Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1846)
- Date
- 1846-01-15
- Page
- Seite 20 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2360092-2360418-2360422--5285-3531925- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
20 Die rechtgläubigen Befehlshaber des alten Israel (NesrLm)*) erfüllten den Eid, den sie idem fremde Götter anbetenden Volke ablegten, um solchergestalt Gottes Gesetz zu erfüllen. Jede Verletzung eines jeden Eides, und folglich auch desjenigen, der auf die Treue im Militärdienst abgelegt wird, ist, nach der Erklärung aller unserer wahren Lehrer s), die allerschwerste Sünde, welche durch keine Reue^), durch keinen Ablaß, als Hafar o t, Nedarim, Meßirat Modau, Kolnidre, Alchet^) und durch keinerlei andere Mittel, weder an dem Lage der Reinigung, noch irgend jemals, erlöset wird. , Wer, den Eid ausspcechend, anders denkt, als er mit dem Munde aus spricht, ist schon ein Meineidiger nach dem wahren Gesetz, denn er misbraucht den Namen des Herrn. „Wisse *)., daß die ganze Welt erzitterte, als Gott gesagte dn sollst den Namen Gottes, deines Herrn nicht mißbrauchen." „Von allen Uebertretungen des mosaischen Gesetzes ist gesagt, daß man sich davon reinigen kann." „Für alle Uebertretungen des mosaischen Gesetzes werden nur die Uebectreter selbst gestraft; für den Meineid dagegen fällt die Strafe auf das ganze Geschlecht des' Übertreters, welches ihn begünstiget, und nicht nur auf das Geschlecht desselben, sondern durch den Uebertreter auch auf alle Söhne Israels, wie auf Treulose; denn alle Söhne Israels bürgen Einer für den Andern." „Für alle Uebertretungen des mosaischen Gch'tzes wird die Strafe bis zum zweiten und dritten Geschlecht' ausgehoben, damit der Uebertreter sich der Gnade Gottes durch irgend eine gute That würdig machen könne; für den Meineid fallt sie aber auf den Verbrecher unverzüglich, und selbst das, was. dem Wasser und Feuer widersteht, wird durch den Meineid verwüstet." Wenn du den Eid brichst, den du jetzt vor dem Gesetze ablegst; so wird der Fluch deine Seele doppelt treffen,, weil dir diese Sunde zum voraus erklärt worden. Und jede Strafe von Seiten der Militärbefehlshaber für Nichterfüllung deiner Pflicht wird schon Gottes Strafe sein, gesandt durch sie für den Meineid: (Beschluß folgt.) 4) D\SW3. Lj Der Rabbiner: BechjL-Jsaak Abuchab und in dem Buche Medrasch Tanchuma nennen VNNO. 6) Der Rabbiner Isaak Abuchab, welcher auf diese Art /oie Auswanderung erklärt. Kap. 20. p. 7. 7) um -Vji, m:!», njniD d-tdo, omi treru 8) Alle bezeichneten Stellen sind aus dem Buche Talmud: Tur CHöschen Mischpat, entnommen. Kap. 87. Personalchronrk,md Miseellen. Kassel. Unsere LandrabbinerwM liegt noch immer auf dev Folter, und die Verschiedenheit der Ansichten zieht das Uebergewicht hierhin und dorthin, so daß man eigentlich nicht weiß, was daraus werden soll. Es ist traurig, daß keine dieser Parteien einen geeigneten Rabbiner vorzuschieben weiß; denn der von der Orthodoxe npartei, vorgeschobene sagt auch den Orthodoxen nicht zu. — Frankfurt a. O. Von der hiesigen Gemeinde ging ebenfalls, wie von so vielen Gemeinden des deutschen Vaterlandes, eine Adresse an den Obcrraddiner Dr. Frankel ab, mit zahlreichen Unterschriften versehen» Hier wie anderswo ist man mit dem rationellen, gemäßigten. Fortschritte, welchem Dr. F. huldigt, sehr zufrieden, wie nicht minder mit dev ruhigen Haltung des „Orient," dem keis-mven Organe der Frankfurter Reform gegenüber. — Hamburg. Die bedeutende Zunahme der israelitischen Bevölkerung in unserer Hänse-Stadt bewirkt auch, daß die Tempelgemeinde, wenn auch nur tu.numerischem Verhältnisse des Zinsfußes, zunimmt; aber mau würde sich bedeutend irren, wenn man von diesem Zuwachse auf einen Wachsthum des Sinnes für den Tempel schließen wollte. Er steht trotz des schönen Baues, verwaist und öde; an Sabbaten und Festen, die einzigen Zeiten der Tempclandachten, ist zur eigentlichen Andacht kaum die Zehn—-Zahl vorhanden, oft kaum Einige außer den Predigern anwesend, und wenn zur Predigt eine größere Zahl hinströmt, so merkt man es den Besuchern an, daß nur die Neugierde die Triebfeder ist, indem .sie mit Schluß der Predigt den Tempel verlassen. Solche Besucher werden ebensogut anderswohin geheu, wo man sie mit humoristischen Vorlesungen belustigt. — 9 » 9 Leipzig. Die Theilnahme für die russischen Juden giebt sich bereits in den weitesten Entfernungen kund. In London Haben bereits drei Sitzungen z-u diesem Zwecke stattgefunden, und dieGemeinde-DeputaKou hat sich bereits an Sir Moses Montefiore gewendet,, welcher geneigt ist im Frühjahre nach Petersburg zu ressen. Der israelitische „Univers" übersetzte die betreffenden Artikel aus dem „Orient, und der A. Z. d. I. und hat bereits viele Herzen für diese Unglücklichengewonnen. In vielen Städten Deutschlands erwartet man mit Nächstem das Znsammentreten vonComiteen. Statistisches. Nach den Mittheilungen des Jewish Chronikle (eingesandt von dem Missionär Wolff) wohnen in Teheran, der .Hauptstadt Persiens, 2000 Juden, in I sfahan, Jasa, Hamadan sind sie mehr als Fremde, zu Hera t in Afghanistan sind 1200 Inden, zu Khelan in Ferganistan, 10 Tagreisen von Bohara, wie auch in Samarkand giebt es einige Lausende. Verlag von C. L. Fritz sch e. Druck von 3* Nagel.