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Der Orient · 1846-05-28 · 22 (28.5.1846) · p. Spalte 339-340

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Journal
Der Orient
Volume
1846
Issue
22 (28.5.1846)
Date
1846-05-28
Page
Spalte 339-340 (sequence 2)
Language
German
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339 . Studien. Arabische Schriftsteller über jüdische Gelehrte. 340 zuweilen auf einem.sehr vertrauten Fuße standen^), und die sie sehr oft wenigstens persönlich kannten, müssen, wenn sie auch nicht immer unparteiisch waren, für uns von großem Interesse sein. Durch diese eben erfahren wir, daß trotz des Fanatismus, der dem Islam zu Grunde liegt, und der sogar jeden- Muhammedaner .verpflichtet,' seine Religion durch das Schwerdt zu verbreiten, die Amber mit Juden ver- . trauten Umgang pflogen und mit ihrer Hilfe ihre Werke schrieben*), daß ferner die Wesire, ja'selbst die Fürsten, sie zu ihren Leibärzten, zu ihren Hofastronomen und Ministern erhoben5), ihnen ferner erlaubten öffentliche Vorträge zu hatten b), zu denen bei der: Arabern gewöhnlich jeder Wißbegierige freien Zutritt hatte, ohne dabei zu fürchten, daß der. Jude'seinen, muhanuuedanischen Zuhörern ketzerische ^und irreligiöse Ansichten beibriugen wurde. Ueber die Leistungen der arabischen Juden im Einzelnen zu sprechen, ist hier weder Ort noch Raum; im Allgemeinen aber bemerke ich hier, daß sie die ausgezeichnetesten Geistesprodukte in allen Fächern "der Wissenschaft geliefert haben. Sie haben treffliche Werke über Grammatik, Lexikographie, spekulative Philosophie, Ethik''), .Religionsphilosophie, Mediein , .Astronomie und Mathematik hinterlassen; selbst, ihre reintheologischen und talmudischeu Werke sind mit einer bewunderungswürdigen Klarheit geschrieben, während die deutschen und französischen Juden des Mittelalters, mit Ausnahme der Provenzalen, in ihren Werken fast nur das reintalmudische Gebiet, und auch dies mit weit weniger Klarheit, wenn auch mit mehr Scharfsinn, bearbeitet,' und uns Schriften Hintertassen haben, die denen der deutschen und polnischen Rabbiner aus dem 15. u. 16. Jahrhundert in luder Hinsicht ähnlich sind. Die arabischen Juden waren es ferner, durch welche die Scholastiker des Mittelalters die ersten lateinischen Übersetzungen der aristotelischen Metaphysik erhielten, welche die spanischen Juden anfangs ohne, dann mit Hilfe der Mönche machten^). Welche Meister die arabischen Juden in der Poesie waren, deren arabisch, geschriebene Gedichte den Arabern selbst so vortrefflich erschienen, daß sie sie in ihre Anthologien und.Sammlungen ihrer ausgezeichnetsten Dichter ausgenommen zu werden für würdig . hielten9), das ist durch das jüugst erschienene Buch von Dr. Sachs ,,Religiöse Poesie der Juden in Spanien^ klar genug erwiesen worden. Doch sind uns gerade diese großen Geister, die in unserer Geschichte wie hellleuchtende Sterne weithin strahlen, die nicht nur auf die geistige Entwickelung der Juden, sondern durch ihre hohe Stellungen als Leibärzte, Minister und Hofastronomen, und ihren unmittelbaren Umgang mit den Großen und Fürsten selbst unbedingt auch auf die - politische'Läge ihrer Glaubensgenossen einen bedeutenden Einfluß ausgeübt haben, gerade diese sind nun theits nur dem Namen nach, thcils leider gar nicht bekannt. Wer kennt z. B. die nähern LebenSumstände des berühmten jüdischen Astronomen Maschaalla am Hofe der Chalifen Mansnr und Mamun? Wer kennt ferner näher den berühmten jüdischen Arzt Hihatul-Lah ben Malka Abulbarakät p rbbx n^n Ntt) mit dem Beinamen ,,der Einzige des Jahrhunderts nmx)? Als kleinen Beitrag zur nähern Kenntniß dieftr Männer habe ich daher die vollständigen Biographien derselben und die sie betreffenden Notizen aus den schon herausgegebenen Biographen, Bibliographen und Historikern der Araber, wie auS Jbn Challikan, Alnawawi, Hadschi Ehalfa, Abnlfaradsch und vielen Andern gesammelt, und werde es noch fortsetzen. .In den von nur übersetzten Stücken habe ich mich bestrebt,- so treu zu sein als die Sprache es ertaubt, und wo zwei Schriftsteller ziemlich dasselbe 'aussagten habe ich nur den Bericht des Einen vollständig übersetzt, und von dem des Andern nur einen Auszug in aller Kürze gegeben. Die Biographien und einzelnen Notizen werden hier nicht nach chronologischer Ordnung geliefert werden, da es darauf hier durchaus nicht ankommt; ich fange daher mit Maimuni, als der bedeutendsten Persönlichkeit unter den arabischen Inden an, obgleich ich auch Manchesüber Saadja zu berichten habe. Anmerkungen. 1) Mas'üdi, sein vollständiger Name 2Cli ben Ho sein ben Ali Abulhasn Mas'üdi sl) PON fl 'by ■H^DD^n), war ein berühmter Historiker und Verfasser des historischen Werkes, betitelt „die goldenen Miesen" (jno DrrfcN). Er starb tm I. 345 d. H. 2) S. ve 8rre^ 0üi'68t. T. II. p. 488. 3) Wie z. B. Maimuni mir dem Sohne des berühmten Mathematikers und Astronomen Abu'Muhammed Dschabasi ben Aflah el-Asbili und den Schillern des Philosophen Abubekr el-Saig. S. 9. 4) Wie z. B. Abutfeda, der seine Mittheilangen über die biblische Geschichte aus der Bibel durch die Hilfe der Luden geschöpft hat, und noch viele Andere. 5) Solche Fälle sind zu häufig vorgekommen, als daß -ich sie hier aufzählen könnte. 6) Maimuni hielt öffentliche Vorträge über Philosophie in Egypten und viele andere Juden waren als Professoren an den spanischen Universitäten der Araber angestellt. Dieses geschah übrigens auch von christlichen Fürsten , allerdings nur im' Mittelalter zur Zeit der Barbarei; bei jetziger fortgeschrittener Civilisation geschieht so etwas nicht. 7) In diesem Fache haben die Juden allerdings nicht viel geleistet; sie haben nur die Ethik des Aristoteles übersetzt und bearbeitet. Der Grund davon? mag sein, weil die Araber selbst, die immer den Juden'als Muster dienten, und in deren Fußtapfen sie gingen, sich mit der Ethik am wenigsten beschäftigt haben, weil diese Wissenschaft den streng orthodoxen

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