Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1845-08-06 · 32 (6.8.1845) · p. Spalte 497-498

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
32 (6.8.1845)
Date
1845-08-06
Page
Spalte 497-498 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/8555529-9897698-9897733--4135-3531504
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

LrteraLurbtatt des Orients. Berichte, Studie« und Kritiken für Mische Geschichte und Literatur. JVI 32» Leipzig, den 6. August 184Ä« Inhalt. Literatur-Berichte. Berlin. D. Cassel. S. Cassel. Goldberg. Goldenthal. Corvtz. Wien. Lelko dellaTorre. Reggio. — Studien, lieber die 'Unverbrüchlichkeit der Eide. VomRabb. Fasset (Forts.) — Vorläufiger Bericht über mein Studium der Münchner hebr. Handschriften. Von M. H. Landauer. Zeit und Land des Sohar. Recanati. Das Rathsel mit Simon ben Jochai. — Kurze Notizen und Miscellen. Der Name Nagara. Aussprache des Gimel bei den spanischen Juden. Von Ink. — Ankündigungen. Literatur - Berichte. Berlin, 16. Juli. Unsere Residenz ist nicht der Platz, wo jüdisch-literarische Erscheinungen gedeihen, obgleich die Gemeinde fast an 7000 Seelen jüdischen Bekenntnisses zählt und es an gelehrten und gebildeten Männern nicht fehlt. Zunz, Le brecht und jetzt auch Sachs können wohl für jüdische Literatur und Geschichte den jüdischen Gelehrten anderer Städte über- oder gleichgestellt werden, die beiden Cassel und noch viele andere talentvolle junge Leute haben wohl Anlagen genug, um manche schöne Monographie auf dem Gebiete der so vernachlässigten jüdischen Wissenschaft zu veröffentlichen; allein die Wissenschaft bedarf zu jeder Zeit der schützenden Hand der Mäcene, und wenn die Ma'eene in unseren Zeiten so schwer zu gewinnen sind, wenigstens eines willigen Buchhandels, der ohne Aussicht auf Gewinn, der ohnehin bei dem herrschenden unwissenschaftlichen Geist des größten Theiles unserer Seelversorger nicht zu erwarten ist, die Stelle derMäcene vertritt. Beides ist hier entweder gar nicht oder nur selten zu finden. Die Periode der Aufklärerei, mit ihren schalen deistischen Ausgeburten der religiösen Uebernüchternheit, hat bekanntlich die Letzten Tugenden der Israeliten von altem Schrot und Korn, die Dilletanlismus genug hätten, um Mäcene abgeben zu können, in einen abschreckenden Nihilismus aufgelöst , und die nachwachsende Generation, welche von dem Erbe der Vorfahren gar nichts weiß, konstruirt einen Mosaismus oder zerarbeitet sich in der Auffindung eines Judenthums ohne Vergangenheit, ohne Bibel, ohne Talmud, ohne Literatur, ohne Glauben und Aberglauben, so daß sie schon vermöge ihres Herzensdranges keine Mäcene der jüdi-. schen Literatur abgeben kann. Der Buchhandel kann in Berlin ebenfalls nicht die jüdischliterarischen Bestrebungen aufmuntern; was Veit und Asher zuweilen für diese Literatur thun, ist gewiß dankbar anzuerkennen, da es immer Opfer sind, die sie bringen; aber diese Vortheile können nur einige Befreundete benutzen, da der Buchhandel an sich hier keine solche Opferbringt. Von dem Kultur-Verein hatman anfangs ein gewisses Mäcenat erwartet; das Zusammenwirken vieler Kräfte hätte manches schätzbare Werk Hervorrufen, manches junge Talent ermuntern und anregen, manche schwierige Frage in der Erforschung der jüdisch-literarischen Schätze zum Abschluß führen können; allein die Reform-Cholera, die in seiner Mitte ausgebrochen zu sein scheint, die Vorsieber, welche dieser Zeitkraükheit vorangegangen, haben dieses junge Institut, das ohnehin als ein Berlinisches kein großes Vertrauen eingeflößt, für eine Einwirkung in die Literatur fast vernichtet. Was jetzt hier in dieser Beziehung auftaucht, ist nichts als die vereinzelte, zersplitterte Kraft, die von einem inneren Drange geleitet, zuweilen gewaltsam ein Hemmniß durchbricht. Die Resultate der jüdischem literaturgeschichtlichen Forschungen, wenn gleich jetzt deren nur wenige erzielt werden, sind nicht durch einen großen Kampf nach systematischer Ausführung eines Planes, sondern gleichsam durch Marodeurkämpfe abgerungen worden. Die Arbeiter haben sich gleichsam in die Arena gestohlen. Rapa port mußte seine trefflichen Biographien als Anhänge zu einem damals schlechtenJahrbnche muerbrrngen, zufrieden, daß mansie mit der kleinsten Schrift drucke, damit sie durch einen größern Raum ja nicht aufsehen machen; Zunz, Sachs, Zedncr u. A. mußten die Unterbringung ihrer Arbeiten als Freundschaftsgaben betrachten, die zur Dankbarkeit verpflichten, und die Kerem Ch em ed sind gleichsam wider ihren Willen, gegen ihre erste Bestimmung und gegen die erste Absicht des Herausgebers, zu einer Fundgrube für die jüdische Literaturgeschichte geworden. Möge es recht bald besser werden! Der anarchischen Gegenwart uns zuwendend können wir natürlich nur von zersplitterten Erscheinungen berichten. Die 32

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.