Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1846)
- Date
- 1846-01-22
- Page
- Seite 26 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- *26 SScrtctt verweigert haben „sie kennen sie bezahlen", und daraus wird dann ein langer SchmaharLikel ans den Eigennutz und Geiz des Dr. Sachs gezogen,' der, obscheu er 1500 Thlr. Gehalt hat, sich nicht so liberal und gütig wie Stern zeige, der kein Fixstern sei (was er doch übrigens Diis jirvanlilms jcjjt geworden ist), und überhaupt bcn Tugenden Unserer Alten, die er nicht kenne, mehr Ehre mache. Wahrlich eine schwere Anklage. Aber das Publikum höre, Sachs hat wie in der Vossischen und Spenerschen Zeitung zu lesen war, den Ertrag seiner Vorlesung einem g c m cinu ü tzigeu Zwecke zu widmen versprochen und hiermit fällt doch die grobe Sülldc deö Eigerlnutzes weg. Freilich der Unverschämtheit, einem Manne, der bei so vielen Berilssgeschäften noch eine neue Pflicht auf sich genommen und so Zeit und Mühe in der uneigennützigsten Absicht seinen Glaubensgenossen weiht, gerade das Laster des Eigennutzes vorzuwerfen, ihn als einen Geiziger: und Gewinnsüchtigen zu bezeichnen , und so seinen Namen bei den auswärtigen Lesern zu bestecken ist unerhört und verdient die ausgesuchteste Züchtigung; wir aber überlassen ihn seinem eigenen Gewisse!: und den Lorbeerkräuzen seiner Freunde und erzählen weiter. Daß einigen Nabbirmtskandidatc:: von Sachs Eintrittskarten wirklich verweigert worden seien, ist eine nicht wertiger große Lüge. Wenn Einigen keine Karten in den ersten zwei Vorlesungen zu Theit wurde, so ist das ganz gewiß nicht der Schuld des Dr. Sachs zuzurechncn; ja er hatte vielmehr für die andern Vorlesungen eine Anzahl Freibillets an seine nähern Bekannten gegeben, damit diese sie auch solchen vertheitcu möchten, die vielleicht nicht dm Much, solche gratis zu vertagen hätten, oder sich Persönlich an den Dr.' Sachs zu wendenscheueten. Daß er Geld von den Rabbinatskandidaten verlangt habe, ist etwas so lächerliches, daß man wirklich seinem Grolls keine Worte geben kann. Entweder hat der Korrespondent nie einen Rabbinatskandidaten gesehen oder er ist ein namenloser —*). Wir möchten ihn nur bitten , uns diejenigen 1) zu nennen, von denen -es verlangt worden sei und 2) diejenigen, welche sich von Rabbinatskandidaten Geld zu verlange!: unterstehen würden. Ware der ganze Artikel nicht so gemein gehalten, wir würden gerade das für einen Humor gehalten haben, so verräth es die Böswilligkeit und Ungeschicklichkeit des Autors auf einemmale; nie ist die letztere größer, weil es doch die crstere hatte sein können. Indem ich hiermit die Widerlegung obiger 2 Anklagepunkte schließe, bin ich besserer Stimmung, als da ich angefangen; ich kann mir nicht denken, daß Jen:and so blind gewe- *) Dieser Gedankenstrich ist keine Injurie. Es handelt sich nur um Unrecht aber keine Injurie. Kann man aber daraus, daß wenn man Kopfschmerz hat und Jemanden weniger sagt, als er verdient, rnftii'üii'um angeklagt werden? sen ist, nur den groben Stachel der Feindseligkeit und Lüge nicht bald heranSznfühler: und sehe wie die Nemesis auch darin, daß die Gemeinheit sich in ihren Angriffen imrner so überspannt, daß sie den Hemmschuh der Wahrscheinlichkeit verliert. Ich bemerke noch einmal, daß das Publikum sich obigen Casus als ein Bei-' spiel merke; dem Korrespondenten aber, den ich so mild behandelt, sage ich leise ins Ohr, da er doch griechisch versteht, was aber die Andern auch deutsch hören mögen: „cog dwoloizo ucct alXog, oGrrj tctvLvxci ys „Nimm Dich ferner zusammen, sonst setzt es derbere Hiebe". . Ma kar. Ueber den gegenwärtigen Stand der jüdischen Bevölkerung in Nußland. G Erst seit dem Jahre 1836 stnd die Bekenner des mosaischen Glaubens in Rußland, .welche sich besonders zahlreich in den westlichen und südlichen Provinzen des Reichs vorfinden, und deren Gesammtzahl im weiten Umfange des russischen Reichs, mit Einschluß von Polen, bereits auf weit über anderthalb Millionen Seelen angewachsen ist, der Gegenstand einer bcsondern Aufmerksamkeit von Seiten der russischen Regierung geworden. Von dem oben bemerkten Jahre an ist das Departement der geistlichen Angelegenheiten des Innern gehalten, auch die Zahl der unter der jüdischen Bevölkerung in Rußland verkommenden Geburten, Todesfälle und Ehebündnisse mit in die statistischen Tabellen des Reichs aufzunchmen, und die heilige Synode läßt es sich seitdem angelegen sein, auch diese Angaben neben den von den übrigen Konfessionen entworfenen Listen alljährlich zu publiciren. Leider bleiben nur die Behörden mit der Anfertigung und Vergleichung dieser für die Statistik so wichtigen Listen gewöhnlich sehr im Rückstand, und so waren im vorigen Jahre Z844) der heiligen Synode, wie sie in ihrem Berichte selbst gesteht, die Listen über die jüdische Bevölkerung des Jahres 1842 noch nicht einmal eingereicht. Uns ist es daher auch nur vergönnt, die Geburten, Todesfälle rc der Jahre-1836 bis 1841 inkl., die wir aus den Listen -ersehen haben, zum Gegenstand unserer Betrachtungen zu machen. Es wurden taut jenen Ministerial- und Synodal-Berichten unter der jüdischen Bevölkerung des 'eigentlichen Rußland, und zwar mit Ausschluß') von Polen, welches unter einer besonderen Verwaltung steht, als Neugeborene verzeichnet in den Jahren: ’) Im Großfürstenthum Finnland, welches ebenfalls unter einer besonderen Verwaltung steht, gilbt es keine Juden. Die dortige Bevölkerung besteht nur aus Christen der lutherischen und griechisch-russischen Konfession.