Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1846)
- Date
- 1846-02-05
- Page
- Seite 44 (sequence 15)
- Language
- German
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- 44 - bttl sind, und können daher Ürbarialgründe erwerben- Feldbau und Handwerk nngehindert treiben, und haben seit dem verflossenen Land tage — Siebenbürgen hat eine besondere Legislation und mit der ungarischen nichts gemein — die Koneession, überall zu wohnendie Wergstädte ausgenommen. Die in Ungarn übliche Toleranz- Steuer Hab eil sie nie gezah lt. Ihrer Gesammtangetegenheiten höchste Instanz ist der römisch katholische Bischof, der solche als ihr Protektor an das Gnberninm befördert , der zugleich als Repräsentant des - Guberniums sanktionirende Stilnme bei der- Wahl des Landcsrabbiner hat. Deshalb wurde auch an ihn ein Bittschreiben gerichtet, das im erwähnten Blatte ,/Nult es veröffen tlicht war, u nd n a ch dessen In h alt und Tone rlrtheilend, wurden die Supplikanten für vom Drange der Zeit hestigst angeregt und für Fortschritte beseelt gehalten worden fein; allein uns sind die dortigen Sympathien zu gut bekannt, daß wir vielmehr der Meinung sind, dieses Bittschreiben sei -der Willkür eines Einzelnen überlassen worden, als daß sie solches motivirt und dessen gehaltreiche Ansichten der Billigung gewürdigt hätten, und der göttlichen Vorsehung gefiel es, daß das darin geäußerte, einigermaaßen durch den neugewählten Landes-, rabbiner zur ^Ausführung gelangen soll mit» wird. Denn selbst in der Temeswarer Gemeinde, die von Natur aus lokaliter zersplittert ist, da sie in den fern von einander liegenden Vorstädteil zerstreut und zerworfen ist, als auch in ritualer Beziehung, da sie nur in sogenannte Franken T)DD.; JH3P ltnt» Deutschen untsw jrüö besteht, auch zwei Bethäuser mit ceremoniell-verschledenem Gottesdienste haben, dennoch sein eifervolles Streben bewirkt, daß außer den kleinen heilförderndrn Anstalten, zwei Schulen ms Leben getreten, eine in einer Vorstadt und die andere in der innern Stadt, die aber durch gleiche Leitung , gleiches Lehrsystem und Bestreitung aus einer gemeinsamen Kasse verbunden sind , und daß er den Geschmack seiner Untergeordneten ^gegen die alten Deraschot für deutsche Vorträge verfeinert hat. — Ganz anders ist das administrativeWesen derA rader Gemeinde gestaltet, als daß Folgen erwähnter anarchischen Art. austauchen könnten. Die Gesammtheit wird durch dreißig Altmannen rcpräsentirt. Diese sogenannten I Dreißiger wählen aus ihrer Mitte alle drei Jahre einen i Vorstand / der vollkommen antorisirt und bevollmächtigt ist/ Alles allein und willkürlich zu leiten und zu vollziehen. Die Repräsentanten bilden auch die Kontrolle des Vorstandes und werden zu Angelenheiten wichtiger Art durch den Präses einbcrufen; die aber meist so ohnmächtig sind, daß, da mit dem Hinscheiden eines Repräsentanten, die Stelle durch sie und nicht durch die Gesammtheit besetzt wird, und aller Wahrscheinlichkeit nach - diejenigen die Influenz haben und haben wollen, Verlag von C. /L. Fritz sch e. . stets mit solchen Individuen ausstillen den Raum, deren Aufgabe keine andere sei, als: au s fü ll en d en Rau m, daher immer die-Einflußreichen die Oberhand behaupten. Da aber diese zu allem Guten , Edlen und. Zeitgemäßen beeiftrt stlch/so kann ihre Wirksamkeit nur die herrlichsten Früchte bringen, die sie auch gebracht. So hat Arad zuvörderst beit Schatz aller Schätze: E i n i g k e i t, und daher förmliche Zufriedenheit, im vollkommensten Sinuc des Wortes, mit ihrem neugewählten geistlichen Haupte/ Hm. I. Steinhardt, der alle Erwartungen befriedigt, der auch die Orthodoxen in und um Arad für sich zu gewinnen, zugleich Unit den Arabern, wo die Jrreligiositäi feste Wurzel geschlagen, die zu oft, wenn sie ohne Intelligenz steht,- zur Jmmoralität auSartet, derart umzugehen weiß, was uns vollkommen zu den Hoffnungen berechtiget/ daß ein Mann, wie Herr Steinhardt,, der mit der Orthodoxie herangereift, da er in Maxo geboren und in Preß bürg gelebt, beide Orte, wo die Hyperorthodoxie monarchisch thront, und der ferner genügsame Herzens- und Geistesbildung hat und die allgemeine Liebe und Hochachtung seiner Untergeordneten besitzt; ein solcher Mann gewiß die durch Verwahrlosigkeit verwildcieir Herzeusfluren von dem Unkrante der Jrrreligiosität langsam reinigen, und den für alles schöne und Erhabene fruchtbaren Boden zum reellen Ruhme unseres vaterländischen Judenthums in blühende Saaten umschaffen wird. ■ Ferner hat Arad mehre schöne Vereine und Anstalten, worunter hervorgehoben zu werden verdienen, die füdisch-ttngarischen Lese- und Gewerbsvereine, dann die ereirte Real-Schule, an die'sich bald eine Mädchenschule anreihen wird-, welche freilich.für Nationalität, hebräische Sprache und Religiosität mehr leisten könnte,' und eben dies ist eS, was' wir von Herrn Steinhardt beanspruchen; und da er beseelt von echter Religiosität und Nationalität und der vaterländischen Sprache tüchtigst kundig ist / so daß er bereits in derselben gottesdienstliche Vorträge gehalten und halten wird, sobald ihm förmliche Influenz auf jene eingeräumt werden wird, was gewiß kein Rechtdcnkendcr ihm streitig machen wurde, und nur der Laune eines Lehrers daselbst es gefällt, mittelst Oberdirektion (?) zu bewirken, daß das religiöse Haupt nicht befähigt werde, Religion vorzutragen (I!!), so können wir zuversichtsvoll erwarten, daß Herr Steinhardt auch in dieser Hinsicht uns vollkommen befriedigen wird, und sodann bewähren, daß die Araber Gemeinde /■ obwohl ihre Verfassung auf Despotie gefußt ist/ dennoch von solider und menschheitlicher Hand geleitet wird, und immer einer derartigen republikanischen i Verfassturg bevorzugt zu werden verdient, wo Freiheit ohne Ordnung herrscht, die mit jedem Lustzuge zur Anarchie aus artet. / " R. Druck von I. H. Na g e l.