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Der Orient · 1846-06-11 · Heft 24 (11.6.1846) · p. Seite 188

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 24 (11.6.1846)
Date
1846-06-11
Page
Seite 188 (sequence 15)
Language
German
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188 : III. „Wo wollt Ihr hin?" — Der ehrwürdige Sterne theilt in „Uoriks Reise" die Reisenden inr Einfache und Unschuldige, Ln Müßige, in Neugierige, in eitle Reisende, in Reisende aus Notwendigkeit, ferner in unglückliche und milzsüchtige Reisende. — . Zn dieselben Kategorieen läßt Ihr jüdischer Reform-Freunde Euch einregistriren. So hört denn: — Es giebt unter Euch Reformatoren Einfache und Unschuldige; dies sind harmlose, unschädliche Seelen, die auf Treu und Glauben das Neue annehmen; ebenso die Müßigen, die einen Zeitvertreib haben wollen; dann kommen die Neugierigen, die vom „Reiz der Neuheit" getödtet worden; die gefährlichsten unter Euch aber sind die Eitlen, die ihren Namen verewigt wissen wollen, sie sind die gefährlichsten, weil sie zugleich die Macht (Geld) besitzen und gleich 'glänzenden Kometen einen langen Schweif nach sich ziehen; 'diesen bilden -die,Reformatoren aus Nothwendigkekt (die Armen); — auch Unglückliche und Milzsüchtige findet man unter Euch, die an religiösem Weltschmerz taboriren und endlich empfindsame Reformatoren, die berauscht von den Orgelklängen der Kirchen nach einer Reform schmachten. — Aus diesem Wirrwar von heterogenen Momenten soll Euch nun plötzlich ein Geniestreich — „die Reform" reißen' und die Gemüther Aller beruhigen und befriedigen? — Glaubt Ihr an ein Unrversalmittel, das alle Krankheiten heilt? — Noch ist unter Euch kein Alexander, der diesen Knoten lösen kann! -- — - v.. Sagt mir doch, meine Freunde, womit wollt Ihr beginnen? wie weit wollt Ihr gehen? was soll füllen, was bestehen?! — ' Soll nur die Verfassung der Kirche, der Kultus eine völlige Umgestaltung Dfahren, oder soll die Kirche an „Haupt und Gliedern" sich verjüngend. h. sollen die .Dogmen der Lehre neugebildet werden? — Behagt Euch nicht fürder der mittelalterlich-scholastische Rabbinismus oder wollt Ihr auch die Autorität des alten Testamentes angrcifen und mit ihr den Hauptpfeiler des positiven Judentums?! -—Bedenket Euer Wagniß! Welcher Muth, welche Kraft, welche Vorsicht, welche Ausdauer ist erforderlich, um eine Glaubens-Reform ins Leben treten zu lassen! — Denn nicht mit Wort und Schrift-allein, nicht mit Zwang, nicht in kurzer Zeit wird eine neue Religion geschaffen. Bedenket, Ihr Reformgenoffenschasten, ernst und ruhig Eure unaussprechliche Verantwortlichkeit, Eure riesige That! — — Sokrates trank für seine Lehre den Schicrlingsvecher; wer ein Reformator werden will, muß ein Märtyrer für seine Glaubens-Idee werden können!- Verlag von C. & F r r'tz s ch e. Poferr, Ende Mai*). Für unsere Gemeinde war die Ankunst Montefiore's ein großes Ereigniß. Die Nähe der russischen Grenze, die hier lebendige Sympathie für unsere nordischen Glaubensgenossen, da wir doch einst einen Theil derselben-bildeten, und die jüdischen Gefühle, die hier noch in ihrer ganzen Stärke walten., mußten nothwendig bei uns die Ankunft jenes Mannes, der un- .ermüdet in seinem Verwenden für Israel ist, zun: Gegenstände der höchsten Begeisterung machen. Und so war es in der That. Von seiner Ankunft durch eine Estafette vermittelst einer andern Gemeinde benachrichtet, strömte Alles hinaus, den Mann des Tages zu sehen, die Begeisterung durch die höhere Weihe der Dankgefühle gesteigert, durchzog die Gemeinde, und die schönsten Thranen des Dankes flössen. Der Rabbiner in seinem ehrwürdigen Talare, die Repräsentanten, die Vorsteher aller Chebra's, überhaupt eine große Zahl von Individuen empfingen ^Wachten ihm die Aufwartung, dasHotet de Vaviere, mit den Seinigen ab stieg war fast belagert von- Neugierigen, und nie war ein Empfang inniger als den ich eben mit angesehen. Daßihm ein Gedicht, hebräisch und/ deutsch ,' überreicht wurde ,- -daß bei solchen Gelegenheiten es au Sammikissen, Lorbeerkränzcn re. nicht fehlt, versteht sich von selbst, und Sie mögen mir die Beschreibung dieser Ceremonien, in Erinnerung des Einwands der Engel ddn) nysp 'ni5> »TW erlassen. Auch die Behörden bewiesen ihm ihre Hochachtung. Welche Richtung unser geliebter Montesiore begünstigt möge Folgendes darthun. Unsere 'Talnludgesellschast (Schaßchebra) machte Sir Moses Montesiore ebenfalls die Aufwartllng; Hr. Lcvy, Vorsteher derselben überreichte dem wackern Britten ein sehr schönes selbstgcfertigteö Memorandum in hebräischer Sprache, worin er ihm die Vorsteherwürde der Gesellschaft antrng. Mit sichtlicher Freude nahm Sir Moses dies an, äußerte daß ihm rrnrr'TO lieber sei, als inD Hin3 und DD^D “rä; er versicherte, daß er das Diplom dieser Gesellschaft unter seinen wichtigsten Dokumenten aufbewahren werde. In der That machteer sich auch sofort daran, Alles genau nachzusehen. — Was aber den Erfolg der Reise anlangt , wie es mit den 10,000 Kolonisten steht, für die M. die Auswanderung bewirbt, wie es mit der Milderung der Ukase aussieht, die durch die zweimalige Audienz beim russischen Kaiser bewirkt sein soll, über die Korrespondenz mit den Ministerien w. darüber ein anderes Mal. *) Die Nachrichten über den Empfang Sir Moses Monteft'ore's bei seiner Rückreise sind uns in so zahlreichen Beschreibungen zugekommen, daß wir höchstens einiges Charakteristische daraus in diesen Blättern zu veröffentlichen geneigt sind, zumal mit solchen Veröffentlichungen kern großer Nutzen verbunden ist. Die Mitteilungen über die Hinreise habe ich zu seiner Zeit ebenfalls aus diesem Grunde beiseit gelassen. R. Druck von I. H. Na gell

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