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Der Orient · 1846-02-05 · Heft 6 (5.2.1846) · p. Seite 42

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 6 (5.2.1846)
Date
1846-02-05
Page
Seite 42 (sequence 11)
Language
German
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- m Zittel schreibt diese Abneigung gegen die Israeliten der Lebensweise ihrer unteren Volksklassen zu, um derentwillen die ganze Genossenschaft ihrerStaatsbürgerrechte verlustig erklärt ist. Ich mochte ihn aber fragen, wo die Lenke seien, welche zu der Lebensweise der untersten christlichen Volksklasscn besondere Zuneigung fühlen? In Sachen der Emancipatiou der Israeliten wurden schon so viele Albernheiten vorgebracht, daß man ein gar seltsames Büchlein darüber schreiben und einem solchen etwa den Titel geben könnte: „Sammlung verschiedener TraktäLlcin, die klar beweisen , wie gewisse Deutsche alle ihre Geisteskraft znsammenraffen thäten, um ein stichhaltiges Mittel ausfindig zu machen, wodurch mit scheinbarem Rechte die so vermaledeite Judenemancipation trotz des herembrechenden Lichts noch im Schatten Hintertrieben werden fihuic". Das r tvas der Zittel'schen Motion ihren Glanz verleiht, ist die idealische schöne Zeit, die er dem deutschen Volke vorführt. Man wird durch seine flüssige Rede unwillkürlich fortgerissen und glaubt sich schon der Zeit nahe geführt, wo die konfessionellen Schranken fallen werden, denn, sagt er, der wohlgesinnte und einsichtsvolle Thcil des deutschen Volks ist zu der Einsicht gelangt, daß die religiöse Ueberzengung das unantastbare Gut des Einzelnen ist, daß Liebe vereinen müsse, was Glauben geschleben hat. Allein wie bitter wird ’ man enttäuscht, wenn man an den eingefleischten Egoismus der Gegenwart denkt? Zittel selbst wagt cs' nicht, die Hand an alle konfessionellen Schranken zu legen und zieht somit seine schönen, rührenden Worte wenigstens zum Theit zu h ö h 1 e n P h r a s e n herab. Er null Religionsfreiheit, aber nur für christliche Konfessi onen/ und doch meint er, das deutsche Volk sei zu der Einsicht gelangt, daß religiöse Ueberzengung das ' unantastbare Gut jedes Einzelnen, sei.' . Zittel sagt ferner: „Der. Staat hat.zuznsehen, daß nicht der Geist der Unsitttichkeit tu einer Religionsgerrvssenschaft Platz , greife, und nicht staatsgefährliche Grundsätze in ihr gepflegt werden; aber so lange das nicht der Fall ist, kann er ihr das Prädikat, und die Anerkennung als einer christlichen Gemeinde nicht versagen n. st w." Nun, wenn Sittlichkeit und. Gesetzlichkeit allein das Ehristenthnm ausmachen : wo ist derm dann die übergroße Scheidewand, "welche die C h r i.st e n von den Israeliten, trennt?. . Doch der Antrag Zlttels, der selbst bei der vielgepriesenen , Aufgeklärtheit: der Gegenwart sich vor dem Einfluß voll Vorurtheiten nicht schützen, kann, belehrt uns eines Anderen. Wenn Zittel ansrnst: „und. meine; Herrn, kann man ein Deutscher still, ohne daß Einem bei diesem Gedanken das Herz in der Brust freudig enrperschlägt?;' mochte ich fragen: ,,und meine Leser, kann man ein echter Deu tfch er sein , ohge daß .Einem bei der Beschränkung des Zittellschen Antrags das Herz in der Brust zerspringen möchte?" Ein Israelit." O e st e r r e i ch. Prag , 18. Jan. Unser neu gewonnener Prediger, Hr. Dr. K ä m p f, durch die hier gehaltenen zwei Probepredigten sowohl, als durchs mehrere literarische Arbeiten im Literatnrblatt des Orients, namentlich durch die treffliche Uebersetzung des T'achkemom, früher schon hier ans das Vortheilhasteste bekannt, hielt gestern vor einem zahlreichen und gewählten Auditorium seine Antrittsrede, und rechtfertigte darin die auf ihn gefallene Wahl. — Offen und bestimmt dieRichtungbezeichnend, der er angehört, griff er durch seinen klaren und einfachen Vortrag, der frei von allem Schwulst, jede Effekthaschung. verschmähend, einen Reichthum der Anschauung entwickelte, tu das Herz seincr Zuhörer. .— Zeigte er uns in der gehaltvollen ersten Nbtheikutgcn, wie.redlich und treu er cs rnit dem Judmthnme meint, und mit welchem Eifer er sich der ihm gewordenen Aufgabe zu lösen unterzieht, so wußte er wieder im dritten Theile seiner Rede, bic; mobctitcn religiösen Zeitsragen höchst geistreich zu berühren. Dieser Abheilung diente ein Midrasch Rabba als Relief, den n auf die reformatorischen Bestrebullgen unsrer Zeit beziehend, sehr geistreich interpretirte. — Wir glauben Hrn. Dr. Kämpf ein schönes Prognostiketl hier stellen zu können; noch ist in unsrer Gemeinde so viel Fond von gesundem Sinn, um einer tmgeheuchelten währen. Gesinnung und gediegenen Kenntnissen die vollste Anerkennung und.Würdigung sichern zu können; noch ist in unsrer Gemeinde die äußere sociale Politur, hinter der sich so oft Hohlheit und Flachheit verbirgt, Gottlob nicht das noa plus ultra. Aur einem ehrenfesten Charakter, der seinen Berns mit Begeisterung und Liebe erfaßt, kann e§ gelingen, dem von Sachs begonnenen Werke ferneres Gedeihen zu sichern, und unsre Gemeinde gegen die so wild wuchernde refvrmatorische Lepra unsrer Zeit ferner zu schützen. WaS tv i r von Hrn. Kämpf außer der Kanzel wünschen und erwarten, behalten wir uns für unsern nächsten Bericht vor. — < Zu den anziehendsten geistigen Genüssen hier gehören, wohl die Vorträge des.Hrn. Dr.. Wesselpiüber Kusari, die Theilnahme steigert sich dergestalt, daß ein größerer Saal dazu bestimmt zu werden,uöthig sein wird; unter dem so zahlreichen Kreise von Zuhörern bemerkt man auch mehrere christliche gelehrte Roiabilitäten. — Unsern besten-, Dank verdient Hr. Dr. Wessely '/durch die bei Calve hier veranstaltete zweite Auflage seines Religionsbuches. — Das Buch, das gleich bei seinem ersten Erscheinen sich^ einer. allgemeinen Würdigung mnd Anerkennung erftenete, ist nun verbessert ttitb. vermehrt,' und

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