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Der Orient · 1845-10-15 · Heft 42 (15.10.1845) · p. Seite 336

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 42 (15.10.1845)
Date
1845-10-15
Page
Seite 336 (sequence 15)
Language
German
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- 336 - vatteben von sich gechan. Die Synagoge soll die Einzelnen zusammenführen, die Getrennten einigen; das liegt in dem Namen, den wir eben gebraucht, wie in der hebräischen Bezeichnung, dessen Uebersetzung eben das griechische Wort ist (HDOT rvo). Und überall, wo man dem gottesdienstlichen Wesen erneute Sorgfalt zugewandt und ihm die Würde und Angemessenheit, die es verloren, wieder zu erringen sich bestrebt hat, war der Erfolg zunächst die Wiedervereinigung der anseinunder gerissenen, einander sowie dem Judenthum überhaupt entfremdeten Glieder. Daß in der Beseitigung dieser Entfremdung auch noch das tiefere Interesse für die religiöse Bildung und Erziehung der Jugend mit inbegriffen sei, daß, wo erst die Einzelnen aus ihrer kalten Jsolirung herausge- Lreten und unbefangen zum Besuche des Gotteshauses sich wieder entschlossen, auch der Anspruch, dem jüngeren Geschlechts Halt- und Stützpunkte für sein Bekenntniß darzubieten, sich wieder einfinde, bedarf wohl nicht erst des Beweises und der näheren Begründung. Wie wenig der Gottesdienst Ln seiner bisherigen Gestalt seiner Bestimmung entspreche, geht aus der Lhatsache hervor, daß er eben in vielen Gemeinden eine Umgestaltung erfahren. Ueber die Mittel zu einer solchen und die Grenzen derselben liegen hinlängliche Erfahrungen vor und es kann aus dem bereits Vorhandenen das Angemessene und zum.Ziele Führende, sowie das Unangemessene und seinem Zwecke nicht Entsprechende mit ziemlicher Sicherheit ausgeschieden werden. Zur Ordnung und Gestattung des Gottesdienstes bedarf es weniger der Einführung neuer, ihm fremder Bestandtheile als der Ausscheidung und Entfernung Derjenigen, die ihm seinen ursprünglichen Charakter genommen, so wie seiner Würde Eintrag gethan; es gilt weniger, ihn durch außer ihm liegende Mittel zu stützen oder aufzuftutzen, als die in ihm Liegenden, ihn bildenden.und haltenden Momente zu ihrer Geltung durchdringen zu lassen. Ueberdas leise Gebet. Um mit dem Äußerlichsten, das aber hier von der wesentlichsten und tief eingreifendsten Bedeutung ist, anzufangen, muß die Theilnahme der Gemeinde am Gottesdienste sich auf ein leises MitbeLen beschränken. Welchen Eindruck das ohrzerreißende, verstandwidrige Durcheinanderschreien, — welches nur daraus hervorgeht, daß jeder Einzelne sich zum Vorsänger macht und die Anderen überbieten und überschreien möchte, hervorbringe, werden die Leser dieser Bemerkungen aus eigner Erfahrung wissen. Wie die alten Weisen und Gesetzlehrer unsres Volkes hierüber gedacht, wie sie an das Gebet der Channa (1 Sam. 1) anknüpfmd, lehrten., daß nur die Lippe sich bewegen, die Stimme aber nicht hörbar sein solle, wie ferner schon in der Bezeichnung wrb'2 rfen, leises Gebet, die Art der Recitation deffelbon hinlänglich bestimmt sei, — was noch deutlicher aus der Talmudstelle*) (Sota fol. 31 b) *) Wozu ist/ das Leise Gebet eingeführt worden? Um die sich ergiebt — das Alles ist zu bekannt, um hier des Ausführlichen erörtert zu werden. Die Vorschriften, die auf Grund der talmudrschen Feststellungen Marmuni und R. J a ko b b e n A scher im Tur als gesetzlich für das Verhalten des Betenden trtheilt, dürfen nur nach ihrem Geiste und Wortlaute sestgehalten werden, um eine vortreffliche Synagogenordnung abzugeben. Um aus Vielem, das hierher gehört, etwas anzuführm, gebe ich die Worte Maimuni 'ü TdSi 'p plD nfen : „Wie soll die Stimme des Betenden gerichtet sein? — Er erhebe seine Stimme nicht/laut, bete aber auch nicht blos in seinem Herzen, sondern er spreche die Worte mit den Lippen aus, daß sie sein Ohr hört, aber leise; nur dem Kranken, oder wer sonst zu keiner Andacht kommt, wenn er nicht laut spricht, ist es gestattet, seine Stimme zu erheben, jedoch nicht in öffentlichem Gottesdienste, damit die Aufmerksamkeit und Andacht der Gemeinde nicht gestört und zerstreut werde durch seine Stimme". — An Klagen über das Schreien fehlt es nicht, und an Versuchen, diesem Uebelstande zu steuern, selbst in späterer Zeit eben so wenig. So war es denn auch in unserer Zeit gerade dieser Punkt, der die Aufmerksamkeit der Rabbiner und Gemeinde- Vertreter auf sich zog, und er wird auch in unsrer Gemeinde das nächste und unumgänglichste Augenmerk bilden müssen. So lange in dieser Beziehung nicht dem eingerissenen Misbrauche und der herrschenden Anstandlosigkeit gesteuert wird, ist es nicht möglich, daß die dem Gotteshause gebührende Achtung sich wieder in den Gemächern heimisch mache und die dem Gottesdienste nöthige Würde erzielt werde. (Fortsetzung folgt-) Sünder (d. h. nach P dieser Stelle/ die ein Sündenbekenntniß in ihr Gebet emschalten wollen) nicht zu beschämen. Ferner: (Verachot fol. 24) Wer seine Stimme beim Gebet erhebt, ist ein Kleingläubiger! Personalchronik und Miseellen. Vermischtes. In Aachen soll eine israell Schule mit Genehmigung des Staates — .^bie erste in Rheinpreußen? errichtet werden. Die Doktoren G. Salomon und Enoch streiten sich über eine Kasseler Corresponbenz des Zionswächters im Hamb. Correspondenten; Jeder hat sich bereits zweimal vernehmen lassen. — Zwei Dresdener Juden sollen Deutschkatholiken geworden sein; ebenso ein Leipziger — Der Kapellmeister A. Berlin in Amsterdam hat für seine neuesten Kompositionen vom Könige von Dänemark einen werthvollen Brillantring nebst einem anerkennenden Schreiben erhalten.— Der Kultus in der Königsb. Synagoge soll eine — sehr unbedeutende — Reform erfahren. Druck von I. H. Nagel. Verlag von C. L. Fritzsche.

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