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Der Orient · 1846-04-30 · 18 (30.4.1846) · p. Spalte 273-274

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Journal
Der Orient
Volume
1846
Issue
18 (30.4.1846)
Date
1846-04-30
Page
Spalte 273-274 (sequence 1)
Language
German
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Berichte, Studien und Kritiken jüdische Geschichte un- Literatur. JV? 18» Leipzig, den 30. AprU 1846, In h alt. R ü cksch r t ft $ - Lif e r a t ut. Die Reformverwirrung in der israelitischen Gemeinde zu Breslau. Herbeigeführt durch den Widerspruch des Dr. Geiger mit sich selbst. Zwei Aktenstücke. 1. Aufruf der Breslauer Reformgenossen ohne Kopf. 2. Sendschreiben und Widerspruch der Gemeinde ohne^ Fuß. — Studien. Literar-Historische Forschungen aus jLandauer's Nachlaß. (Schluß.) — Ankündigungen. Me Nesormverwirrung ln.der israelitischen Gemeinde in Breslau. Angeblich cherbeigeführt durch den - Widerspruch des Dr. Geiger mit sich selbst. Die Zerrissenheit der Judengemeinde in Breslau seit einer Reihe von Jahren ist weltbekannt; die politischen Blätter haben den dortigen jüdischen Skandal in die weitesten Fernen getragen, und mit deren Kunde verbreitete sich auch die tiefste Abneigung gegen den Neurabbinismus, welcher Unfriede zu seinem Losungsworte gemacht, verbreitete sich auch die Klage gegen andere moderne Vorsteher- Kollegien, welche in störriger Verkehrtheit ihre heiligen Pflichten, die Gesammtgerneinden, von denen sie gewählt werden, zu vertreten, verspotten und aus Beschützern parteisüchtige Dränger und Peiniger geworden. Der traurige Zustand der israelitischen Gemeinden dem Staate gegenüber, die Schutzlosigkeit in Bezug auf Synagogenwesen und Kultus, iü welcher die Gemeinden leben, hat jenen anarchischen Zustand herbeigeführt, daß jeder Krämer, der sich zu ihrem Vorsteher aufwirst, jeder unwissende Junge, der sich zu ihrem Reformatür und Scligmacher herandrängt, nach Belieben schalten und.walten kann, da keine Behörde sich um die jüdischen Angelegenheiten kümmert, keine Regierung das Synagogenwestil wie die Angelegenheit der christl. Kirche bewacht oder organisirt. Es ist nur. eine Konsequenz, wenn etwa der,Mann des neunzehnten Jahrhunderts , in seiner schmählichen Unwissenheit und Entartung seines Herzens, bei der Behörde auswirkt, daß Gemeindeglieder nicht einen Handelsschein erhalten, wemr sie nicht zu seinen wahnwitzigen Predigten, zu seinen liturgischen Anordnungen ein. ernstes Gesicht machen, wenn ein besessener Mann der Rabbiner-Versammlung, vom heiligen Geist zu einer Eisenbahnfahrt getrieben zu sein vorgiebt, weil, ein großer Mann gern Scheiterhaufen errichten möchte, wenn die Gemeindeglieder, schlicht und ehrlich , nicht den Sabbat auf den Sonntag verlegen, wollen, maaßen sie der Qualen, am Sabbat die erbärmlichen Heucheleien anzuhören, schon genug haben. Alles dieses liegt in unserm trostlosen politischen Zustand, welcher uns die doppelte Geißel bringt: man will von unseren Rabbiner- und Vorsteher-Verhältnissen nichts wissen, und doch macht. die Behörde im Widerspruche mit sich geltend, man muß Vorstehern und Rabbinern gehorchen, obgleich wir'doch nach jener Unbekümmertheit des Staates das Recht haben sollten ,, Friedensstörer und Gewissenspeiniger zu entlassen. Doch ich schweife zu weit ab; die Zustände sind einmal so, und ich zweifle nicht daran , daß der gesunde Sinn des Volkes, dem. Charakterlosigkeit und Gemeinheit, Selbstsucht und Tücke zuwider sind, diese Zerrgestaltungen überwinden wird^ Ich kehre zu Breslau zurück. Seit der Ankunft Geiger's hier hat sich eine Partei um ihn her gebildet. Das Judenthum, das er verkündet, ist ein so leichtes, nicht die geringste Unbequemlichkeit verursachendes, alle Genüsse des Lebens bietendes, daß es vielmehr ein Wunder gewesen wäre, wenn die kleine Schaar der sogenannten Entjochten nicht ihm zugefallen. Doch hatte diese kleine Schaar immer noch zuviel Aberglauben in ihm' vermerkt. Herr G. schimpfte gegen den Frankfurter Reform-Verein, da er ihn nicht gestiftet, er sprach öffentlich gegen die Berliner Reform - Genossen , da er nicht befragt wurde, und was am meisten bei dieser Schaar Anstoß erregte, war der Umstand', daß er sich zum bei den Mazzot hergab, daß er rnün abrichtete, daß er den großen - Sack über die Straße trug, daß er oft in und eingejocht über die Straße ging, daß er mit großer 18

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