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Der Orient · 1845-12-17 · Heft 51 (17.12.1845) · p. Seite 404

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 51 (17.12.1845)
Date
1845-12-17
Page
Seite 404 (sequence 7)
Language
German
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hergerichtet werden kann, ^Jedermann bei der ersten Be-, sichtigung ins Auge. (Harr. Z.) Frankfurt a. M., 5. Decir. Zn Nr. 331 Ihres geschätzten Blattes sind zwei Artikel von hier, die einer Berichtigung, resp. Ergänzung, bedürfen. — Wegen des Miöstandes,. den der zur Kohlen- und Breter- Niederlage vermiethete Raum zwischen dem israelitischen Krankenhaus und der Realschule abgiebt, ist nicht sowohl israelitischen Gemeindevorstand ästhetischer Sinn abzusprechen, als derselbe vielmehr wegen seines vorsichtigen Verwaltens des Gemeinde-Aerars zu loben ist; denn der fragliche Raum ist für eine ziemlich hohe Summe vermiethet, welche vorschnell aufgegeben, gewiß Tadler gefunden hätte. Da das Räumen dieses Platzes indessen sich als der Wunsch sehr-Vieler heransgestcllt hat, so sott der Gemeinde-Vorstand diesen Gegenstand bereits in Erwägung gezogen, haben. Jedenfalls hat sich schon eine große Allzahl Gemeindeglieder vereinigt, der:-fraglichen Raum, wenn er nicht gratis überlassen werden sollte, zu miethen, und daß diese den Vorzug vor den bisherigen Miethern alsdann erhalten werden, unterliegt keinem Zweifel. — Daß der Rabbiner Stein in Folge seines Einflusses oder Nichteinflusses auf die israelitische Gemeinde und deren Vorstand den von dem hiesigen Reformverein projektirteu Sonntagsgottesdienst zu hinter- 'treiben im Stande gewesen wäre, ist sehr irrig.. Wie wir aus guter Quelle vernehmen, soll von Seiten des thätigen ResormvereinS bereits ein ausgezeichneter Prediger (der Name desselben ist uns zur Zeit noch unbekannt) fest angenommen sein; auch für ein passendes Lokal ist bereits Sorge getragen, da der Andachts- und Prüfungssaal dazu nicht hergegeben wurde; ferner wurde, in Berücksichtigung, daß die Zahl der Mitglieder des Reformvercins noch nicht sehr groß, viele derselben aus mannigfachen Gründen häufig diesen von ihnen geschaffenen Gottesdienst zu besuchen abgehalten sein dürsten, auch darauf Bedacht genommen, eine Anzahl ständiger Besucher für denselben zu engagiren. Wir hoffen, daß bei solchen soliden Grundlagen diese neue Einrichtung bald weites Feld gewinnen wird! (Han. Z.) Oesterreich. Austerlitz, 28. Novbr. (Verspätet.) Seit mehreren Jahren ging man damit um, die zur unumgänglichen Nothwendigkeit gewordene Reparatur der hiesigen Synagoge'vorzunehmen, welche aber der darüber herrschenden Uneinigkeiten und Streitigkeiten halber nicht zu Stande kommen konnte) bis endlich das Vorsteheramt einem tüchtigen diesem Posten gewachsenen Mann, Herrn M. Reich, zur Leitung anvertraut wurde, dieser wußte, mit festem unerschütterlichem Vertrauen und mit thatkräftiger Wirksamkeit, allen Schwierigkeiten und Hindern tffen mnthig zu widerstehen. Seinem lobenswerthen Vornehmen zur Räumung des A l m e m a r s und zur Einführung der tempelartigen Einrichtung stelltet: sich Parteien schroff und feindlich gegenüber, ja sogar der hierortige Rabbiner, ein frommer hoher Greis, der zwar an Weisheit und Kenntnissen, die vom neuem Zeitgeist gebildeten jungen Kandidaten weit übertrifft, aber den alten Glauben unserer Väter, ihren überlieferten Grundsätzen und eingeführten Gebräuchen getreu, sich durch deren Verdrängung und Vernichtung gekränkt fühlend, stammte sich gewaltig dagegen. Um der Zwietracht hemmende Schranken zu setzen, um Ruhe und Frieden innerhalb der (Gemeinde zu erhalten, wendete sich der Vorstand an den Hochwürdigen Hrn. Rapaport, ersten Oberrabbiner zu Prag, ihn zum Schiedsrichter zu wählen, der mit würdevoller Bescheidenheit und Wahrheit sich zwar nicht als Feind des Zeitgeistes ttnbdes Fortschrittes aus sprach, aber als wohlmeinender Rathgeber sie warnte, daß jedes Unternehmen der einzuführenden Erneuerungen fern von ihnen sein möge, so es nicht mit Zustimmung des Retigionsvorstchers und der ganzen Gemeinde geschehe. Allen Unannehmlichkeiten ausgesetzt, begann der Bau des Tempels, und raschen Schrittes ging das heilige Werk seiner Vollendung entgegen, und am 16. Oktober, wurde ein in edler, verjüngter Gestatt neues, reichlich und zierlich ausgestattetes Gotteshaus im Beisein der erster: Honoratioren und von allen Seiten hcrbeigeströmten Menge feierlichst eingeweiht durch die Berufung des Hrrr. S ch m i e d l ans Wien hierher, der eine gediegene, dieser Festlichkeit angemessene Rede hielt, welcher allgemeiner Beifall gezollt wurde, und der gottesdienstliche Gesang des Lomnitzer Chores gab dem prächtigen Tempel die rechte Weihe. DaS gottbegeisterte Streben der gesammten Gemeinde möge nun dahin gerichtet sein, ein zartes nicht minder wichtiges Werk zu veredle« und zu verbessern. Eine Unterrichts- und Bildungsanstalt ins Leben zu rufen, wo die zarte empfängliche Jugend, unter milder Sorgfalt und spendender Pflege, als gottgefällige Menschen heran wachsen, und als nützliche Mitglieder der Menschheit gedeihen sollen, nämlich eine hebräisch-deutsche Schule zu organisiren, wo den Heranwachsenden Sprößlingen die Gottesfurcht und mosaische Religion eingeimpft werde,'und der hervorblühenden Kindheit die hebräische Sprache, durch welche nur der Bund Gottes mit Israel geschlossen und geheiligt wird, tief eingeprägt und eingeschärst werde, und endlich die heran reifenden diesem Institute entwachsenen Jünglinge befähigen und auszurüsten, um sie auf das weite Feld der talmudischen Wissenschaften hinaus, oder in die hohen Schulen der Hauptstädte schicken zu können. In dieser Beziehung muß ich gestehen, sind die Gemeinden dieses Bezirks gegen die andern Gemeinden Mährens weit zurück, so kenne ich z. B. aus Proßuitz 12, aus Lcipuik 9 und aus Ausft 8, die in Prag leben, um ihr

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