet, der in., der Dunkelheit fanatischen Vorurtheils und misbrauchlichen Herkommens versunken, ans Licht der Untersuchung gezogen zu werden verdient. Die oben angezeigte Schrift beschrankt sich micht bloß auf eine Beleuchtung des gebräuchlichen vernunftwidrigen Verfahrens mit dem israelitischen Sterbenden, sie giebt auch eine faßliche -Belehrung über untrügliche Kennzeichen des Todes. Interessant \% es, daß sich der gelehrte Herr Verfasser gleich in der ersten Abtheilung (dem theoretischen Theile) auf einer rabbinisch-theologischen Grundlage seststellt, unb fein Objekt . sowohl von Seiten der mcdicinischen Polizei als auch vom' Standpunkte jüdischer Religionswissenschaft beleuchtet; mit gediegenen Waffen aus ddr Rüstkammer der Strengglä'ubigkeit bahnt er sich sieghaft den Weg zu dem Ausgangspunke seines humanen Zweckes, der Nothwendigkeit endlicher Abstellung des ^üblicher? Verfahrens. Die zweite Abtheilung (praktischer Theil), bringt den Gegenstand aufs Gebiet der ausübenden Medicin und Staatsarzneikunde; giebt ein Aggregat von Belebungsmitteln und Rettungsversuchen, und schließt mit einer kurzen Andeutung über Errichtung .zweckmäßiger Leichenkammern in jüdischen Gemeinden. ' Wie oft mancher fromme Rabbi, muthlos dem alten Vorurteile und ■ verdummten Herkommen offen 'entgegen zu treten, selbst von der Furcht'des Scheintodes oder vielmehr des schrecklichen Erwachens im Grabe gefoltert wurde, mag folgende mir'in .Polen vor mehr als vierzig Jahren verbürgte Mitteilung üewährem. * Der Rabbiner in P....,'einem polnischen Städtchen, dem in einer schweren Krankheit der Arzt kaum mit der Hoffnung des Aufkommens trösten konnte, ließ die Glieder der .Beerdigungsbrüderschast zu sich laden und richtete ungefähr folgende Worte an sie: . „Meine Herren! Im Alter ohnehin vorgerückt, mahnt mich meine jetzige Krankheit an meine letzte Stunde, und diese an mein zurückge.legtes siindh'aftes Leben. Ich war ein Bösewicht und habe Sünden begangen, die nur mit den vier Todesstrafen des Gerichts (p hd nifTO j)DIN) hätten vielleicht gesühnt werden können. Ich beschwöre Euch daher sämmtliche'vier Strafen an meinem Leichnam zu vollziehen. Werst schwere' Steine auf ihn (n^-po), laßt heißes Siegellak auf die Brust tropfen (nEW), macht am Halse einen tiefen Einschnitt und legt zum Schluß einen Strick um den Hals und würgt ihn.(p^n); habt Ihr diesen Akt vollzogen, dann wird meine Seele geläutert vor dem Throne des Allmächtiges erscheinen, und für Euch beten können". Die Versammlung,, worunter Greise, die den Redner von 'jeher als sittenrein gekannt und als einen Menschen liebenden 'und gottessürcheigen Rabbiner erprobt hatte, staunte über dieses überraschende Bekenntnis; und den letzten Willen ihres 'frommen Lehrers; nur Einer errieth die Absicht — derRcchbi fürchtete den Scheintod — das Erwachen im Grabe. So konnte selbst die Orthodoxie sich nicht von diesem Bedenken, oder vielmehr.von diesem peinigenden Gedanken frei machen; ja der gläubigste Rabbi fände, wenn er den Schleier der Allegorie zu lüsten verstände, über die Möglichkeit eines solchen Wiedererwachens im Midrasch (Wajikra Rabba sect. 18 vergl. Bereschit Rabba seet. 100) Andeutung und Grund für diese quälende Besorgniß. Daselbst heißt es: „Drei Tage (nach dem Verscheiden) schwebt noch immer der Geist über seiner Hülle, denn er glaubt dahin zurückkehren zu müssen; erst wenn er die entstellten (durch Fäulniß zerstörten) Gesichtszüge wahrnimmt verläßt er sie —"*) So möge diese Schrift des gelehrten Verfassers in den Gemeinden Israels gelesen, der Inhalt beherzigt und die Vorschläge beachtet werden. M. I. Landau. (Mit k. k. österr. Censur-Bewilligung.) 34) t pip4 Proben lexikalischen, synonymischen und gram- -matischen Inhalts, aus' verschiedenen Handschriften gesammelt, erläutert und hgg. von L. Dukes. 1. Heft. Eßlingen, 1846, 8. Das vorliegende Schristchen enthält Auszüge aus dem Wörterbuche pjD pN von Menachem ben Salomo, handschriftlich in der Münchner Bibliothek Nr. 50. Von diesem Vers, war bis jetzt nur das in der Oppenh. Bibliothek befindliche Werk 3113 bekannt (Delitzsch in Iesurun S. 184» Rapap. Biogr. von^R. Chananel S. 28'). Luzzatto im Kerem Chemed 7, 69. Zunz z. G. u. L. S. 72) und Herr Dukes hat das Verdienst, aus 'diesem für die biblische Exegese nicht unwichtige Werk einige werthvolle Auszüge derOeffent- (ichkeit übergeben zu haben. Der Vers, lebte in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts und schrieb erwähntes Wörterbuch nach dem vom Herausgeber in der Vorrede mitgetheilten Epigraph im Iabre 4903 — 1143. Er war von Geburt wahrscheinlich ein Franzose, da er nur in diese Sprache überträgt =). Seine grammatische Sprachkenntniß erhob sich nicht über den Standpunkt des Menachem ben Seruk und Dunasch, die seine Leiter und Führer waren, und er nimmt nvh »TDb, n&.) by nD»D jw Nnbn hi (* nvj midni jirnn unffw »76 wen nvh ppi »t? nyn ' ’ - 4 ' — <nb rbw 1) In der Note Nr. 29 muß sich ein Druckfehler eingeschlichen haben. R. sagt nämlich daselbst nHi pi D'DDW yD D'Dlpb rv, was unmöglich aus den Verf. des der ein Jahrhundert später lebte sich beziehen kann; auch findet sich in der citirten Stelle kein Wort von diesem Vers, und eben so ungenau ist auch das Citat aus Mardechai daselbst. 2) .Z. B. ■ nn)N Vp , ferner R. j^p, l^^pO—Mpv. Wir bemerken'zugleich, daß wir nur nach den vorliegenden Proben und den noch weit reichhaltigern Excerpten, die uns der Herausgeber zur Einsicht übergeben hat, ein Urtheil über den Verf. zu geben wagen; um den Lesern etwas Neues zu geben, heben wir daher nur die noch nicht abgedruckten Stellen als Citate hervor.