Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 42 (15.10.1845)
- Date
- 1845-10-15
- Page
- Spalte 669-670 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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669 Mannschaft ersetzt. Endlich siegte die Uebermacht und wie 300 Jahre früher Leonidas mit seinen Spartanern, einen ewig ruhmvollen Heldentod starb, so sielen auch hier der unvergleichliche Judas und seine 800 Israeliten, bedeckt mit zahllosen Wunden, für eine heilige Sache: für Religion und Vaterland." Ebenso S. 132 : „Joseph zeigte nun Im verschiedenen Ausfällen eine persönliche Tapferkeit, die ans Fabelhafte grenzt, und die Belagerten gaben der Nachwelt von einem verzweifelten Heldenmuthe ein'Beispiel, das dem der Lacedemonier, Carthager und Saragoffer an die Seite gesetzt zu werden verdient". (S. 133.) „Wie einst mehr als 1300 Jahre später der hochherzige Arnold von Winkelried durch die eigene Aufopferung bei Sempach der Freiheit eine Gaffe schuf, so stürzten sich zwei jüdische Helden, Nathiras und Philipp, in die Reihen der zehnten römischen Legion, der tapfersten von allen,, und durchbrachen sie mit so unwiderstehlicher Kraft, daß sie voll Schrecken die Flucht ergriff. Ebenso .wurde die fünfte Legion zum Weichen gebracht und ihre Werke verbrannt. Wo aber Gott die Hülse versagt, kann menschliche Macht und Tapferkeit nichts ausrichten, daher konnten alle diese und noch größere Wunderthalen des Heldenmuthes des jüdischen Reiches Untergang nicht zurückhalten" rc. Ueber alle Beschreibung schön, ergreifend und erschütternd bis ins innerste Mark ist die Schilderung vom Untergänge Jerusalems; kein menschlich fühlendes Herz kann diese Kapitel ohne Rührung lesen, und nichts ist unserer Ansicht nach geeigneter als diese am Gedenktage der Zerstörung der trauernden Versammlung ein lebendiges wahrheitsgetreues Bild von den erduldeten Leiden ihrer Voreltern zu geben. Der zweite. Zeitraum geht von der Zerstörung Jerusalems bis zu einer ähnlichen schrecklichen Epoche, nämlich der gewaltsamen Vertagung der Juden aus Spanien und Portugal. „Von dieser Zeit an", sagt der Herr Verfasser, „hat die Geschichte der Israeliten wenig mehr von Kriegen und Heldentaten, desto mehr aber von erlittenen Unbrllen, ertragenen ungerechten Beschuldigungen rc. aber auch von einzelnen großen, hervorragenden Männern, die wre glänzende Meteore die arktische Dunkelheit erleuchten, zu erzählen. Diese sind von nun an die eigentlichen Helden der Geschichte, welche nicht mit dem Schwerte in der Hand, sondern theils mit den Waffen des Geistes für das Ewige und Unantastbare, mit energischem, aufopferndem und freudigem Muthe kämpften, theils für dasselbe und für die innere Ueberzeugung in stiller Hingebung als Märtyrer der Wahrheit dulden, leiden und ertragen". ' Dieser Zeitraum zerfällt in 21 Kapitel und behandelt die Geschichte der in alle Länder zerstreuten Israeliten , und so schwierig von nun an, trocken und verwickelt zuweilen der Gegenstand, ist, weiß ihm doch der Vers, ein so anziehendes Gewand zu geben, daß der Leser niemals ermüdet oder gelangweilet wird. Schauderhaft und gräulich sind die Verfolgungen in England, Frankreich, Spanien, Portugal, Deutschland rc. und wir müssen, um unser Urtheil nicht zu sehr in 670 die Länge zu ziehen, den verehr!. Leser auf das treffliche Buch selbst verweisen und wollen nur noch Einiges vom dritten Zeiträume, welcher von der Verjagung aus Spanien und Portugal bis auf gegenwärtige Zeit geht und 15 Kapitel enlenthalt, mittheilen. Schon in den früher» Zeiträumen knüpfte der Verfasser, seinem in der Vorr. gegebenen Versprechen gemäß, an ausgezeichnete Epoche machende Personen die Geschichte ihrer Zeit , und wir erhalten treffliche Lebensbeschreibungen von R. Juda Ha-Kadosch, R. Meier, Ibn-Esra, Maimon rc. noch ausführlicher aber - erhalten wir sie in der neuern Zeit von-Spinoza, Mendelssohn, Wessely, Iakobssohn rc. und wir erkennen aus dem Streben dieser Männer, wie sich längst schon der größte Kheil der Israeliten geistig emancipirt hat, obschon ihnen die leibliche Emancipation zur Schmach unsers Jahrhunderts in manchen Staaten noch versagt ist. Wir haben das Buch um so mehr mit Aufmerksamkeit gelesen, da man es, wie wir jetzt klar einsieht, aus unlauterer Absicht ungelesen verdächtigte, und auf diese Weise an dem Verfasser sich versündigte, der durch den rastlosen Fleiß, mit welchem er das Werk bearbeitete, sich den Ruhm eines tüchtigen und gründlichen Geschichtsarbeiters erwarb; wir suchten und fanden nur wenige, fast gar keine Ausstellungen. Die Druckfehler kann man dem Hrn. Verfasser nicht zur Last legen, sie sind meistens verbessert und fast nie sinnentstellend, und als Versehen müssen wir es betrachten, daß Raphael Hirsch bei dm holländischen Gelehrten steht, jedoch mir dem Bemerken, daß er in Emden angestellt ist. Die typographische Ausstattung entspricht dem Inhalte. Ein herrlicher Druck, schönes weißes Papier, ökonomische Benutzung des Raumes, großes bequemes Format und als willkommene Zugabe das Bildniß des wackern Hrn. Verfassers, ein ausführliches Inhaltsverzeichniß und zur großen Bequemlichkeit des Lesers ein ziemlich vollständiges Register, und dabei ist — wofür wir dem Herrn Verleger Dank wissen — der Preis verhältnißmäßig sehr billig gestellt. Obschon wir überzeugt sind, daß dieses Werk keiner Empfehlung bedarf, so finden wir uns doch verpflichtet, es jeder Familie, jedem aufrichtigen Israeliten, der sich belehren und mit der inhaltsreichen Vergangenheit, den Leiden seiner Väter und den Leistungen der Gegenwart bekannt machen will, und jedem gebildeten Christen, der gern erfahren möchte, was wir wieder gut zu machen haben, dringend zu empfehlen. Dr. L e u L b e ch e r. Inhalt des Sabbath-Blattes Nr. 4L. Aus Ungarn. (Der 29. Artikel von 1840. — Die Wage der Gerechtigkeit. -7- Zwei-Groschen-Quittung. — Der 29. Artikel. — Moralitätszeugnisse. — Verzögerungssyftem. — Zwei Groschen oder ein Proceß? — Halbheit in der Legislation. Stellung der Handwerker.) — Die große Kirmiß in Brüssel» Von I. Kuranda. — Der Schatz der Synagoge zu Pork. (Beschluß.) — Vermischte Nachrichten. Ferien der religiösen und politischen Verhältnisse der Juden. Die Rcformgenoffenschaft. Ein neuer jüdischer Verlag in Danzig und Königsberg. Kritiken. Geschichte der Israeliten von Dessauer