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Der Orient · 1845-09-24 · 39 (24.9.1845) · p. Spalte 621-622

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Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
39 (24.9.1845)
Date
1845-09-24
Page
Spalte 621-622 (sequence 7)
Language
German
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1 j j r! 621 zu lassen. Er erhebt sich aus der Mitte seiner eigenen Be- ' rufsthätigkeit (Herr Erter ijt bekanntlich ein geschickter prak- Lischer Arzt) in das Reich der Dichtung und Phantasie, wozu er durch den Anblick eines mit Wasser gefüllten Glases und eines weißen leinenen Lappens angeregt wird, die hier zu Lande an das Fenster des Zimmers angebracht zu werden pflegen, wo die Seele eines Sterblichen ihre irdische Hülle verließ; angeblich damit die frei gewordene Seele sich die sieben Trauertage hindurch von den ihr etwa noch anklebenden Unreinigkeiten abwaschen möge! Eine solche Seelenbadeansialt erblickt unser Dichter und Arzt am Fenster eines von ihm ärztlich behandelten Kaufmannes, an welchem er seine Arzneikunst vergebens versucht hatte. Seine an die badende Seele gestell- . ten Fragen veranlassen diese zur Aeußerung,- daß sie bereits seit mehren hundert Jahren in verschiedener Form und Gestalt auf Erden gelebt und gewirkt.habe. Die mehrfachen Uebergänge von der menschlichen Form in die thierische und umgekehrt sind überraschend und sinnreich motivirt; und die Branntweinsucht der Chasidim, die herzlosen, rcligions- und moralwidrigen Plackereien der Licht- und Fleischgefällenpcichter, die unerquicklichen Gesangsweisen der polnischen Chasam'm, die antijüdischen Relkgionsdogmen der Anhänger der Kabbala,; die Charlatanerien des ärztlichen Standes, die zelotische Verfolgungssucht unserer Obskuranten und mehre andere Verkehrtheiten und Lächerlichkeiten in polnisch-jüdischen Sitten und Gebräuchen werden kunstreich in das Gewebe gezogen, mit lebhaften, frischen Farben geschildert und mit beißendem Witze gegeißelt. Die durchgängige Klassicität der Sprache, die rein biblisch, klar, edel, von unfern Verfasser musterhaft, mit fast unnachahmlicher Fertigkeit gehandhabt wird, setzt diesem poetischen Produkte die Krcne auf. Jene, welche unsere Sprache arm und'todt schelten, mögen sich an diesem kräftigen, lebendigen Hebräischen überzeugen, 'daß nur Trägheit und Nachlässigkeit lzu.einem so absprechenden, oberflächlichen Urtheile verleiten können. So lange solche Darstellungen in unserer, Mitte erscheinen und'mit Enthusiasmus ausgenommen werden, dürfen wir. die hebräische Sprache nicht arm, nicht tobt nennen, und als alterthümliches Gerath vernachlässigen und aufgeben» Die Haltung und der Ton sind echt humoristisch. Beim ersten Durchlesen kann man sich über die darin vorgesührten Thorheiten des Lächelns nicht enthalten, allein mit weymüthigem Ernste erfüllet uns so manche Betrachtung, wie eben-durch diese belächelten Thorheiten schädlicher Aberglaube und so viele entwürdigende Misbräuche gefördert, und die Entwickelung und Durchdringung besserer Ansichten sowie die Erreichung heilsamer edlerer Zwecke gehindert und unterdrückt, gleichsam unzugänglich gemacht werden. — Es sei uns zum Schlüsse noch gegönnt, eine unmaßgebliche Meinung zu äußern.' Die chasidischen Verkehrtheiten und kabbalistischen Verirrungen haben glücklicher Weise auch hier nur das Volk der niedrigsten Regionen insicirt, und für diese sind die edlen Kräfte unseres begabten, gelehrten Verfassers, man darf sagen, fast verschwendet, da Leute dieser Klasse solche Schriften nicht lesen, ja zu 622 lesen außer Stande sind. Aehnliche satyrische Darstellungen im jüdisch-deutschen Jargon dürsten zur Besserung erwähnter Fehler eben so kräftig, wenn nicht mit mehr Erfolg wirken, da hiebei doch auf den unwissenden Pöbel und auf die leichtgläubigen Weiber vorzüglich Rücksicht zu nehmen ist. Allein es giebt in dem eigentlich jüdischen Leben unserer galizischen Glaubensbrüder in allen Klaffen viele zerstörende Uebel, verkümmernde, niederdriickende Gebräuche, welche die wahre Religiosität verletzen, unfern Aufschwung zu den Höhen der Civilisation hindern', und ein bedeutendes Hemmniß sind, uns der Ergebnisse unserer lauternden Zeit theilhaft zu machen. Diese sind wohl ein würdigeres Feld, worin Herr Erter seine geistigen Waffen mit dauerndem Ruhme zum Nutzen und Frommen aller seiner galizischen Mitbrüder anwenden konnte, und es soll uns freuen, ihn auf diesem Gebiete bald zu begegnen. Dr. M. Ehrenreich. Kurze Notizen und Miseelle». Jakob ben Nissim's Eintheilung der Wissenschäften. Fürst hat durch die Veröffentlichung der „Proben aus Jakob ben Nissim's Einleitung zum Jezira-Kommentar" die Leser des „Orient" sich von Neuem zu Danke verpflichtet. Die Wichtigkeit dieser Proben sind von der Redaktion selbst hervorgchoben worden, und ich will blos die in der ersten Stelle der „Proben" gemachte Eintheilung der Wiffenschaften beleuchten. Jakob ben Nissim theilt die Philosophie — wobei der Ausdruck nftDIl zu berücksichtigen ist —- in Theologie, Naturwissenschaft — da die ncon die n'NiD~)n nonn nur im engern Sinne in sich schließt — und Hilfswissenschaften, welche Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Erdkunde (?) —:•'pUlDH nn Gegensatz zu ‘p.fej — in sich schließen. Diese Eintheilung hat sich auch später bei den jüdischen Philosophen erhalten. So finden wir im r->"pN — abgedruckt in der Sammlung Minchat Kenaüt — eine ähnliche Eintheilung der Wissenschaften. Es wird dort S. 125 gesagt: noxi 'NH nDDn ru'opjnmosn m rvnbn nonn 'am jnon wrb inw mDto nbro nw m /rai-miD^n rron >ddd idd -nNtri nßnn1? rmnsNn Eine andere Eintheilung, die von einem größer» Gesichtskreise ausgeht, ist die del Medigo's (Melo Chofnajim, S. 62), worauf die Worte 'w pu niö Niro Hinweisen. I n k. Studien. Zakob den Nissim's Einleitung der Wiffenschaften

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