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Der Orient · 1846-05-21 · Heft 21 (21.5.1846) · p. Seite 164

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 21 (21.5.1846)
Date
1846-05-21
Page
Seite 164 (sequence 15)
Language
German
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- 164 gekommen, in dem auch Manches über Juden stünde; ich erbat mir dasselbe und theile daraus folgende Excerpte aus dem Altdeutschen übertragen mit. So wurde Geschichte gemacht. Jene Geschichts- Bücher sind zwar längst vermodert, aber die Lüge hat sich fortgezeugt als Ammenmährchen bis auf unsere Zeit und einige kritische Köpfe suchten mit Hegelianischer Dialektik die Lüge zu rechtfertigen. Sie sollen aber nicht vergessen werden jene Chronik-Schreiber wie die Lügenpropheten der Neuzeit, wir wollen sie aus dem Makulatur hervorziehen und sie als monströse Auswüchse der Literatur und der Zeit aufbewahren und wenn es dem alten Jahn einmal beikommen sollte, mit dem letzten Herenverbrennungstage, auch den Tag zu begehen, an dem ein. Jude im 19. Jahrhundert vor Gericht beschuldigt wurde, Christenblut getrunken zu haben, und ein gelehrter Bibliothekar als Zeuge auftrat, so möge er sich in diesen Spalten umsehen und er wird sich nicht irren, denn .wir wollen unsere Leidensgeschichte genau und pünktlich beschreiben. Aus dem sechsten Buch der Chronik: Man sagt, daß zu dieser Zeit —433 n. Ch.— derlTeusel in Gestalt der Person Mosis viel Zuden betrogen habe, denn er verhieß ihnen, daß er sie zur Gleichnist der alten Historie aus der Insel Kreta in das gelobte Land mit trockenen Füßen durch das Meer führen wollte. Aber viele aus ihnen, dem. falschen Moses Nachfolgende ertranken und kamen nur die davon, die im Meere den Christen - Glauben annahmen und den wahren Gott glaubten. — .... Umdieselbe Zeit hat ein Jude das . Bild eines Crucisix gestochen, daß das Blut mildiglich herausfloß und den Juden so besprenget, daß man des Juden Fußstapsen erkannte. Die das sahen folgten den blutigen Fußstapsen bis sie zu'dem blutigen Bildniß kamen und als sie es so befunden versteinigten sie den Juden. — Das elend jammerig Volk der Juden hat nach der Geburt Christi 1337 zu Deckendorf an der Donau im Baierland zur Berschmähung und Belachung der göttlichen Majestät und Hochwürdigkeit desselben unsres Herrn I. Ch. und unsers heiligen christlichen Glaubens,, das aUerheiligst Sakrament vielfältigli.ch gestochen, darnach in einen glühenden Ofen gelegt und zulezt als es unversehrt geblieben aus einem Ambos mit Hämmern zerschlagen. Als aber durch den göttlichen Willen diese Frevelthat offenbar ward, da wurden die Juden von Hartmann von Degenberg dem Pfleger und' den Bürgern daselbst genommen und mit gebührender Pein des Todes bestraft. ' . Item alle Juden in Deutschlanden wurden verbrannt, denn sie wurden beschuldigt, daß sie Brunnen vergiftet hätten, als ihrer dann viel nach gewaltiger Folterstraf, bekanntlich wurden. Albrecht.1I, bevor er römischer Kaiser geworden, gebot alle Juden in Oesterreich zu erschlagen, die sich zu Christo nicht bekennen wollen. Nun ließen sich viel Juden aus Furcht taufen. Derselben Juden einen, nahm Herzog Friederich, von Oesterreich ehe er zum römischen König ward erwählt — in seine Schlafkammer auf und hat ihn als seinen Zeitgenossen gar lieb. Nach etlichen Jahren siel er in Neu und sprach : er hatte ihm fürgesetzt wiederum in den jüdischen Glauben zu treten; und wiewohl ihm Friderich rieth den Weg des Lebens nicht zu verlassen, so mocht' er doch den Juden nicht widerwinden. Da berief er alle Lehrer der h. Schr. aus der hohen Schule zu Wien diesen jungen Juden zu unterrichten. Aber der elendigliche Jud wollt' weder durch Beten, durch Verheißung noch durch arge Bedrohung von seinem Vornehmen abstehen. Als nun zuletzt nichts helfen wollt, da ließ Friederich denselben Juden vor Gericht führen Und als aber der Jud ungebunden — als er begehrt — zu dem Tod geführt, des brennenden Feuers ansichtig ward, da sing er-ein hebräisch Gesang an und sprang mitten in die Flammen. , ' * * Wiewohl das öd jammerig und trostlos Volk die Juden in vergangenem Zeiten an viel Enden deutscher Nation und Landen-und sonderlich zu Preslaw, Pässaw und Regensprung rc. mit dem allerheiligsten Sakrament vergeßlich, schwächlich, unwürdiglich gehandelt haben, darum auch an ihnen solche Uebelthaten ungerochen nicht blieben sind; jedoch jetzo nach der Geburt Chr. 1492 am 22. Oktbr. in der Stadt Sternberg unter den Herzogen von Mecklenburg Fürstenthum gelegen, haben Eleazar ein Jud und seine Mitverwandten durch einen Priester, Petrus genannt, das allerheiligste Sacrament zu sich ins Haus gebracht und durchstochen, daß ein feines, weises linnen Tüchlein davon blutig ward. Als nun die schnöden unseligen Juden ob diesem Wunderzeichen erschraken, so brachten sie es wieder m das Haus des benannten Priesters. Als aber der durchlauchtigste Herzog Balthazar die Narben Wunden und Stich sahen, da hießen sie nach den schnöden bösen Juden greifen und dieselben als Verschmäher und Verächter der göttlichen Majestät Christi zu verbrennen und zu veczwicken rc. - Perfonalchrorrik und Miseellen. Aus Würtemberg. Albert Güldenstein hat von dem Kronprinzen von Würtemberg den Auftrag erhalten, Skulpturen für seine neu zu erbauende Villa zu fertigen und har ihm dazu ein Atelier. einrichten lassen. Durch diesen hohen Auftrag ist der junge Künstler von seiner italienischen Reise vcrdersamst abgehalten. — W ür t e m b e r g. Der neue Gesetzesentwurf für die Juden Würtembecgs soll bereits fertig sein und wird am nächsten Landtage vorgelegt werden. — Verlag von C. L. Fritzsch e. Druck von 3. H. Naget.

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