Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1845)
- Date
- 1845-09-03
- Page
- Seite 281 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Sechster UM ii Jahrgang. Berichte, Studien und Kritiken für Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Lhlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaiurblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. 36t Leipzig, den 3. September 1848» Inhalt. Deutschland. Breslau. Frankel's Antwort auf die Adresse. Oberdorf. Vlntbeschuldigungen. Historisches. Stettin. Adresse an Dr. Frankel. Aus Baden. Die Fr. R -V. Kultusreformen. Aus Baden. Mannheimer Rabbi n er v er sa m m l un g. 2. Heft gegen die Br. R.-B. Pleschen. Adresse an Frankel. Breslau. Dr. Gra.; und seine Gegner. Frankfurt a. d. O. Prediger Jsaaksohn. Aus d e m H a n n ö v e r sch e n. Rabbinerwahl. Frankfurt a. M. Die Verhandlungen der N.-V. — Oesterreich. Prag. Die böhmische „Biene" über Juden und Czechen.. — Personalchronik und Miscellen. Der Staat und die Juden. London. — LB. d. Or. Deutschland. Vveslnu, 20* Ang. Es wird vielleicht den Lesern- Ihres Blattes nicht unlieb sein, die Antwort des Hrn. Dr. Frankel auf unsere Adresse zu lesen, und ich erlaube mir daher selbige mitzuthellen. Antwort des Oberrabbiners Dr. Frankel ans die von Breslau ihm zugesandte Adresse: „Sie haben mir hochzuverehrende Herren! in einer Adresse Ihre Übereinstimmung mit meinem bisherigen Streben, sowie mit meinem Austritte aus der Rabbinerversammlung. zu Frankfurt a. M. zu erkennen gegeben. Ist schon selche Anerkennung von Seiten, für den väterlichen Glauben glühender Männer ein hoher Lohn, so fühlte ich mich von noch tieferer Freude über die große Wahrheit durchdrungen, die Ihren: Schreiben zu Grunde liegt: noch schlagen die Herzen Vieler für daS Judenthum, giebt es Viele, die für dasselbe leben, und wie Sie sagen, für dasselbe zu sterben bereit sind. Wir befinden uns in einer drangvollen Zeit, es sturmen von innen Feinde gegen dm Glauben, und läßt man kein Mittel unversucht, uns unser hohes Gut geringschätzig, verächtlich zu machen, man LsWcstrebt ihn herabzuwürdigen, ihn vor den Augen der Außenwelt als lächerlich darzustellcn, auf if;n Haß und Verachtung herbeizuziehen, ihn als Ausgeburt der Beschränktheit und des Stumpfsinnes zu verschreien, die schöngeistigen Tage des vorigen Jahrhunderts kehren bei uns ein, es sotten Oberflächlichkeit und Leichtsinn die Heiligen Spuren verwischen, nicht was Jahrtausende ehrwürdig war, was als Heiliges uns übergeben wurde, was Israels Leben und Bestehen bildet wird befragt, sondern die seichte Aufklärungssücht, die gemüthtose Verflachung, das Anschmiegen an des Tages Sitten und Gebräuche, der Beifall und der Zuruf von Außen wird zum Richter gemacht, er soll über unser religiöses Sein entscheiden! Welche andere unedle Motive noch vielen Reformversuchcn zu Grunde liegen ist jedem Tieferblickenden klar, aber ihm auch fest die Ucberzeugung, daß diese vorübergehenden Gewitterwolken auf Allgenblicke nur unfern Horizont zu umdüstern vermögen. Wohl ist in dieser Zeit der Kampf sehr betrübend', betrübend der Gedanke, daß das Volk an sich irre werde, cs nicht weiß wohin sich wenden, an wen sich halten! Und doch ist mein Vertrauen stark: noch lebt ein starkes Bewußtsein in unserer Mitte, noch wird'in ihr die wahre Anhänglichkeit nicht vcrnrißt, wird erkallnt welche Reform aus frommen Bedürfnisse hervorgeht, und welche der Geringschätzung des väterlichen Glaubens, und weil er nicht tiefere Wurzel geschlagen, ihr Entstehen verdallke. Lassen Sie uns also Muth fassen, wahrlich! nicht ich bin der Berufene, ich fühle vielmehr in mir, wie schwach meine Kraft ist, aber der Wille, der mich trotz meiner Neigung zur Stille und Zurückgezogenheit zum Kanlpfe gegen Lüge und unwahres Vergeben drängt, lebt in Vielen, auch in ihnen wird der Unmuth über das trügerischr Treiben zur Krastäußerung übergehen, daß sie sich um das Heiligthum schaaren, es kräftig gegen Unberufene verteidigen und 36