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Der Orient · 1846-03-26 · Heft 13 (26.3.1846) · p. Seite 94

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 13 (26.3.1846)
Date
1846-03-26
Page
Seite 94 (sequence 3)
Language
German
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- 94 - ^Vorurteilsfreien in der Gemeinde, hauptsächlich in Folge der zahlreichen Mangel in der veralteten Form des öffentlichen Gottesdienstes, so wie durch den schädlichen Einfluß, den auf das angeordnete Ritual jener trübselige -Glückwechsel ausübte, welchen unsre Väter in den Jahrhunderten allgemeiner Geistessinsterniß vielfach erfuhren. Es war unsre Ueberzeugnng, daß die stets zunehmenden Umgriffe von Unglauben und Abtrünnigkeit unter den Juden Britaniens, so' weit cs uns selbst betrifft, gehemmt werden konnten nur' durch Aufnahme eines cinfachern, biblischen Gebetbuches, und durch Einführung einer reinem Art äußerer Andacht in der Synagoge. Trotz der Schwierigkeiten, mit denen wir auf diesem Wege zu kämpfen hatten, hat dennoch der kurze Zeitraum von vier Jahren genügt, um uns' einen umfassenden Beweis zu liefern, für die Gründlichkeit unsres Unternehmens, und uns in den Entschluß zu stärken, von dem zarten Werke, das wir begonnen, uicht abzulassen, es vielmehr aus . allen Kräften aufrecht zu erhalten, zu verschönern und es zu bewahren unfern Nachkommen als ein heiliges B'ermächtniß und durch Gottes Segen, als ein erfreuliches Denkmal für alle unsre Glaubensgenossen. Indem wir so keine andere Absicht hatten, als unfern öffentlichen Gottesdienst in Inhalt und Form zu berbeffern, enthielten wir uns mit gewissenhafter Strenge jeder Abänderung, welche diesem unsrem heiligen Zwecke fremdartig war. Wir haben keinen Glaubenssatz ailgenommen, der nicht vom gcsammten Israel anerkannt ist, noch haben wir die Befolgung irgend einer Lehre verweigert, bei welchen wir als Jsvaelitcu gehalten sind, zu stehen oder zu fallen. Es war einer unserer eifrigsten Wünsche, das Band brüderlicher Einigkeit ungeschwächt zu erhalten, welches so lange, selbst die Zeiten der schrecklichsten Verwirrungen hindurch, alle Zweige des Hauses Israels zusammen gehalten hat, und wofür uns Bewunderung gezollt^wurde von den' wohlgesinnten unter.unfern nichtjüdischen Brüdern. Wir dürfen auch alle als Zeugen anrufcn, nicht wir bezeichneten die Einrichtung der West-London-Synagoge als ein Bckenntniß abweichender Glaubensmeinung unter den Juden Englands; nicht wir setzten die Sturmglocke parteisnchtiger Zwietracht in Bewegung; nicht wir haben der Welt eine abtrünnige Sekte zur Schau gestellt. Abtrünnigkeit, ob im religiösen, socialen, oder politischen Leben, war, ist und wird immer unfern Gefühlen verhaßt sein, wie die Verstoßung der theuersten Güter unsrer Seele. Die Vergangenheit, deren wir als Israeliten uns rühmen, gehört der Geschichte des gcsammten Israels an. Unsere religiöse Gesinnung hegt für die Zukunft keine Hoffnung, au der nicht die Synagoge durch die ganze Welt gleichen Antheil nimmt; und so sehnsuchtsvoll wir auch streben, für Verbesserung unsrer jetzigen socialen und politischen Stellung, so wollten wir doch gern die schrecklichsten Verfolgungen mit dulden, sollte es dem Himmel gefallen , solche über uns alle zu verhängen, während wir alle erdenklichen Vorrechte zurückwcisen würden, welche die Gesammtheit unsrer Brüder in diesem Lande etwa ausschließen mochten. Aber trotz der Reinheit unsrer Beweggründe, trotz der unbedingten Rothwendigkeit, ernste Schritte zu thun, um die Herzen ittiftcr Kinder dem mosaischen Glauben treu zw erhalten, so begegnete man dennoch unseren rechtschaffenen Bemühungen von Anfang an mit dem Geiste der Lieblosigkeit und'Verfolgung. Einige Monate vor Eröffnung unsrer Synagoge erschien der erste Band unsrer Gebete, umfassend die Liturgie für Wochentage und Sabbate. Kaum hatte es den Druck verlassen, als der selige Dr. Hirschel, Oberrabbiner der deutschen Juden, imt> Herr M eldol a, das Haupt des Bet-Dins der portugiesischen Synagoge, sich mit ihren Beisitzern vereinigten, gegen das Gebetbuch eine Urkunde bekannt zu machen, unter dem Namen einer „Warnung", die aber ihrem Inhalte nach eine Bannbulle war, und welcher eine „Erklärung" von ähnlicher Bestrebung folgte. Vergebens hatten wir in der Vorrede zum' Gcbetbuche gezeigt, daß dieses sich gründete auf das übliche Ritual der verschiedenen jüdischen Gemeinden, daß wir nichts ausgenommen hätten, das nicht in strengster Uebereinstimmung mit dem Judentum wäre, und daß kein leitender Grundsatz des gemeinsamen jüdischen Glaubens ausgeschlessen war. Vergebens wiesen 'wir aufs gründlichste nach, daß das jüdische Ritual keinen Anspruch hat auf einen unmittelbar göttlichen oder unabänderlichen Charakter, daß cs vielmehr mit dem Laufe der Zeiten häufige und bedeutende Umfchaffungm erfahren hat. Vergebens stellten wir es vor.Augen, wie die beiden jetzt allgemein üblichcn Formell des Gottesdienstes unter den portugiesischen und den deutschen Juden sich wesentlich von einander unterscheiden in der Abfassung fast jedes GebctcS, und in der Anordnung der Gebete im Ganzen. Nicht eine dieser ernsten, feststehenden Thatsachcn wurde bestritten, ja man versuchte es nicht einmal, sie zu bestreiten. Der Bannfluch war die einzige Erwiederung, die den geistlichen -Häuptern passend schien. Der. Beschluß des „Cherem" wurde bekannt gemacht, auf Sätze gestützt, die durchaus in schroffem Wicderspruch standen mit jeder gründlichen Beurteilung und dem wirklichen Sachverhaltniß. Den Gläubigen wurde streng verboten, das Gebetbuch zu gebrauchen; und um dem Ganzen die Krone, aufzusetzen, wurde öffentlich erklärt, daß jedes Gebet und demütige Anflehen, das man aus jenem Buche zum Altgnädigen -und Aübarmherzigen richten möchte, vor ihm feine Genehmigung finden würde, vielmehr würde es eben vor Dem Throne der Barmherzigkeit angerechnet werden als Gotteslästerung und Sünde. Ihr könnt nicht umhin, Brüder, uns die Nächstell- I liebe und Schonung zu bezeugen, womit wir unö gegen i

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