Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1845)
- Date
- 1845-09-24
- Page
- Seite 305 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Sechster , Jahrgang. Berichts, Studien und Kritiken Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen Löbl. Postämtern und allen solid. Buchhand- - langen auf ein Jahr. für Mische Geschichte und Literatur. , Herausgegeben von Nr. Julius Fürst» Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. M 3» Leipzig, den 24. September Inhalt. Deutschland. Hamburg. Beleuchtung der Bestrebungen der Reformgenossenschaft in Berlin. Trier. Wirkung der R.-V. Schreiben der Gemeinde an Hrn. Rabbiner Kahn. Hamburg. Homiletische Vereine. Dr. Kley. Westpreußen. Die Stellung der Lehrer. Hannover. Frankens Beantwortung der Adresse. Holstein. Deputation. Rabb. Heilbut. Hamburg. Zur Emancipationsfrage. W ü rte mb er g. Vermischtes. — Mein Austritt aus der Rabbiner-Versammlung. Von Rabb. Schott. — Pdrsonalchromk und Miscellen. Schweizer Protest. — LB. d. Or. Deutschland. Hamburg, 1. Sptbr. Die Gesellschaft der jüdLschen Reformfreunde in Berlin hat sich an die Direktion des hiesigen Neuen Tempels gewandt, mit der Bitte, ihr zu den bevorstehenden Festtagen Jemanden zu schicken, der es verstände , ihr den Gottesdienst einzurichten und zu predigenl — Dies ist an und für sich ein so uubedeutendes Faktum , daß eö" der weiteren Mitth'eiluug kaum werth gehalten werden kann, und dennoch ist es so bezeichnend und giebt so viel zu denken, ja es ist der Schlüssel zu der ganzen Berliner Reformfrage, die so Bielen ein Räthsel erscheint. Gewiß, ich gehöre nicht zu denen , welche einen starren Konservatismus für gut und zweckmäßig halten, ich bin kein Feind und kein Gegner von Reformen, ich glaube, daß es nothwendig ist, mit der Zeit fortznschreiten — jetzt eine alltägliche Phrase —, ich glaube aber nicht, daß die Religion sich dem Staate unterordnen müsse, wie denn überhaupt solche Unterordnung auch im Allgemeinen seine Grenzen haben muß, und ich glaube nicht, daß von Berlin das Heil der Judeuheit ausgehen wird. — Die Berliner Resormfrennde haben Aufforderungen zum Beitritt an verschiedene angesehene und urtheilsfähige Männer hiehergeschickt, und in ganz Hamburg — wo circa 8000 Juden und darunter sehr viel gebildete und aufgeklärte wohnen — ist ein Einziger beigetreten; in Altona dagegen, und das kann ich mir allerdings nicht erklären, sind mehrere Unterschriften erfolgt. Nach meiner Meinung ist der Berliner Reform-Verein ebenso gut schon im Sterben begriffen, wie der Frankfurter Verein trotz alles Aussehens schon einige Monate nach seiner Geburt gestorben ist, denn man wird der Welt doch, wahrlich nicht glauben machen wollen, daß hundert Personen eine Reform begründen können, und sie werden das um so weniger, als sic jetzt bereits alles Zutrauen und Ansehen verloren haben. Zu bedauern sind diese Bestrebungen aber , weil sie die Juden gegen jede Reform nlistranisch. machen, und doch ttjitn die Reformen im Jndenthurn sehr Noch, und da die Absicht, die Religion dem Staate nnterzuordnen, offen ausgesprochen wird, und ans solchem Aussprache einerseits die höchste Unkenntniß der Religion, die man reformiren will, anderseits aber eine grenzenlose Feigheit und Treulosigkeit an seinen Glaubensgellossen hcrvorgeht, verdient das Bestreben jener berliner Reformatoren den höchsten Tadel. Wer das Auftreten derselben mit ruhigen Blicken beobachtete, konnte so ziemlich vorherwissen, daß es ohne Erfolg bleiben werde, und so ist es in der That. So recht klug werden konnte man übrigens nie aus ihnen, denn von Anfang an herrschten die verschiedenartigsten Ansichten unter ihnen und zwar nicht in Nebensachen, sondern in den hauptsächlichsten Punkten. Das Ganze war eine Nachäffung des seligen Frankfurter Nefornls-Vereins und der deutsch-katholischen Gemeillden, Sterrr glaubte für die Juden zu werdeir, was Rouge für die Katholiken geworden, aber es thut der guten Sache immer Nachtheil, wenn Männer ohne Berns und Kenntllisse sich zu 39