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Der Orient · 1846-03-19 · 12 (19.3.1846) · p. Spalte 177-178

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Journal
Der Orient
Volume
1846
Issue
12 (19.3.1846)
Date
1846-03-19
Page
Spalte 177-178 (sequence 1)
Language
German
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Berichte, Studien und Kritiken ■■"V für ' Mische Geschichte und Literatur. «M 12* , Leipzig, den 19 März Inhalt. Studien. Ein Wort zur Vertheidigung der talmudischen Moral. Gegen'Dr. Jost von K—.m.— Der Traum bei den alten Hebräern. -Von E. Wei mann. (Fortsetzung ) — Enträtselung einiger Stellen in der Offenbarung Johannes. Von H. Ph. Nee. — Biographische Skizzen. 11. Mosche Botarel. Vvn Ad. I ellinek.— Literarische Analekten. Vertiefung der Vorbeterstelle. Von Rabbiner Hamburger. Prosbul. — Ankündigungen. Gin Wort zur Vertheidignttg der talmudifchen Moral, gegen den Aufsatz des HerrnDr. Jost ,,Die Moral nach der tatmudischen Scholastik" (in Nr. 8 des ,,Israelit".). Während Dr. Zunz in seinem Werke „Zur Geschichte und Literatur" der jüdischen Moral-Literatur ein inhaltreiches' Kapitel widmet und durch die vorgelegten Auszüge ein Zeugniß aufstellt, auf welcher hohen Stufe sittlicher-Vollkommenheit die Gesetzeslehrer des deutschen Mittelalters waren, die ihre moralischen Principien einzig und allein aus ^Bibet und Talmud geschöpft haben, so daß vor .etwa 70 Jahren ein Professor, als er einen Blick in eine jener Schriften geworfen, mit einer vornehmen Anerkennung ausrief: „Kaum hätte, man in den damaligen Zeiten solche Sittenlehren von Christen erwarten sollen, als dieser Jude (R. Ascher in Toledo) seinen Glaubensgenossen hier vorgeschrieben und hinrerlassen hat" (<§/ 123), lesen wir auf der andern Seite von dem rühmlichen Verfasser der Geschichte der Israeliten eine Aufforderung, daß die Rabbiner, unserer Zeit, so wie sie sesbst allen v erkehrten Lehrsätz en der lalmu di schon S i t t e n l e h r e entsagt haben, offen heraus die Reformation der Moralprincipien zugesiehe'n sollen. Eine ähnliche Aufforderung ist von demselben in der hebräischen Monatsschrift Zion (Jahrg. 5601 S. 121) abgedruckt, die aber schon vom Rabbmats-Assessor - Ka lischer? in derselben Zeitschrift (5602, S. 138) eine würdige Entgegnung gefunden hat. Jost'zieht aber dort nicht gegen die g a n.z e t a l m u d i sch e M o r.a ll'rhre zu Felde, sondern fordert nur die Erklärung, daß sich die Rabbiner von der intoleranten Lehre des Talmuds, welche die Nächstenliebe nur auf den Glaubensgenossen beschränkt, lossagen, und alle Mitmenschen für Brüder erklären sollen; worauf wir, um die erwähnte Erwiderung von Kali sch er nicht zu wiederholen, nur das bemerken, daß wenn sich auch im Talmud eine solche Lehre finden sollte, deren Influenz man für die Gegenwart zu.fürchten hätte, diese keine Giltigkeit bei den jüdischen Gesetzeslehrern gefunden, die solche, als die Meinung eines Einzelnen zu rück ge wie sen haben. Zu allen Zeiten lehrten und predigten die Kasuisten und Morallehrer die gegenseitige, über die Nationcklitat hinausgehende Lr'ebe (s. die Citate beiZunz„in Beleuchtung derl'deoritz juclaisme des Abbe Chiarini"), und dies sogar Rabbiner eines Jahrhunderts, wo Judenbedrückung zu den Regalien der Landesfürsten gehörte. Müssen aber Erklärungen und Ermahnungen dieser Art, welche bereits als Gesetz in den Kanon übergegangen sind (Choschen Mischpat 365 und 359) in jedem Jahrhundert wiederholt werden? Würde nicht eine solche wiederholte Erklärung das sogenannte Moralitätspatent, das noch in einigen Staaten besteht und gegen das sich unser sittliches Gefühl empört, rechtfertigen? Aber würde vielleicht ein moderner Eisenmenger einwenden, man hat allerdings der Nächstenliebe ein weiteres Feld angewiesen und sie von den Fesseln der Intoleranz emancipirt, aber nicht aus einer moralischen Gesinnung, sondern aus einer Art Selbstliebe, und die - moralische Handlung verlöre somit ihren sittlichen Gehalt. Allein wenn von moralischen Handlungen die Rede ist, so kommt es nicht auf 'die innern Principien, die-man nicht sieht, an, sondern aufdie Handlung, die man sieht; sonst könnte man, wie es auch wirklich zu allen Zeiten manche Philosophen behaupten (Kants Kritik der pr.Vernunft), die Wirklichkeit der moralischen Gesinnung in den menschlichen Handlungen ganz und gar abläugnen und Alles der mehren oder wenigen Sttbstliebe zuschreiben. — Eine Morallehre? als solche ist aber auch, im Talmud gar nicht enthalten, von einem moralischen Jm- 12

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