Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1845)
- Date
- 1845-10-01
- Page
- Seite 320 (sequence 15)
- Language
- German
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320 - tragten Aufhebung der von den außerpalästinenstschen Juden bisher gefeierten, nichtbiblischen zweiten Feiertage beschlossen; für die erstere Frage soll keine besondere Commission ernannt, die letztere der Sabbatcommission überwiesen werden. — Unter den verschiedenen FörmlichkeiLsbeschlüssett, welche hierauf folgten, nahm der über das für die Nabbinerversammlung anzuschaffende Siegel durch die Debatte, die sich daran knüpfte, noch ein besonderes Interesse in Anspruch. Es fragte sich nämlich, ob die Umschrift des Siegels lauten sollte: „D eutsch e Ra bb in erversamm luu g", was eine sich in Deutschland zusammenfindende Versammlung von Rabbinern bezeichne, oder ob sie „Rabbinerversammlung Deutschlands", „Versammlung der Rabbiner Deutschland's" heißen solle, was die außerdeutschen ausschließe (waS aber auch voraussetzen würde, daß die sämmtlich en Rabbiner Deutschland'ö sich daran betheiligten, welches bekanntlich keineswegs der Fall ist, indem die Inden mancher deutschen Staaten, z. B. Oesterreich's, Baiern's, Hannover's re. darin bisher nicht vertreten waren. Einhorn, Heß, Salomon und Holdheim sprachen sich sehr entschieden und kräftig für die formelle Ausschließung uichtdentscher Elemente aus. Im nächsten Jahre sei, besonders bei der Rahe Polen's an dem Zusammenkuuftsort (Breslau) mit Grund zu befurchten , daß die Versammlung, d. h. deren diesjährige Majorität und Richtung, durch die Betheiligung einer großen -Anzahl polnischer Rabbiner Zerdrückt" und das junge Institut ,,gesprengt" würde. Diese Furcht Lheilte sich noch mehrern Mitgliedern mit. Treuenfels meinte mit noch Einigen, das Prädikat ,,deutsch" und selbst die Nennung des Namens unseres Vaterlands auf dem Siegel gewährten durchaus keine Sicherheit gegen das Hereinbrechen einer solchen Gefahr, indem es ja auch in Deutschland noch so gar viele Rabbiner gebe, die eine dem Geiste dieser Versammlung entgegengesetzte Tendenz verfolgten und die Protestätion der 116 gegen die Nabbinerversammlung mitunterzeichnct hätten. Der Präsident machte, der Versammlung bemerklich, daß die Religion kein Vaterland kenne und es mir zu wünschen sei, daß die Versammlung ihre Wirksamkeit auch über die Grenzen Deuschlands ausdehne. Ja, er fürchte nicht allein die Männer der andern Richtung nicht, sondern er wünsche sogar deren Betheiligung an den spätem Versammlungen, damit die verschiedenen Richtungen und Ansichten sich näher kommen und gegenseitig belehren und ausgleich en möchten. Geiger ermahnte die Versammlung, die sich bisher so unerschrocken benommen, sich nicht am Schlüsse noch von eitler Furcht bewältigen zu lassen. Er kenne die polnischen Rabbiner aus näherer Beobachtung als seine Collegen, und er gebe der Versammlung sei n W o r t, daß kein einziger derselben sich dazu entschließen werdebei ihm, Geiger, sich anzumelden, was doch bei einiger Betheiligung bei der nächsten Versammlung vorangehen müsse. Uebrigens habe die Versammlung, ihren Statuten gemäß, kein Recht, einen Colleges auszuschließen. Auch A. Adler, Hirsch, Cahen u. a. sprachen sich dafür aus, > daß man nicht aus Furchtsamkeit irgend eine Ausschließung aussprechen mochte.*) Die Beschlüsse der Majorität verpflichteten ja die Minorität nicht zur Nachachinng; wenn das Gefürchtete wirklich eintreffm sollte, so würde man protestirenf die Gemeinden hätten dann zu entscheiden und würden sich gewiß der Minorität anschließen. Dem auf St ein's Antrag gefaßten Beschlüsse zufolge, wird das Siegel die Umschrift: „Versammlung deutscher Rabbiner" tragen. — Der Präsident resnmirte darauf die Wirksnmkcit und die Erfolge der nunmehr beendeten zweiten Nabbinerversammlung. Das neuzn sch affende Gebetbuch werde eine sichere Waffe gegen die Angreifer und Widersacher sein. Es werde tief im Volke wurzeln. — Das vor dem berühmten Rabbiner Rapaport aus Prag an die Versammlung gerichtete Schreiben (in hebräischer Sprache) kam nicht weiter zur Sprache. Auerbach verlas daraus den Entwurf zu einer an das Volk zu richtenden Ansprache, welche den Protokollen vorangedrnckt werden soll. Dieser Entwurf wurde jedoch als zu lang von der Versammlung nicht vollständig angehört und die Abfassung einer kurzem und populärem Proklamation beschlossen. Der Präsident sagte darauf der Versammlung seinen Dank, der Sekretär (Hirsch) drückte dann im Namen seiner Kollegen dem Präsidenten und dem Vicepräfidenten den Dank aus und gab seine Freude zu erkennen, daß das begonnene Werk n u n m eh r g e si ch e rt d a st e h e. Der Präsident schloß mit einem Gebete, worin es u. a. heißt: „Es war uns in diesem Jahre vergönnt, für die Verherrlichung Deines Tempels zu wirken; für die Verherrlichung Deines Ruhetages werden wir in dem nächsten Jahre wirken, . . . Dem Reich komme zu uns! —- — Der Du Frieden in deinem Himmel stiftest. Du mögest auch uns Allen den Frieden schenken!" — Nachdem derPräfident darauf im Namen Gottes und seiner Kollegen die zweite Nabbinerversammlung für geschlossen erklärte, lud er seine Kollegen noch zu einer vertraulichen MLttheilung ein. So schloß die zweite Rabbinerversammlung, welche in unserer Stadt bei allen Konfessionen die leb Hasteste Theilnahme und Aufmerksamkeit erregt hatte. *) Letzterer ruft mit Pathos aus; ^31; TV5* pöDI hi. Verlag von C. L. F r i tz s ch e. Druck von/ I. H. Nagel.