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Der Orient · 1846-03-19 · Heft 12 (19.3.1846) · p. Seite 85

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 12 (19.3.1846)
Date
1846-03-19
Page
Seite 85 (sequence 1)
Language
German
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Berichte, Studien und Kritiken Siebenter Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Lhlr. Manabonnirt bei allen löbl.. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von 1)1'. Julius Fürst. Jahrgang. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. i 13. Leipzig, den 19. März 1846. Inhalt. Großbritannien. London. Charakter der englischen Juden. Bibelübersetzung und Taufe. Die West-Lonoon- Synagogue. Ein Schreiben des Hrn. Elkirr. Bann und Intoleranz. Todtengericht. — Deutschland. Breslau. Jntriguen gegen Fasset. Frankel's Testament. Die hebräische Sprache. Frankfurt a. M. Kündigung des Rabbiners Stein. Berlin. Zweiter Bericht über die Thatigkeit der Genossenschaft für Reform. (Schluß.) — Oesterreich. Prag. Der Gottesdienst. Anforderungen an den Tempel. — Mose's Prüfung. Von Rabbiner Hamburger. - LB. d. Or. Großbritannien. London, Februar. Ich beachflchtige, Ihnen im Laufe meiner Berichte cm getreues Abbild der hiesigen jüdischen Zustände zu Liefern, wie solche sich unter der ZaubermachL des herrschenden Zeitgeistes gestalten. Auch will ich getcgeuheitlich auf die wenigen Fruchte und zahlreichen Auswüchse der jüdischen und widerjüdischen Literatur mein Augenmerk richten. Das Tagesgespräch bildet die jüdische Reform Englands, d. h. Londons, wo sich Kraft und.Schwäche, Wille und Unwille im Dienste des Judenthums cmttalisiren. Bei Beurtheilung der obschwebenden Verhältnisse haben wir keineswegs den Maßstab deutscher Gesittung anzulegen. In unserem Vaterlande wendet sich die Religion der Lichtseite der Philosophie zu, borgt aber dann und wann auch nur künstliche Wärme, und eine Treibhauspflanze „kommt sie empor am Tage und vergeht in der Nacht". Anders ist es hier in diesem Jnsellande; - alles trägt das insularische Gepräge, ist selbstständiger, gedrrnlgener, positiver. Die Reibung mit der Außenwelt ist geringer, die scharfkantigen Formen fallen nicht so sehr der Verflachung anheimsi daseinmal überkommene Princip und System wird mit strengem Argusblick gehütet. Erweiterung des Jdeeilkreises mit Rücksicht aus Religion wird nur spärlich gefordert, weit solche Erweiterung auch nur im geringen Maße gefordert wird. Rechnet man noch hierzu, daß die geistlichen Kirchenlichter (sage ^Synagogen-Lichtstümpchen) .bei den deutschen Gemeinden aus eingewanderten Polen niederen Schlages, bei der portugiesischen Gemeinde uncivilisirt'e Barbaresken sind, so ergiebt sich das Facit, daßdie große Masse, /ruf dem alten Standpunkte stehen bleibt, und nur. selten daran bessert ober ihn übertüncht. Die Zeit nagt an dem inneren Bröckelwerk, und an den Ruinen erlaben sich krächzend die Missionäre. Eiu.bemerkcnswerthcs Moment im religiösen Leben bietet der verwahrloste Zustand der Bibel. Die in ungestörter Suprematie alleinherrsthendc autliorised Yersiön der Hochkirche, ist in jedem Hause, und erweckt weit häufiger als in Deutschland Vorliebe zu religiösen Zwistigkeiten, oder bringt Abfall von der ererbten Religion zu Wege. Denn bekanntlich wetteifert die anglikanische Uebersetzung mit der stammverwandten Vulgata, und tragt vor jedem Kapitel ihre stereotypen Kirchenbezüge zur Schau; überdies ist sie stets mit dem ^Evangelium zusammengedmckt und zusammengebundcn. Während daher in Deutschland die Tauflust eine ausnahmslose Folge von Würden- und. Emancipationsgier ist, erscheint sie hier zu Lande bei Individuen und Familien oft als Nachwirkung der entfremdenden Bibeldentung. Die Sy-- nagoge vermag diesem Uebel/nicht entgegen zu arbeiten. Dle jüdische Kanzetberedsanikeit ist, wenn man Dr. R ap hall in Birmiughanr,.Hm. I fa ak§ in Liverpool und den vortrefflichen Redner H. Marks in London hinwegrechnet, noch in der Wiege oder vielmehr ' 12

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